Mahnfeuer rütteln auf

Gut besucht und guter Austausch: beim Mahnfeuer der jungen Landwirte in Mellendorf. Foto: E. Rodenbostel
 
Platz für Gespräche, kontrovers oder zustimmend. Hauptsache: Miteinander reden. Foto: E. Rodenbostel

Junge Landwirte suchen Austausch und Perspektive

Mellendorf (er). Die jungen Landwirte sind aktiv und sie organisieren sich selbst. „Das ist vielversprechend für viele Berufskollegen“, sagt Heike Stoll-Gutowski aus Schlage-Ickhorst. Sie wusste vom Vorbereiten des Weihnachtsbaumverkaufs und kalbender Kuh mit Problematiken an diesem Tag und trotzdem waren dem Sohn der Aufbau und die Mithilfe bei der Veranstaltung der Mahnfeuer am vergangenen Freitagabend wichtig und wurde mit erledigt. Zu der landesweiten Aktion riefen die Landwirte Bürgerinnen und Bürger auf, um mit ihnen über Fragen rund um die Landwirtschaft zu sprechen. Fragen wie „Insektenschutz und Biodiversität gegen billige Lebensmittel?“ oder „Haben unsere Lebensmittel schon die ganze Welt bereist?“ wurden von den Landwirten beantwortet.
„Besser, wir reden miteinander, statt übereinander“, war das Motto, das den Boden für viele Gespräche zwischen den Anwesenden ausmachte. „Hier stehen alles Bauern für interessante Themen zur Verfügung“; sagte der Specher der Landwirte Arne Klages aus Sprockhof. „Junge Landwirte fragen sich nach dem Studium oder der Schule, was jetzt kommt. Oft wird in den Medien betont, dass Landwirte alles falsch machen. Wir fragen uns: Sind Landwirte weiter gewünscht? Wir würden gern unsere Flächen in 30 Jahren weiter geben. Es geht um Nährstoffbilanzen, aber wir wehren uns gegen Pauschalisierung“, führte Arne Klages weiter aus und rief zu einem guten Austausch an diesem Abend auf.
Viele Interessierte waren gekommen, teils, um die Landwirte zu unterstützen, oder um Fragen zu stellen und viele Landwirte, die mit den Mahnfeuern ein Zeichen setzten, um die immer schwieriger werdenden und sich in kürzeren Abständen erneuernden Anforderungen erfüllen zu können. Umweltkoordinator René Rakebrandt, Editha Westmann, Mitglied des Niedersächsischen Landtages und Heinz Linne, Beauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege der Region Hannover waren vor Ort, um sich zu informieren und auszutauschen.Jens Thurschin,von den Grünen sagte: „ Eine Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst“, das sagte bereits Frédéric Albert Fallou, 1862. „Wir müssen gucken, dass die Nitratbelastung sinkt, es ist das Ergebnis von vor Jahren. Bauern sollten sich nicht in Abhängigkeit begeben. Im Moment besteht ein Machtungleichgewicht bei Vertragsverhandlungen.“ Ein weiterer Punkt war die möglicherweise Nichtbehandlung von Landwirten in Krankenhäusern.
André Strahl, Landwirt aus Sprockhof, merkte an: „Wir können nicht kalkulieren. Die Haltungsverordnungen sollen sich wieder ändern, aber wie? Mit der Leistung müssen wir uns in der Zucht immer an der Spitze bewegen, sonst können wir nichts verdienen. Nur für Brot arbeiten, und das von 7 Uhr morgens bis 22.00 Uhr abends, ist nicht befriedigend.“ Auf den Böden der Wedemark sei nicht nur Ackerbau zu betreiben und so seien die Wintermonate mit Viehwirtschaft auch nicht weniger Arbeitsintensiv.Ortsbürgermeister Achim von Einem: „Es ist sehr gut, dass die Landwirte sich zu Wort melden und ich freue mich, dass die Veranstaltung hier gut angenommen wird. Die Bürger erkennen, dass die Landwirte das Gefühl haben, dass man ihnen Unrecht tut. Sie können nur etwas verändern, wenn sie Flagge zeigen und aktiv werden. Die jungen Landwirte sind hier nicht aus Spaß, sondern ihnen drückt der Schuh!“ Landwirt Dirk Leifers war mit vier Berufskollegen aus Isernhagen gekommen. „Uns wurden einige Fragen zum Maisanbau für die Nutzung als Futter oder für die Biogasanlage gestellt. Wir konnten auch Auskunft geben, dass inzwischen andere Pflanzen für die Biogasanlagen als Ersatz für Mais gefunden wurden.“ Zur betrieblichen Situation sagte Horst Wehde: „ Wir müssen uns als Landwirte Nischen suchen. Meine zwei Söhne wollen unseren Betrieb weiter führen, wir versuchen es mit Direktvermarktung und Mutterkühen.“ Etwa 80 junge Landwirte haben sich in der Wedemark in den neuen Medien vernetzt und versuchen durch verschiedene Aktionen auf die Probleme aufmerksam zu machen. Arne Klages: „Mit unseren Aktionen wollen wir nicht blockieren. Sie heißt ja auch: Land-schaft-Verbindung. Wir möchten Aufmerksamkeit und bekommen viel positive Rückmeldung aus der Bevölkerung, die ist für unser Selbstbewusstsein wichtig. Wir möchten nicht nur Landschaftspfleger sein. Sollte die Politik das wünschen, sollte es uns mitgeteilt werden.“