„Mein Leben im Herzen Südamerikas“

Nora Clausing auf einer Estancia.
 
Der erste Viehtrieb.

Nora Clausing aus Bissendorf-Wietze berichtet

Am 22. Februar 2013 um 11.20 Uhr setzte mein Flugzeug auf der Landebahn des „Aeropuerto Internacional Silvio Pettirosso“ auf. Ich war nach 20 Stunden Reise in Paraguays Hauptstadt Asunción angekommen. 10.827 km von zu Hause entfernt. Mit einer Zeitverschiebung von (momentan) 6 Stunden kam ich raus aus Hannovers Schnee und Kälte und rein in 36 °C eines paraguayischen Spätsommertages.
Insgesamt sind wir 11 deutsche Freiwillige, die mit dem „weltwärts-Programm“ durch die Organisation AFS-Interkulturelle Begegnungen e.V. eingereist sind und jetzt in Gastfamilien rund um Asunción leben und in unseren Projekten arbeiten.
Nachdem ich im August 2012 einen Sponsorenaufruf im Wedemark Echo gestartet habe, konnte ich meinen Förderkreis für meine Organisation dank der großzügigen Spenden des „Rotary Clubs Hannover Eilenriede e.V.“ und der „Henstorf-Stiftung Bissendorf“ und einiger Spenden von Freunden schließen. Vielen Dank, dass mir dieses Jahr dadurch ermöglicht wurde!
Ich arbeite in der „Fundación Dequení“, einer Mischung aus Hort und Schule für Kinder aus armen Verhältnissen, um ihnen eine Alternative zu einem Leben oder Arbeit auf der Straße zu bieten. Die Kinder sind zwischen 4 und 14 Jahre alt und da das Schulsystem in Paraguay in 2 „Schichten“ arbeitet, kommen die Kinder die nachmittags Unterricht haben, morgens von 8 bis 11 Uhr und die Kinder die morgens Unterricht hatten von 13 bis 16 Uhr. Meine Aufgaben als „Voluntaria“ bestehen darin, die Lehrer zu unterstützen, das heißt den Essraum vorzubereiten und bei der Ausgabe der Mahlzeiten zu helfen. Während die Kinder Unterricht haben, z.B. Spanisch, Guarani oder Mathematik, helfe ich den Kindern bei den Aufgaben. Wobei ich „Guaraní“, die zweite offizielle Landesprache noch lernen muss.
In der freien Zeit spielen wir Fußball, Volleyball oder Völkerball bis wir zu den Bushaltestellen gehen. Bushaltestellen in dem Sinne gibt es hier nicht. Man sollte wissen an welchen Straßen seine Linie fährt, denn es gibt eine Menge „Colectivos“ hier. Man gibt ein Handzeichen und der Bus hält an. Eine Fahrt kostet immer 2000 Guaranís (5000 Gs = 1 Euro), egal wie lange oder wo hin man in Asunción fährt.
Asunción an sich ist eine kleine Hauptstadt mit 2 Millionen Einwohnern und nach über 3 Monaten für mich überschaubar. Am 21.04.2013 fand die wichtige Präsidenten- und Parlamentswahl statt, die eigentlich nur alle 5 Jahre stattfindet. Ich habe also noch die letzte Phase des Wahlkampfes mitbekommen. Ausgelöst wurde die Wahl durch die Absetzung des alten Präsidenten Fernando Lugo, im Juni 2012, dem „schlechte Amtsführung“ vorgeworfen wurde. Als Gewinner ging Horacio Cartes (Colorado-Partei) hervor. Mit dem Sieg ihres Kandidaten kehrt die Colorado-Partei an die Macht zurück, die sie mehr als 60 Jahre lang innehatte, bevor sie im Jahr 2008 von einer linksliberalen Koalition um den früheren katholischen Bischof Fernando Lugo abgelöst wurde. Der Amtsantritt des neuen Präsidenten ist am 15.08.2013.
Dank meiner Gastfamilie, die viel reist, habe ich schon einige Ecken von Paraguay an den Wochenenden gesehen. Das für Südamerika typische „Asado“ (span. „gegrilltes Fleisch“) lehne ich, als Vegetarierin, immer freundlich ab. Trotzdem wird es mir immer angeboten, genau wie das Nationalgetränk „Tereré“, quasi der bekannte „Mate“, der mit Eiswasser aufgegossen wird, welches ich aber gerne trinke. Insgesamt ist das Leben hier sehr ruhig und entspannt. Keine Hektik und mit der Pünktlichkeit ist es hier auch eine andere Sache („Hora Paraguaya“ kann auch 2 Stunden später heißen). Trotzdem freue ich mich noch mehr von diesem Land zu lernen und die Kultur noch weiter kennenzulernen. Dazu habe ich noch 8 Monate Zeit, bis ich im Januar 2014 zurückkehren werde!

Weltwärts - Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst
Durch den vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten Freiwilligendienst „weltwärts“, der jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Chance gibt, einen Freiwilligendienst in Entwicklungsländern zu leisten, stieß ich auf die Organisation „AFS-Interkulturelle Begegnungen e.V.“, mit der ich jetzt in Paraguay bin.
Die Finanzierung der Programme geschieht bei dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ durch Bezuschussung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Träger sind trotzdem auf zusätzliche Spenden angewiesen, um die finanzielle Lücke zwischen Teilnehmerbeiträgen und öffentlichen Förderungen schließen zu können. Deswegen beginnen zukünftige Teilnehmer sich vor Ausreise einen Förderkreis aufzubauen (s. Artikel im August 2012).
Weitere Informationen gibt es unter der Homepage von „weltwärts“: www.weltwaerts.de oder bei Fragen können Sie sich auch gerne an mich wenden unter: nora.paraguay2013@gmail.com