MGV Mellendorf vor der Auflösung

Schweren Herzens heben die Mitglieder bei der Abstimmung die Hände: Ja, der Vorstand soll die Auflösung des MGV Mellendorf vorbereiten. Foto: A. Wiese
 
Die verbliebenen aktiven Sänger im MGV von 1893 stimmten bei der Jahreshauptversammlung am Freitag unter Leitung ihres Sangeskameraden Gerhard Uhl (rechts) ein letztes Mal ein gemeinsames Lied an.

Mitglieder stimmen der Vorbereitung zur Liquidierung schweren Herzens zu

Mellendorf (awi). Nach 127 Jahren wird der Männergesangverein Mellendorf bald Geschichte sein. Die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung haben am Freitagabend den Beschluss gefasst, dass der Vorstand, der eigentlich zur Neuwahl angestanden hätte, im Amt bleibt und die Auflösung vorbereitet. Vorsitzender Jürgen Peter, der im Vorfeld angekündigt hatte, nach 32 Jahren Vorstandsarbeit nicht mehr für den Posten des ersten Vorsitzenden zur Verfügung zu stehen, erklärte sich bereit als Liquidator zur Verfügung zu stehen, die Abwicklun der Vereinsauflösung in die Hand zu nehmen und den Verein quasi „auszukehren“, wie es im Fachjargon heißt. „Wir haben gleich drei Probleme auf einmal“, brachte es Jürgen Peter am Freitag im Gasthaus Stucke auf den Punkt, nachdem sich die verbliebenen aktiven und die fördernden Mitglieder mit Eisbein und Sauerkraut für ihre schwere Entscheidung gestärkt hatten: „Wir haben keinen Dirigenten, keine Mitglieder, die bereit sind, Vorstandsposten zu übernehmen und keinen Aktiven mehr.“ Jedes einzelne Problem hätte den Männergesangverein von 1893 schon in Existenznot gebracht. Alle drei zusammen versetzen ihm den Todesstoß.
Der nächste Schritt ist die Einladung zu einer erneuten Versammlung, deren einziger Tagesordnungspunkt „Auflösung des Vereins“ lautet. Bei dieser Versammlung müssen laut Satzung Dreiviertel der Mitglider erscheinen und davon wiederum Dreiviertel der Mitglieder zustimmen, nach aktuellem Stand wären das 34 Mitglieder. Da zur Jahreshauptversammlung am Freitag nur 20 anwesend waren, ist dem Vorsitzenden Jürgen Peter klar, dass er die erforderliche Anwesenheit der Mitglieder bei der nächsten Versammlung nicht erreichen wird. Mit gebührender Frist wird dann erneut einladen und dann ist die Versammlung unabhängig von der Zahl der Erschienenen beschlussfähig. „Wir haben die Fehler schon viel früher gemacht“, machte sich Vorsitzender Jürgen Peter selbst Vorwürfe. Bereits vor 20 Jahren hätte man neue Ideen einbringen und verwirklichen müssen, ist er heute überzeugt. Doch jetzt sei es zu spät.
Was sich schon länger abgezeichnet hatte und durch die Bildung der Chorgemeinschaft mit Concordia Elze vor zehn Jahren kurzzeitig gestoppt schien, hätte sich letztes Jahr eklatant bemerkbar gemacht, vor allem nachdem der traditionelle Übungsabend vom Dienstag auf den Montag hätte verlegt werden müssen, weil die Dirigentin nicht anders konnte. Den Dienstag hatten sich die letzten Aktiven über Jahrzehnte für den MGV freigehalten. Am Montag konnten immer weniger. „Oft fuhren wir nur noch mit einem Auto zum Singen nach Elze und nicht mehr wie früher mit fünf oder sechs“, berichtetete Jürgen Peter traurig. Doch auch der Altersdurchschnitt von 78 Jahren wirke sich aus. Alle Versuche, jüngere Männer zum Mitsingen zu bewegen, seien gescheitert, räumte Jürgen Peter unumwunden ein.
Noch einmal nahm er selbst den Pokal für die beste Beteiligung an den Übungsabenden und Auftritten entgegen: Bei 51 von 55 Terminen war er dabei . Dahinter rangieren Eike Oboth und Hans-Günter Culmann. Ein letztes Mal gab es die goldene Ehrennadel des Kreischorverbandes für 40 Jahre fördernde Mitgliedschaft. Jürgen Peter überreichte sie an Hartmut Heinrich, Hermann Homeier, Peter Rose und Michael Hahn. Die drei letzteren waren damals gemeinsam eingetreten und hatten dafür im Gegenzug neue Mitglieder für die Feuerwehr gewonnen. „Das war ein Deal mit dem damaligen Kassierer Friedrich-Wilhelm Nordmeyer“, schmunzelte Michael Hahn rückblickend.