Mit Cochlear-Implantat am Funkgerät

Dennis Brandt beherrscht nach dem Sprechfunkerlehrgang das Funkgerät im Brelinger Einsatzfahrzeug perfekt, aber bedingt durch sein Implantat hört er nicht zuverlässig, wenn er per Funk gerufen wird. Er wird daher im Ernstfall durch einen „normal hörenden“ Feuerwehrkameraden unterstützt. Foto: A.Wiese

Dennis Brandt aus Brelingen ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele

Brelingen (awi). „Atemschutzgeräteträger und Funk gehen nicht.“ Mit diesem Fakt kam Dennis Brandt (21) Ende Oktober vom mit hervorragendem Ergebnis bestandenen Truppmannlehrgang der Feuerwehr. Heute – ein halbes Jahr später – weiß er: „Das stimmt so nur zum Teil.“ Dennis ist von Geburt an schwer hörgeschädigt und trägt ein Cochlear-Implantat. Er studiert in Hannover Mechatronik und ist aktiv in der Feuerwehr Wedemark. Mit neun Jahren trat er in Brelingen in die Jugendfeuerwehr ein, wechselte mit 17 in die aktive Wehr und hat jetzt einen Sprechfunkerlehrgang besucht. „Ich wollte einfach wissen, ob es nicht doch geht, möglichst vielseitig in der Feuerwehr verwendbar zu sein“, sagt er.
Der Sprechfunk der Feuerwehr ist eine Wissenschaft für sich, jetzt schon, und die Feuerwehr Wedemark hat noch nicht von analog auf digital umgestellt, erklärt Maren Hanebuth, und die muss es wissen, denn sie ist Ausbilderin auf Regionsebene, gehört zum ELW-Betriebspersonal und ist zugleich Multiplikatorin für den Digitalfunk. Das einzige Wedemärker Feuerwehrfahrzeug, das zuerst beides können wird, analog und digital, wird voraussichtlich der in Mellendorf stationierte Einsatzleitwagen sein. Zu spüren bekommt die Wedemärker Feuerwehr dies beispielsweise, wenn sie mit ihren Schwarmstedter Kollegen einen gemeinsamen Einsatz auf der Autobahn hat. Die Schwarmstedter funken schon digital, die Wehren können so nicht mehr miteinander kommunizieren, müssen aufs Handy zurückgreifen. „Erst muss die Leitstelle der Region fertig sein“, so Maren Hanebuth. Wenn die voraussichtlich 2018 fertig ist, folgt step by step auch die Wedemark, so ist es zurzeit jedenfalls geplant. „Denoch fangen wir in diesem Sommer schon mit OPTA an, den operativ taktischen Adressen“, weiß Maren Hanebuth. Statt Florian Ronne wird es dann heißen Florian Hannover-Land. Die Kennziffer 33 steht für die Wedemark, es folgt eine Kennziffer für den Fahrzeugtyp und eine weitere für die Ortskennung. Solche Dinge und noch viel mehr, zum Beispiel Kartenkunde, gehörten zum theoretischen Teil des Sprechfunkerlehrgangs, und der stellte für den technisch interessierten und nicht zuletzt auf Grund seines Studiums versierten Dennis gar kein Problem dar. Seit dem Truppmannlehrgang hat er so gut wie an allen Diensten seiner Wehr teilgenommen. Er hat mit seinen Kollegen eine Brandsicherheitswache absolviert und letztens beim Sturm geholfen, einen Baum von der Straße zu ziehen. Dennis unterstützt die Jugendwehr als Betreuer, in der er jahrelang selbst aktiv war und gibt sein Wissen hier gerne weiter.
Und doch – die Herausforderung des Sprechfunkerlehrgangs reizte ihn, obwohl er hörgeschädigt ist. Nach sieben Theorie- und 17 Praxisstunden, weiß Dennis perfekt, wie Funken funktioniert, beherrscht die physikalisch-technischen Grundlagen und vor allem auch – megawichtig – die rechtlichen und gesetzlichen, angefangen beim Fernmeldegeheimnis. Dennis, der das Funken vom Gerät auf dem Boot seines Vaters her kennt, wollte neue Erfahrungen sammeln. Und von dem Ergebnis lässt er sich nicht unterkriegen: Denn allein wird er am Funkgerät im Ernstfall nicht sitzen dürfen. Seine Meldungen fallen korrekt aus, sind verständlich, aber er hört nicht, dass er gerufen wird. „Das ist schade, aber genau das wollten wir ja herausfinden“, sagt sein Ortsbrandmeister Michael Helfers, voll des Lobes für Dennis Engagement, seine Leidenschaft für die Feuerwehr und seinen Mut, sich den Herausforderungen zu stellen sowie seine Bereitschaft, die Grenzen zu akzeptieren, die ihm durch seine Behinderung gesetzt sind. Die Bedienung eines Funkgeräts ist schon für normal Hörende nicht einfach“, weiß Maren Hanebuth. Bei Hektik und Einsatzstress sowie Hintergrundlärm alles korrekt mitzubekommen, dazu gehört schon was. Der Funker muss Informationen an die Leitstelle und den Ortsbrandmeister korrekt und klar verständlich weitergeben und natürlich auch andersherum. „Wir haben ein großes Vier-Meter-Band zur Leitstelle und ein kleines Gerät mit Zwei-Meter-Band als Einsatzstellenfunk“, erläutert Dennis. Das große Gerät ist fest im Fahrzeug verbaut. Außerdem haben der Mellendorfer Ortsbrandmeister und der Gemeinebrandmeister und seine Stellvertreter ein solches Gerät. Das kleine Zwei-Meter-Band-Gerät mit weniger Reichweite führt jeder Truppführer bei sich, derjenige, der die Atemschutzgeräteträger überwacht, der Ortsbrandmeister selbst oder sein Melder. „Brelingen hat sieben Zwei-Meter-Band-Geräte und zwei Vier-Meter-Band-Geräte“, erklärt Dennis Brandt. Er ist mit der Lösung, den Funk im Ernstfall mit einem zweiten Kollegen zu besetzen, zufrieden. „Ich habe mehrfach nicht gehört, wenn ich gerufen wurde. Das Implantat kann die Hintergrundgeräusche ganz offensichtlich nicht ganz unter-
drücken.“ Offiziell hat Dennis den Sprechfunkerlehrgang daher absolviert, aber nicht erfolgreich bestanden, „denn dann müsste man ihn alleine auf dem Fahrzeug einsetzen können“, so Michael Helfers.“ Dennoch werden wir Dennis weiter am Funk arbeiten lassen und das einsatzspezifisch entscheiden. Wenn es um die Einsatzlage ,Baum auf Straße‘ geht, ist es kein Problem, Dennis die Einsatzmeldung abgeben zu lassen. „Er hat seine Meldungen sehr gut vorgelesen, so dass man am anderen Ende problemlos mitschreiben konnte“, bestätigt Maren Hanebuth. Einen Hörgeschädigten mit Implantat einen Sprechfunkerlehrgang absolvieren zu lassen, sei auch für die Feuerwehrtechnische Zentrale in Neustadt ein Pilotprojekt gewesen. Und auch Dennis hat viel mitgenommen, vor allem den sehr kameradschaftlichen Umgang untereinander und die große Hilfsbereitschaft seiner Feuerwehrkollegen. Sein nächstes Ziel ist der Maschinistenlehrgang, der bedingt allerdings eine 80-stündige Standortausbildung nach Truppmann 1, die innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein muss. Die Prüfung, die es danach bis vor einiger Zeit noch gab, wurde kürzlich abgeschafft. Auch ein Lehrgang in Technischer Hilfeleistung steht auf Dennis‘ Liste. „So vielseitig verwendbar wie eben möglich“ lautet halt seine Devise. Jetzt weiß er zunächst einmal genauestens über Funkgerätebedienung, Sprechformen von Sprechfunknachrichten und gewissen Vorrangstufen Bescheid. „Blitznachricht zum Beispiel bedeutet, dass der gesamte Funkverkehr ruht“, schmunzelt er. Und er bedankt sich herzlich bei seinem Feuerwehrkollegen Marcel Beinkämpen, der ihm beim Lehrgang geduldig erklärt hat, was er akus-tisch nicht auf Anhieb verstehen konnte. Dennis Brandt ist eins der Gesichter in der Wedemärker Feuerwehr und das ECHO wird seinen Werdegang weiterhin interessiert begleiten. Und vielleicht ist es Dennis, der demnächst einen Ast von Ihrem Auto räumt oder anderweitig da ist, wo er gerade am nötigsten gebraucht wird!