Mit dem Mut zur Veränderung

Der Selbsthilfe-Aktionstag soll nicht nur informieren, sondern wachrütteln. Renate Loehr (2. von links) will mit einer „Inklusionssuppe“ für Gleichberechtigung werben. Michael Wilken, Gabriele Wolff (2. von rechts) und die Gleichstellungsbeauftrage Regina Niehoff hoffen auf die Schaffung gesellschaftlicher Akzeptanz. Foto: S. Birkner

Erster Selbsthilfe-Aktionstag am 15. September

Bissendorf (sb). Das Wedemärker Bündnis für Familie widmet sich der Schaffung öffentlicher Akzeptanz für eines der heikelsten gesellschaftlichen Themen: der Integration von Kranken, Behinderten und Abhängigen. Mit einem großen Selbsthilfe-Aktionstag wollen Vereine und Beratungsstellen auf sich aufmerksam machen und ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren. Am Sonnabend, 15. September, werden auf dem Parkplatz der Bissendorfer Sparkasse von 11 bis 14 Uhr kompetente Ansprechpartner zu Gesprächen bereitstehen. Bei Regen dient das Bürgerhaus als Ausweichort.
Die stolze Zahl von 20 Selbsthilfeeinrichtungen hat sich für den Aktionstag angekündigt. So werden unter anderem Sucht- und Alkoholberatungen, Homosexuellenorganisationen und Behindertenvereine anwesend sein. Auch Sozialverbände, die Tafel und Seniorenvertreter bauen ihre Stände auf. Mit der Vermittlungsstelle KIBIS verschafft eine Organisation Überblick über sämtliche verfügbaren Beratungsangebote auch außerhalb der Wedemark.
Die Idee für einen solchen Aktionstag hatte Michael Wilken, der vor Ort über Hilfe bei Atemwegserkrankungen informieren wird. „Wir hatten mit viel weniger Teilnehmern gerechnet und sind glücklich, sofort unter den schützenden Mantel des Bündnisses für Familie schlüpfen zu können“, sagte Wilken an die Gleichstellungsbeauftragte Regina Niehoff gerichtet. Die finanzielle und organisatorische Unterstützung seien sehr hilfreich.
Trotz dieser Zuversicht sind sich die Organisatoren, zu denen auch Renate Loehr und Gabriele Wolff gehören, des Erfolgs ihres Aktionstages keineswegs gewiss. „Böse Zunge behaupten, es laufe auf einen Aktionstag für Depressive hinaus“, sagten sie. Genau aus diesem Grund findet Niehoff den Schritt so mutig. „Öffentliche Präsenz ist der einzige Weg, um gesellschaftliche Akzeptanz für Randgruppen zu schaffen“, betonte sie.
Die Brelingerin Loehr sieht den Aktionstag als einen ideellen Schritt in Richtung Gleichberechtigung. „Wir möchten zeigen, dass Gehandikapte Menschen wie du und ich sind“, sagte sie. Es gehe um den Abbau von Barrieren und Vorurteilen, um ein Miteinander ohne Abwertung. „Es wäre hilfreich, wenn auch Menschen ohne Hilfebedarf zum Aktionstag kommen würden, um ihre Hemmungen im Umgang mit Benachteiligten zu verlieren“, sagte sie. In Brelingen kocht sie regelmäßig mit Behinderten und Nichtbehinderten einen Gemüseeintopf, den sie als „Inklusionssuppe“ bezeichnet. „Da kommt alles hinein, was es so gibt“, sagte sie und kündigte an, einen extra großen Topf dieser ideell wertvollen Suppe für den Aktionstag kochen zu wollen.