Mit Lebensrettungsmedaille geehrt

Die stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Wedemark, Rebecca Schamber, überreichte Helmut Bantelmann (M.) aus Wennebostel und Julian Manne aus Godshorn die Lebensrettungsmedaille des Innenministeriums sowie Glückwünsche von Rat und Verwaltung. Foto: A. Wiese

Helmut Bantelmann und Julian Manne am Montagabend im Rat ausgezeichnet

Godshorn/Wedemark (awi). „Der Einsatz des eigenen Lebens um ein anderes zu retten“ ist die Voraussetzung für die Lebensrettungmedaille, die vom Innenminster des Landes Niedersachsen verliehen wird. Der 20-jährige Julian Manne aus Godshorn und der 76-jährige Helmut Bantelmann aus Wennebostel haben am Dienstag letzter Woche genau das getan: Nämlich ein 89 und 84 Jahre altes Ehepaar in Wennebostel aus dem auf den Schienen festsitzenden Auto geholt – Sekunden bevor die S-Bahn den Wagen zermalmte (das ECHO berichtete ausführlich). Dem Wenebosteler Ehepaar haben die beiden mutigen Helfer damit definitiv das Leben gerettet, bestätigten auch Mellendorfs Polizeichef Knut Hallmann und der stellvertretende Gemeindebrandmeister Jens Kahlmeyer. Sie nahmen zusammen mit der stellvertretenden Wedemärker Bürgermeisterin Rebecca Schamber die besondere Ehrung vor. Außer der Medaille erhielten Julian Manne, der an jedem Dienstag eigentlich nur seine Freundin in Wennebostel besuchen wollte, und Helmut Bantelmann, der direkt am Bahnübergang Am Rahlfsberg wohnt, Blumen und Präsente vom Rat der Gemeinde, dem Ortsbürgermeister von Wennebostel und der CDU-Fraktion. Zunächst sei eigentlich nur eine Ehrung seitens der Gemeinde Wedemark vorgesehen gewesen, so die stellvertretende Bürgermeisterin Rebecca Schamber, am Montagabend. Doch „dank des Einsatezs der ambitionierten ersten Gemeinderätin Konstanze Beckedorf“ könne sie jetzt auch die Auszeichnung für die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr des niedersächsischen Innenministers übergeben, freute sich Schamber, „und das ist auch aus meiner tiefsten Überzeugung angemessen“. Sie sei beeindruckt vom Mut und der Zivilcourage der beiden Helfer. Polizeichef Knut Hallmann setzte noch einen drauf: „Heldenmut ist das schönere Wort. Sie nehmen das zwar nicht für sich in Anspruch, viele hier sehen das aber deutlich anders. Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass in ähnlichen Situationen Menschen wie Sie an ihrer Seite sind!“ Der stellvertretende Gemeindebrandmeister Jens Kahlmeyer sagte: „Eigentlich sind wir diejenigen, die in solchen Situationen gerufen werden, aber wir hätten nichts mehr rettenkönnen. Sie haben gehandelt, ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit, wissend um die Gefahr, in der sich die beiden alten Leute befanden.“ „Sie sind unsere Menschen 2014“, sagte Ratsvorsitzender Heiner Peterburs. CDU-Fraktionschef Rudi Ringe bat die Gemeinde darum, der Bahn auch das Mitgefühl für den Lokführer zu übermitteln, der nicht habe wissen können, dass die Menschen das Auto, das seine Bahn zermalmte, schon verlassen hatten. Ringe übergab ebenso wie Wennebostels Ortsbürgermeister Achim von Einem ein Präsent an die beiden Lebensretter Bantelmann und Manne. Die Auszeichnung der Helfer war die erste Besonderheit am Montag im Rat. Eine Erklärung des Rates der Gemeinde Wedemark, die Ratsvorsitzender Peterburs verlas, war die zweite. Der Rat der Gemeinde Wedemark stehe fest an der Seite der ersten Stellvertretenden Bürgermeisterin Rebecca Schamber, die den Beleidigungen und Drohungen eines anonymen Briefschreibers ausgesetzt sei. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Repräsentantin der Gemeinde Wedemark für ihre Ausführungen im Neujahrsgrußwort in der Presse zum Leid der Bevölkerung im Bürgerkriegsland Syrien und die daraus erwachsende humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen in Deutschland und auch in derGemeinde auf übelste Art und Weise beschimpft und ihr Gewalt angedroht werde. Der Rat der Gemeinde bekräftigte nachdrücklich, dass Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass keinen Raum in der Wedemark hätten und haben würden. „Wir setzen uns für humanitäre Hilfen für Flüchtlinge ein und werden uns nach Kräften bemühen, ihnen einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit vor Verfolgung zu gewähren. Niemand von uns sollte vergessen, dass in früheren Zeiten viele Menschen Zuflucht und Hilfe in anderen Ländern fanden, ohne die sie die Verfolgungen nicht überlebt hätten“, so Peterburs ausdrücklich im Namen des gesamten Rates.