Mit Tschirch geht eine Ära zu Ende

Die „alten“ und die „neuen“ Verantwortlichen der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark: Der langjährige Vorsitzende Peter Birkhäuser (von links) und Schulleiter Bernd Tschirch geben ihre Posten an den neuen Vorstandsvorsitzenden Tjark Bartels und den neuen Schulleiter Carsten Fertig weiter. Fotos: A. Wiese
 
Der am Montag neugewählte Vorstand der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark: Vorsitzender Tjark Bartels (von rechts), die zweite Vorsitzende Francoise Rodenbostel, Schulleiter Carsten Fertig, Schatzmeister Frank Felgner und Schriftführerin und Sprecherin der Dozenten, Sabine Glandorf.

JuKu-Leiter geht in den Ruhestand und Birkhäuser gibt Vorsitz an Bartels ab

Bissendorf (awi). Über 30 Jahre lang war Schulleiter Bernd Tschirch das Gesicht der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark. Zwar hatte seine Frau Almut Zinsmann die Schule 1988 in Trägerschaft des Kunstvereins Hannover offiziell gegründet, doch Bernd Tschirch übernahm die Leitung schon wenig später. 1991 erfolgte die Vereinsgründung des Trägervereins für die JuKu, wie sie von vielen liebevoll genannt wird. Dessen Vorsitzender war seit 17 Jahren Peter Birkhäuser.
Als jetzt am Mittwoch Bernd Tschirch in den „Unruhestand“ verabschiedet wurde, war das auch ein Abschied von Peter Birkhäuser sowie von Vorstandsmitglied Petra Schülke, die 27 Jahre lang dabei war. Eine neue Ära bricht an in der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark. Carsten Fertig hatte bereits seit Anfang des Jahres Gelegenheit, sich als Nachfolger von Bernd Tschirch warmzulaufen und übernimmt die Position offiziell am 1. August, kurz bevor das neue Programm an den Start geht.
Der neue Vorstand der Kunstschule ist seit Montag im Amt: Als Nachfolger von Peter Birkhäuser wurde von den Mitgliedern einstimmig Tjark Bartels gewählt. Der frühere Bürgermeister der Gemeinde Wedemark (2006 bis 2013) erklärte, er habe bereits vor 14 Monaten, als ihn Bernd Tschirch gefragt habe, ob er sich vorstellen könnte, Vorsitzender der JuKu zu werden, gewusst, dass er nicht an seinen Arbeitsplatz als Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont zurückkehren werde und daher durchaus erwogen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Bei der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark gehe ihm das Herz auf und bereits seine Kinder hätten sich hier sehr wohlgefühlt. Den neuen Leiter Carsten Fertig kenne er seit 1987. Die JuKu habe ihm immer am Herzen gelegen. So habe er bereits in seiner Zeit als Bürgermeister dafür gesorgt, dass die Budgets nicht jedes Jahr neu beantragt werden mussten, damit Schulleitung und Vorstand Planungssicherheit bekämen. Ihm sei immer wichtig gewesen, Kinder zum Nachdenken zu bringen, ihre Selbstständigkeit zu fördern. „Kunst ist etwas, was wir in unserer Gesellschaft dringend brauchen“, betonte Bartels. Diese Kinder- und Jugendkunstschule sei etwas ganz Besonderes und er sei froh, dass sie in den Räumen der Anja Fichte Stiftung ein neues Zuhause gefunden habe und sich das Thema Bademeisterhäuschen erledigt habe.
Neben dem neuen Vorsitzenden Tjark Bartels gehören dem Vorstand weiter Francoise Rodenbostel als zweite Vorsitzende und Schatzmeister Frank Felgner an. Neu ist Sabine Glandorf als Schriftführerin und Sprecherin der Dozenten. Sie ist die Nachfolgerin von Petra Schülke, die nach 27 Jahren nicht wieder kandidierte. Im Fokus der Veranstaltung am Mittwochnachmittag auf dem Außengelände der Kunstschule stand jedoch der scheidende Schulleiter Bernd Tschirch. Nachdem er festgestellt hatte, dass er sich in seinem Lehrberuf als Chemotechniker langweilte, hatte Tschirch seinerzeit auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgemacht und in Hannover Kunst studiert. Die anschließende Jobsuche als freier Künstler gestaltete sich schwierig. Als Haus- und Hofmaler des Jugendzentrums Glocksee hatte er zum ersten Mal Kontakt mit Jugendlichen. Als er und seine Frau vom Kunstverein Hannover 1988 erfuhren, dass im Umland mehrere Kunstschulen eröffnet werden sollten, entschieden sie sich für die Wedemark, wohin sie gerade gezogen waren. „Hier gefiel es uns, hier hatten wir Verbindung, aber eigentlich war es purer Zufall“, sagte Tschirch nachdenklich. Bei der Vereinsgründung 1991 wurde er von Karen Drews und Ingrid Wordelmann parteiübergreifend unterstützt und stellte begeistert fest: „Die Kunstschule haben alle lieb!“
„Wir wurden von der Verwaltung und allen Parteien akzeptiert“, bestätigte auch Peter Birkhäuser: „Es gibt nicht viele Vereine, die gleich so eine Wertschätzung erfahren!“ Kursleiter zu finden sei trotzdem nicht einfach gewesen, berichtete Tschirch, früher nicht und auch heute nicht. Mund-zu-Mund-Propaganda sei das einzig wirksame Mittel. Er habe immer auch selber Kurse gegeben, vor allem Zeichnen, Graffity und Abenteuerkurse, im Prinzip aber alles bis auf Töpfern, Steinbildhauerei und Schweißen. Ihn sei wichtig gewesen, dass die JuKu drei Standbeine gehabt habe: das Kursprogramm, die Projekte und die Arbeit in den Schulen. Größtes und arbeitsaufwendigstes Projekt sei die Straße der Kinderrechte gewesen. Damit habe man auch die größte Öffentlichkeit erreicht. Doch Tschirch erinnerte auch an die Gestaltung des Trinkwasserlehrpfades im Fuhrberger Forst mit der Hauptschule oder das Seifenkistenrennen. Für seinen Unruhestand hätten er und seine Frau noch keine konkreten Pläne, sondern würden alles auf sich zukommen lassen. Da sei allerdings die Vision vom eigenen Atelier in einem kleinen Gartenhaus auf seinem Grundstück in Elze, gab Tschirch zu. Aber das habe Zeit. Er freute sich über den Restaurant-Gutschein des Vorstandes und den mit leckeren Schlemmereien gefüllten Präsentkorb und die Abschiedsworte von Bürgermeister Hlege Zychlinski und bedauerte ein wenig, dass es wegen Corona nur einen Abschied im kleinen Kreis geben konnte.