Mitarbeiter und JU rufen zu Petition auf

Das Krankenhaus in Großburgwedel ist das nächstgelegene für Patienten aus der Wedemark. Auch arbeiten viele Wedemärker im Klinikum in der Nachbarstadt. Sie machen jetzt mobil, um den Standort zu erhalten. Foto: Schröder

Beabsichtigte Schließung des Krankenhauses Großburgwedel schlägt Wellen

Wedemark/Großburgwedel (awi). Ein Leck im Aufsichtsrat hat es Ende letzter Woche an den Tag gebracht: In sechs bis acht Jahren soll das Krankenhaus Großburgwedel ebenso wie die Kliniken in Lehrte und Springe geschlossen und durch einen Neubau in der Nachbarschaft – eventuell Isernhagen oder Isernhagen Süd, vielleicht aber auch in Burgdorf – ersetzt werden. Betroffen davon ist auch die Wedemark, denn für sie ist das Klinikum in Großburgwedel das nächstgelegene und verkehrsgünstigste Krankenhaus. Doch nicht nur Politiker und potenzielle Pa-
tienten melden sich jetzt zu Wort, auch die Mitarbeiter machen mobil, um den Standort zu erhalten und darunter sind auch sehr viele Wedemärker.
Eine Informantin aus dem Mitarbeiterkreis, die ihren Namen nicht genannt haben möchte, bestätigte, dass die Verunsicherung bei den Mitarbeitern groß sei: „Niemand hat irgendetwas gewusst und wir hätten auch noch ganz lange nichts erfahren, wenn nicht jemand aus dem Aufsichtsrat diese Information in die Öffentlichkeit gespielt hätte. Wir können diesem ,Maulwurf‘ nur dankbar sein.“ Die Mitarbeiter setzen nun unter anderem auf eine Online-Petition, die die Junge Union ins Leben gerufen hat, die aber auch bei den Mitarbeitern bereits in Vorbereitung gewesen sei. „Doch die JU war schneller und nun bitten alle Mitarbeiter des Krankenhauses die Wedemärker, diese Petition zu unterschreiben.“ Über das Internet kommt man zur Petition über https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt... Für alle, die kein Internet haben, liegen Listen zum Unterschreiben an verschieden Orten in Bissendorf bei Ärzten, Apotheke, Drogerien und der Tankstelle aus. Bürger-meister Helge Zychlinski erklärte auf Nachfrage: „Für die Wedemark ist eine wohnortnahe Krankenhausversorgung der hier lebenden Einwohnerinnen und Einwohner entscheidend. Wo ein derzeit diskutiertes neues Krankenhaus letztendlich verortet sein wird, muss durch ein schlüssiges Gesamtkonzept vom KRH und der Region Hannover belegt werden“, so Zychlinski und ergänzt: „Die Versorgung mit Krankenhausdienstleistungen muss in der Nähe der Patienten und der Angehörigen erfolgen.“
„Wir sehen einer Schließung des Krankenhauses in Burgwedel keinesfalls gelassen entgegen“, sagte die CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Editha Lorberg. Sie sieht die erforderliche Notfallversorgung und die stationäre Versorgung der Menschen in der Wedemark im Falle einer Schließung ernsthaft gefährdet. Sie unterstützt, wie auch die Wedemärker CDU, mit Nachdruck die Bemühungen der Burgwedeler Parteifreunde, um den Schließungsbeschluss des Aufsichtsrates zu verhindern. Nach Ansicht der CDU Wedemark ist es nicht nachvollziehbar, dass die Schließung des Krankenhauses überhaupt zum Thema gemacht wurde. Eine in der Tagespresse zitierte Aussage von Bürgermeister Helge Zychlins-ki ärgert die CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete zudem sehr: „Wie kann es sein, dass Herr Zychlinski bezüglich der Teilnehmer an Kursen der Volkshochschule die schlechte Verbindung nach Neustadt für unzumutbar hält, jedoch die nahe Krankenhausversorgung in Burgwedel für verzichtbar erklärt und das Neustädter Krankenhaus als Alternative für die Menschen in der Wedemark benennt?“
Niemand könne, so Lorberg, im Augenblick sagen, ob überhaupt und wo ein neues Krankenhaus gebaut werden würde. Daher sei das „Aus“ für das Burgwedeler Krankenhaus zum jetzigen Zeitpunkt unverantwortlich. Wer schon einmal einen Notfall erlebt habe und auf schnelle Hilfe angewiesen war, wisse, wie entscheidend eine Wegstrecke sein könne. Hier müsse die Fürsorgepflicht der Politik vor finanziellen Belangen stehen. Besonders auf ältere und nicht so mobile Menschen müsse Rücksicht genommen werden. Dabei müsse beispielsweise auch gewährleistet sein, dass Angehörige die Patienten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in zumutbarer Zeit besuchen können. „Wir werden uns nachdrücklich für den Erhalt des Krankenhauses am Standort Großburgwedel einsetzen und hoffen auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung“, kündigte Lorberg an. Noch in dieser Woche würden Vertreter der CDU Wedemark mit Unterschriftenlisten und einer On-line-Petition in die Öffentlichkeit gehen.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Wedemärker SPD-Vorsitzende Caren Marks erklärte auf Nachfrage des ECHO: „Populismus ist in der Frage der zukünftigen Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region Hannover unangebracht. Wichtig ist mir, dass es eine wohnortnahe Versorgung der Patienten gibt. Dazu müssen die Krankenhäuser medizinisch und personell gut ausgestattet sein. Das Krankenhauspersonal braucht gute Arbeitsbedingungen. All diese Ansprüche müssen vor dem Hintergrund der Haushaltslage der Region Hannover miteinander vereinbart werden. Eine abschließende Bewertung sollte man erst vornehmen, wenn alle Fakten vorliegen und die unterschiedlichen Interessen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden können. Im Mittelpunkt dieser Diskussion darf nicht die politische Profilierung, sondern muss das Wohl der Patienten stehen“.
Die SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Rebecca Schamber sagt: „Der SPD-Fraktion ist eine standortnahe, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung wichtig. Einer Schließung des Krankenhauses Großburgwedel steht die Fraktion daher mit kritischem Blick gegenüber. Was die bisherige Strategieplanung des Klinikums Region Hannover ergeben hat, muss jetzt noch in den verschiedenen Gremien der Region diskutiert werden. Diesen Entscheidungsfindungsprozess werden wir aufmerksam verfolgen, und uns dabei für eine gute, gesicherte, standortnahe medizinische Versorgung für die Wedemark einsetzen.“