Moore müssen wirksam geschützt werden

Die Teilnehmer der Fahrraddemo vorm Mooriz in Resse.

For-Future-Gruppen machen mit Fahrraddemo auf Handlungsbedarf aufmerksam

Hannover/Resse. Mit einer Fahrraddemo vom Georgsplatz in Hannover zum Mooriz in Resse haben Mitglieder der Fridays for Future und weitere For-Future-Gruppen der Region am vergangenen Sonnabend ihre Forderung nach wirksamen Moorschutz unterstrichen. Etwa 110 Radfahrer starteten in der Innenstadt und fuhren in Begleitung von Polizeifahrzeugen durch die Innenstadt, über den Engelbosteler Damm, die Schulenburger Landstraße und Engelbostel zum Moorinformationszentrum in Resse. Die Fahrraddemo war von dem Arbeitsgruppe „Moore” der For-Future-Gruppen organisiert worden unter Beteiligung der Students for Future, der Parents for Future, der Scientists for Future und der Psychologists for Future.
Bei der Abschlusskundgebung am Mooriz erinnerte Reinhard Löhmer von der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Moore daran, dass der Schutz der Moore, insbesondere auch der Hochmoorgeest rund um Resse, sich seit vielen Jahren verzögert. Verantwortlich seien nur wenige Eigentümer, die ihre Grundstücke nicht zur Verfügung stellen. Ordnungsrechtlich, so Löhmer, sei dieser Widerstand nur schwer zu überwinden. Deshalb solle überlegt werden, ob das Ziel der oberflächennahen Vernässung zum Wohle von Biodiversität und Klimaschutz nicht über eine CO2-Bepreisung der Torf-Oxidation schneller zu erreichen sei.
Die Versammlungsleiterin, Claudia Schwegmann von den Parents for Future, verwies in ihrem Wortbeitrag auf eine aktuelle Studie des Moorzentrums der Uni Greifswald, nach der eine weitere Verzögerung der Moorwiedervernässung über Jahrhunderte zu einer weiteren Erderwärmung führen würde und dass jetzt dringend gehandelt werden müsse. Schwegmann ergänzte, dass elf Prozent aller CO2-Emissionen in Niedersachsen auf das Konto trockener Moore gehen. Daher sei eine weitere Verzögerung des Moorschutzes nicht hinnehmbar. Die For-Future-Gruppen der Region Hannover fordern die Landesregierung daher auf, alle rechtlichen Mittel zu nutzen, um die Moore in Niedersachsen kurzfristig wieder zu vernässen. 

Keine Landschaft in Deutschland trägt so wirksam zum Klimaschutz bei wiedie Moore. Niedersachsen ist das Bundesland mit der größten Moorfläche inDeutschland. Etwa ein Drittel aller Moore in Deutschland liegen in Niedersachsen. Naturnahe Moore stellen wertvolle CO​2​-Senken dar – während entwässerte Moore CO2-Schleudern sind. Gegenwärtig sind ca 95 Prozent der niedersächsischenMoore entwässert. Daher stammen auch elf Prozent aller CO​2​-Emissionen in Niedersachsen aus Mooren. Das ist unakzeptabel. Die Gruppen fordern, dass die Landesregierung Niedersachsen endlich ihrer Verantwortung für die Moore gerecht wird – für den Klimaschutz, für die Artenvielfalt und für die Verbesserung der Wasserqualität. Konkret sind folgende sieben Forderungen für den Moorschutz aufgestellt:1. Mindestens 50 Prozent der Moorflächen in der Landwirtschaft in Niedersachsen werden aus der Nutzung genommen, so dass sich wieder Hochmoore und somit ​CO​2​-Senken bilden können. 2. Ackerbau auf Moorflächen wird nicht weiter gestattet. Klimafreundlichere extensive Weidewirtschaft in Verbindung mit Wiedervernässung bleibt möglich; 3. Agrarsubventionen auf Moorflächen fördern klimafreundliche Bewirtschaftung von Mooren, inklusive innovative Ansätze wie Paludikultur (Schilf und Mooskulturen). 4. Die Nutzung von Torf wird unabhängig von der Herkunft nur noch imgewerblichen Bereich erlaubt. Das Land kooperiert mit Forschung und Handel, um Alternativen auch für den gewerblichen Bereich zu finden. 5. Moorschutz in ganz Niedersachsen wird wirksam sichergestellt. Moorschutzprojekte werden personell und finanziel ausreichend ausgestattet, um ihre Ziele fristgerecht zu erreichen. 6. Das Land Niedersachen und Kommunen vereinbaren, dass Moorflächenin öffentlicher Hand nicht mehr verkauft werden, sondern als ​CO​2​-Senken gehalten werden. 7. Im Sinne des Gemeinwohls müssen Moorschutzmaßnahmen von Eigentümern geduldet werden. Alle rechtlichen Mittel werden genutzt,um bauliche Renaturierungsmaßnahmen kurzfristig umzusetzen.
Eine aktuelle Studie des Moorzentrums der Universität Greifswald vom April 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass ein Aufschub von Moorwiedervernässungüber Jahrhunderte zu weiterer Erderwärmung führen. Durch Wiedervernässung belasten die Moore das Klima nicht weiter, sondern werden ein Teil der Lösung der niedersächsischen Klimapolitik. Daher wird die Landesregierung aufgefordert, endlich zu handeln und alle Moore wirksam zu schützen.