Müll am Hessenweg Kampf angesagt

Zenda-Geschäftsführer Manfred Soyke (links) und sein Logistik-Chef Dirk Ehlers präsentieren den beschnittenen und gereinigten Seitenstreifen am Neuen Hessenweg. Ein Müllcontainer ist aufgestellt, entsprechende Schilder folgen in den nächsten Tagen. Doch ob die rastenden LKW-Fahrer ihren Müll künftig ordnungsgemäß entsorgen, bleibt abzuwarten. Dulden wollen künftig jedenfalls weder Zenda noch Grundstückseigentümer Papenburg die weitere Vermüllung, kündigte Soyke an. Foto: A. Wiese
 
Die Firma Zenda ist noch ganz frisch am Standort am Neuen Hessenweg in Meitze und will ein gutes Miteinander mit allen. Foto: A. Wiese

Schulterschluss zwischen FSZM-Nachfolger Zenda und Papenburg

Meitze (awi). Die Böschung entlang des Papenburgschen Grundstücks am Neuen Hessenweg ist sauber. Mehrere tausend Euro hat die benachbarte Firma Zenda in die Hand genommen, um die unhaltbaren Zustände in den Griff zu bekommen. Um den Unrat überhaupt entfernen zu können, musste eine Fachfirma zunächst das Gestrüpp entfernen, was allerdings schwieriger war als gedacht – weil so viel Müll darin hing – inklusive Plastiktüten mit Fäkalien. Ein großer Müllcontainer für den Restmüll wurde aufgestellt, in dem die Lkw-Fahrer ihren Abfall entsorgen sollen. Die spannende Frage ist jetzt: Werden sie das tun?
„Immer Ärger mit wildem Müll“ – so lautete am 5. Januar die Überschrift eines Artikels im ECHO. Ein Anwohner beschwerte sich zum wiederholten Mal über die Vermüllung des Randstreifens am Neuen Hessenweg durch rastende Lkw-Fahrer, berichtete von Ratten, die dort mittlerweile gesichtet würden und von unakzeptablen Zuständen, die Gemeinde und Region ganz offensichtlich nicht interessierten. Das stritt die Gemeinde allerdings gegenüber dem ECHO vehement ab. Die Zustände seien bekannt, zuständig sei sie aber nicht, das sei die Region und die habe Konsequenzen gegenüber dem Grundstückseigentümer Papenburg angekündigt. Dem gehört zwar der Randstreifen, aber die Lastwagenfahrer, die dort rasteten, sich erleichterten und ihren Abfall liegen ließen, seien zum Großteil Zulieferer der Nachbarfirma, räumte wenige Tage nach dem Artikel Zenda-Geschäftsführer Manfred Soyke ein und kündigte an: „Wir haben gerade am 1. Januar die Nachfolge von FSZM in der Komplettradmontage angetreten und freuen uns, hier über 100 Arbeitsplätze erhalten zu können. Uns liegt an einem guten Image. Wir kümmern uns um Abhilfe!“ Und es blieb nicht bei leeren Worten. Zenda setzte sich mit der Gemeinde in Verbindung und holte auch Papenburg mit ins Boot. „Die Firma Papenburg hat uns mit personellen Kräften unterstützt. Das war eine tolle Kooperation“, so Soyke und sein Logistik-Leiter Dirk Ehlers, der das Projekt zu seinem machte. Anfang Januar machte die Witterung den Firmen zuächst einen Strich durch die Rechnung, dann stellte sich alles als wesentlich schwieriger und umfangreicher heraus als zunächst gedacht, doch Ende letzter Woche dann der Anruf beim ECHO: „Jetzt können Sie kommen und fotografieren. Es ist alles sauber.“ Doch beim Fototermin eine halbe Stunde später lag dort schon wieder frischer Fastfood-Restaurant Müll, nur wenige Meter vom Container entfernt. Soyke und Ehlers waren fassungslos: „Das gibt es doch nicht.“ Es sollen in den nächsten Tagen noch Schilder mit bildlichen Hinweisen auf den Container und zwingende Entsorgung des Mülls darin aufgestellt werden. Die Firma Zenda brieft zudem die Fahrer, die bei ihr anliefern, mit entsprechenden Verhaltensregeln und nimmt dabei auch auf die Verständigungsprobleme der ausländischen Fahrer Rücksicht. Doch alle potenziellen Verschmutzer erreicht sie nicht. Viele Lkw-Fahrer kommen von der Autobahn, meiden aus Kostengründen den Autohof als Übernachtungsplatz und stellen ihr Fahrzeug am Neuen Hessenweg ab. „Wir gucken uns das jetzt eine Weile an. Wenn der Müll weiterhin einfach aus den Lkws geschmissen wird und das in Kürze aussieht wie vorher, hat Papenburg angekündigt, den Streifen abzupollern. Dann ist es hier mit dem Parken vorbei, erklärte Manfred Soyke.
Der Neue Hessenweg in Meitze ist aktuell der dritte Standort für Zenda neben Unna und Würzburg. Seit über einem Jahr habe FSZM in einem speziellen Projekt die Komplettradmontage aus seinem Portfolio herausgelöst und in Zenda überführt, erklärte Geschäftsführer Manfred Soyke. Zenda ist eine Gesellschaft des VW-Konzerns und für fünf Marken Konzerndienstleister: VW-Pkw, VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda. Seit 1. Janaur 2019 ist die Komplettradfertigung in Meitze zu 100 Prozent in Zenda-Hand. 1,5 Millionen Kompletträder sollen von 107 Mitarbeitern am Standort pro Jahr gefertigt werden. Lediglich 22 Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich hätten freigestellt werden müssen, führte Soyke aus.
„Wir möchten an unserem neuen Standort nicht nur ein guter Arbeitgeber sein, sondern uns auch nach außen mit einem sauberen Bild darstellen. Der Anblick der vermüllten Böschung stört uns nicht nur grundsätzlich, sondern auch persönlich. Aber die Frage ist, wie das Grundproblem zu lösen ist“, spricht der Geschäftsführer die Problematik offen an. Vor zehn bis 15 Jahren habe es noch überall Parkplätze für Lastwagen an der Autobahn und den Randbezirken gegeben. Dann sei ein Parkplatz nach dem anderen geschlossen worden – konträr zur Entwicklung des Lastwagen-Verkehrs. Mittlerweile sei diese Entwicklung zwar schon wieder rückläufig, es würden sogar neue Parkplätze gebaut, doch noch immer gebe es viel zu wenig Rastmöglichkeiten für die Lkw-Fahrer. Daher drückten sowohl Grundstücksbesitzer Papenburg als auch Zenda ein Auge zu, wenn die Fahrer ihre Züge im Seitenbereich des Neuen Hessenweges abstellten. Aber sie forderten anständiges Verhalten ein, insbesondere auch bei der Abfallentsorgung. „Das was hier passiert ist, ist niemandem zumutbar“, ist sich Zenda-Geschäftsführer Manfred Soyke mit dem Anwohner, der im Januar den Finger in die Wunde gelegt hatte, absout einig.