Muss Grüngürtel auch unter Schutz?

Landwirt Martin Schönhoff (von rechts) vom Bündnis C, Landwirt Werner Koch, dem Land in dem betroffenen Gebiet gehört und Hellendorfs Ortsbürgermeister Carsten Wandtke (CDU) sind sich einig, dass der gute Ist-Zustand des Geländes dem Einsatz der Eigentümer zu verdanken ist. Doch wenn der Grüngürtel um den Quellwald auch unter Naturschutz gestellt wird, befürchten sie hohe Auflagen zu Lasten der Landwirte und der Pferdehalter, die diese Flächen zurzeit nutzen. Foto: A. Wiese

Ausweisung des Quellwaldes als Naturschutzgebiet sorgt für Diskussionen

Hellendorf/Bennemühlen (awi). Dass der Quellwald des Bennemühlener Mühlenbaches wegen seiner Naturnähe von hoher Bedeutung für den Naturschutz ist, ist in den politischen Gremien, bei der Bevölkerung und in der Verwaltung völlig unstrittig. Die quelligen Bereiche, der naturnahe Bach und die umgebenden strukturreichen Waldbereiche mit hohem Totholzanteil sind selten gewordene Lebensräume. Daher sind große Bereiche schon seit langem als „besonders geschützte Biotope“ unter Schutz gestellt.
Doch jetzt will die Region Hannover das Gebiet komplett unter Naturschutz stellen und zwar nicht nur den Quellwald selbst, sondern auch den ihn umgebenden Grüngürtel, der landwirtschaftlich und insbesondere auch für Pferdehaltung genutzt wird. Wird auch dieser Bereich Naturschutzgebiet könnte dies mittel- und langfristig mit erheblichen Auflagen und Einschränkungen für die Landwirte und Hobbypferdehalter verbunden sein, befürchten die Mitglieder des Ortsrates Hellendorf. Der Ortsrat hat daher in seiner jüngsten, sehr kurzfristig und unüblicherweise nach der Sitzung des Fachausschusses für Umwelt und Planung anberaumten Ortsratssitzung, die gemeinsam mit der des Ortsrates Wedemark III (Berkhof, Bennemühlen) abgehalten wurde, am 16. Juli einstimmig beschlossen, der Gemeinde zu empfehlen, in ihrer Stellungnahme für die Region sich dafür auszusprechen, diesen Grüngürtel aus dem geplanten Naturschutzgebiet herauszunehmen und dieses ausschließlich auf den Quellwald zu beschränken. „Die Landwirte achten seit jeher auf die naturnahe Bewirtschaftung und Pflege dieses Gebietes, sonst würde es ja nicht so dastehen wie es jetzt ist, begründeten Ortsratsmitglied und Landwirt Martin Schönhoff vom Bündnis C, Ortsbürgermeister Carsten Wandtke von der CDU und einer der Eigentümer der Flächen, Werner Koch, den Beschluss des Ortsrates und betonen, dass die Naturschutzausweisung nichts zum derzeitigen Status ändern würde. 2004 wurde das Gebiet aufgrund von Kartierungen des Landes Niedersachsen (Erfassung der für den Naturschutz wertvollen Bereiche in Niedersachsen) als Vorschlag zur Ausweisung als FFH-Gebiet an die EU gemeldet. Die Gemeinde Wedemark war damals im Verfahren beteiligt worden und hatte in der Stellungnahme gebeten, das Gebiet in der Nähe der Bebauung in Hellendorf herauszunehmen. Dieser Hinweis wurde berücksichtigt. Die EU-Richtlinie 92/43/EWG vom 21.5.92 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen („Flora-Fauna-Habitatrichtlinie“ oder „FFH-Richtlinie“) verpflichtet die Mitgliedsstaaten zur Meldung von Gebietsvorschlägen an die EU. In der Wedemark sind neben dem Quellwald des Bennemühlener Mühlenbaches auch die Moore als FFH-Gebiete ausgewiesen. Die Länder sind verpflichtet, die Erhaltung und Entwicklung der FFH-Gebiete durch geeignete Schutzmaßnahmen zu sichern. Das ist in der Regel die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Sowohl die Ergebnisse des Landschaftsplanes der Gemeinde Wedemark als auch der Landschaftsrahmenplan der Region Hannover unterstützen diese Ausweisung. Die Region Hannover hat die Gemeinde Wedemark Ende 2015 bereits darauf hingewiesen, dass sie dabei ist, die Vorgabe der EU in ihrem Gebiet abzuarbeiten. Zu dem jetzt übersandten Verordnungsentwurf sollte die Gemeinde eigentlich bis zum 18. Juli Stellung nehmen, hat aber Fristverlängerung beantragt. Der Bach selbst ist Eigentum der Gemeinde
Wedemark. Die restlichen Flächen sind in Privatbesitz. Auf die Kritik der Besitzer stößt wie gesagt nur, dass nun neben dem Quellwald auch die umgebenden Grünlandflächen einbezogen werden sollen.
Die Gemeinde hat in ihrem Vorschlag für die Stellungnahme, der in die politischen Gremien gegangen ist, bisher lediglich angemerkt, dass Erhaltung und Reparatur der im Quellwald in Bennemühlen stehenden alten Kapelle gewährleistet sein muss. Der Ortsrat Hellendorf möchte nun erreichen, dass die Gemeinde sich ausdrücklich dafür ausspricht, den umgebenden Grüngürtel aus dem NSG herauszunehmen und dieses ausschließlich auf die bereits als FFH-Gebiet ausgewiesenen Flächen von rund 15,5 Hektar zu beschränken. Inklusive des Grüngürtels wäre die Fläche etwa doppelt so groß, erläutern Schönhoff, Koch und Wandtke bei dem Ortstermin. Etwa acht Eigentümer aus Hellendorf und weitere zwei oder drei aus Bennemühlen seien betroffen, so Wandtke. Viele von ihnen waren bei der gemeinsamen Ortsratssitzung zugegen, darüberhinaus etliche interessierte Bürger, so dass sich die Ortsratssitzung des Interesses von rund 30 Zuhörern erfreute, von denen viele in ihren Beiträgen zum Ausdruck brachten, dass sie die Situation ebenso wie die Ortsratsmitglieder beurteilen und das Naturschutzgebiet für den Quellwald befürworten, nicht aber für den Grüngürtel. Grund sind ganz einfach Bestimmungen, die automatisch für ein Naturschutzgebiet in Kraft treten und die Eigentümer erheblich einschränken würden, ohne an der Sache etwas zu ändern. Wandtke sieht dabei auch die Betroffenheit der Jäger, die wesentlich strengere Vorschriften für ihre Jagdansitze, Hegebüsche und Wildäcker zu befürchten haben. Es geht aber auch um die Vorschriften für die Unterstände der weidenden Pferde, die Weidezäune und Heuraufen. Zudem darf ein Naturschutzgebiet überhaupt nicht betreten werden. Eine große Weidefläche wird jedoch von den Pferdehaltern, die ihre Pferde bei Pächter Klaus Kreutzer unterstehen haben genutzt, um dort täglich ihre Pferde hinzubringen und wieder herunterzuholen. Ob eine solche Nutzung dann noch möglich sei, sei fraglich, ebenso wie die Hobbytierhaltung eines Islandpferdehalters, so Ortsbürgermeister Carsten Wandtke. Nicht zuletzt weist Eigentümer Werner Koch auch auf die Wertminderung eines unter Naturschutz stehenden Grundstücks und den erheblichen Eingriff in das Eigentum hin, für das strenge Auflagen bezüglich der Mähzeiten und der Düngung gelten. Den beabsichtigten Schutzeffekt für den Quellwald garantiere der Saumgürtel auch so wie bereits seit vielen Jahrzehnten, betont Koch. „Und eine nachvollziehbare fachliche Begründng haben wir in der Ortsratssitzung von der Umweltbeauftragten Frau Schwertmann nicht bekommen“, ergänzt Martin Schönhoff. Er sieht die Gefahr erheblicher Einschränkungen von Wedemärker Eigentümern, nur damit die Region auf Planerfüllung für die EU-Richtlinie pochen kann, ohne dass sich de facto irgendetwas ändert. Private Eigentümer haben jetzt noch bis 17. August Gelegenheit für schriftliche Einwendungen. Die Gemeinde muss ihre Stellungnahme noch im Verwaltungsausschuss und im Rat formulieren. Die CDU lässt sich die Situation von der Umweltbeauftragten Ursula Schwertmann noch einmal am nächsten Mittwoch im Rahmen ihrer Sommertour erklären.
In der offiziellen Bekanntmachung der Gemeinde heißt es unter anderem: „Die Region Hannover, Team Naturschutz Ost, beabsichtigt den Erlass der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Quellwald bei Bennemühlen“ in der Gemeinde Wedemark, Region Hannover (Naturschutzgebietsverordnung „Quellwald bei Bennemühlen“ - NSG-HA 237). Das geplante Naturschutzgebiet liegt überwiegend in der naturräumlichen Einheit „Hannoversche Moorgeest“ und zu einem kleineren Teil in der „Unteren Aller-Talsandebene“ in der naturräumlichen Haupteinheit „Weser-Aller-Flachland“.
Das NSG befindet sich in der Gemeinde Wedemark zwischen den Ortsteilen Bennemühlen und Hellendorf. Es ist ungefähr 33 Hektar groß. Gemäß § 22 Abs. 2 BNatSchG und § 14 Abs. 2 NAGBNatSchG erfolgt die öffentliche Auslegung des Entwurfs der vorgenannten Verordnung mit den dazugehörigen Karten nebst Begründung in der Zeit vom Mittwoch, 11. Juli, bis einschließlich Donnerstag, 16. August, im zentralen Zugangsbereich des zweiten Obergeschosses des Rathauses Wedemark, Fritz-Sennheiser-Platz 1, 30900 Wedemark, Gemeindeteil Mellendorf.“