Nach vier Jahren von der Walz zurück

Am Freitagnachmittag kam Zimmererin Franziska Deneke nach vier Jahren und acht Monaten von der Walz zurück. Ihre Wandergesellen geleiteten sie bis zum Ortsschild, das sie dann überklettern musste.

Zimmererin Franziska Deneke klettert traditionell über das Elzer Ortsschild

Elze (awi). Drei Jahre und ein Tag Walz waren geplant, vier Jahre und acht Monate sind es geworden. Am Freitagnachmittag ist Franziska Denecke (27) wieder nach Hause nach Elze gekommen. Familie, Nachbarn, Freunde und Bekannte empfingen sie mit einer rauschenden Party und hatten am Ortsausgang Richtung Wasserwerk geduldig ausgeharrt, bis „Franzi“, wie sie genannt wird, mit ihren Wandergesellen ihre Rituale vollendet hatte. Letzte „Amtshandlung“ nach Schlangenlinien über die Wasserwerkstraße und Gesang war das Überklettern des Ortsschildes, von dem sie sich nach alter Tradition dann in die starken Arme ihrer Familie und der Freunde fallen ließ.
So hatte Franzi Elze übrigens im März 2014 auch verlassen: Sie war über das Ortsschild geklettert und durfte fortan ihrem Heimatort nicht auf 50 Kilometer nahe kommen. Diese Bannmeile ist für die Wandergesellin vorgeschrieben. In schwarzer Kluft den Wanderstab in der Hand mit einem kleinen, nur wenige Kilo schweren Bündel, war sie einst gegangen und genauso kam Franzi am Freitag auch zurück. Vater Uwe Deneke konnte die Tränen doch nicht ganz zurückhalten, dass er seine Tochter nun wiederhatte. Nach dem Abitur in Hannover hatte sie sich nach vier Praktika, eins davon bei der Firma Holzbau Matthies in Bissendorf – entschlossen, das Zimmermannshandwerk zu erlernen. Insbesondere die Restauration von Fachwerkhäusern hatte es Franzi angetan. Im Internet suchte sie sich einen Ausbildungsplatz in Reutlingen. Nach Abschluss ihrer Lehrzeit arbeitete sie zunächst eine Zeitlang, dann fiel die Entscheidung, auf Walz zu gehen, obwohl die Bedingungen hart sind. Nicht nur, dass sie sich ihrem Heimatort drei Jahre lang nicht nähern darf, sie darf auch sonst kaum Kontakt zur Familie halten, kein Handy haben, mit fünf Euro losgehen und mit der gleichen Summe in der Tasche zurückkommen. Kost und Logis sind für die Wandergesellen in der Regel frei, wenn sie unterwegs Arbeit finden. Franziska Deneke hat viel gesehen. Sie war in Südafrika, in Kapstadt und Johannesburg, aber auch in Russland. Lange hat sie sich auch in Deutschland aufgehalten und die neuen Bundesländer durchstreift. Zu ihrer Begrüßung am Freitag war auch ein Ehepaar aus Karlsruhe erschienen, bei dem sie einige Monate gearbeitet hatte. „Ich hab mit der Franzi allein ein Dach gebaut“, berichtete der Karlsruher stolz. Der Kontakt sei auch nicht abgerissen, als die Wandergesellin weiterzog. Die meisten Kilometer legte sie auf Schusters Rappen, also zu Fuß zurück, denn Geld für eine Fahrkarte dürfen die Zimmerleute auf der Walz nicht ausgeben. Das verbieten die strengen Regularien. Auch am Freitag kamen Franzi und ihre Mitwanderer zu Fuß aus dem Forst Rundshorn. „In Hannover waren wir zuletzt“, war von einer der Wandergesellinnen in Erfahrung zu bringen. „Sie hat schon als Kind immer ihren eigenen Kopf gehabt“, verrät Vater Uwe Deneke, der vor viereinhalb Jahren gar nicht erst den Versuch gemacht hat, seiner Tochter ihre Pläne auszureden: „Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, zieht sie durch.“ Und so hat die Elzerin dann sogar noch mehr als ein Jahr drangehängt. Was sie unterwegs alles erlebt hat, das hat sie in einem Buch aufgeschrieben. Zunächst einmal wird es jedoch mündlich weitergegeben. Nach dem Überklettern des Ortsschildes und vielen Umarmungen ging es aber noch nicht ans Feiern. Zunächst musste die von der Walz zurückgekehrte Zimmererin die Flasche wiederfinden, die sie vor vier Jahren und acht Monaten am Ortsausgang vergraben hatte. Darin versteckt sind viele Zettel mit guten Wünschen. Vater und Bruder haben stets peinlich darauf geachtet, dass die Straßenmeisterei beim Ausschneider der Straßenränder nicht die winzigen Markierungen beseitigte, mit denen sie für sich kenntlich gemacht hatten, wo die Flasche in dem 80 Zentimeter tiefen Loch vergraben war. Und dann war wirklich nur noch Feiern angesagt – und Urlaub.