Neues Kunstwerk der Kinderrechte

Künstler Jürgen Friede (links) und Vertreter der Jugendfeuerwehr Negenborn mit Gästen vor dem neuen Kinderrechte-Kunstwerk – einem Tisch mit Fischen – vor der Kapelle in Negenborn. Foto: A. Wiese

Tisch mit Fischen vor der Negenborner Kapelle weist den Weg nach Neustadt

Negenborn (awi). Ausgehend von der Straße der Kinderrechte in der Wedemark haben die Kunstschulen Neustadt, Wedemark und Wunstorf gemeinsam ein Projekt erarbeitet, die Kinderrechte in den drei Kommunen zu verstetigen und im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. „Kinderrechte sind ein immer wieder kehrendes wichtiges Thema, das gerade auch in der heutigen Zeit immer wieder thematisiert werden muss“, sagte der Leiter der Kinder- und Jugendkunstschule Bernd Tschirch am Mittwoch bei der Einweihung des neuesten Kinderrechte-Kunstwerks vor der Negenborner Kapelle. Die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr Negenborn haben mit dem Künstler Jürgen Friede das Thema Kinderrechte behandelt. Bildhauer Jürgen Friede aus Sprockhof hat dann die Ideen in ein wirklich beeindruckendes Kinderrechtekunstwerk umgesetzt.
„Mit dem Standort vor der Kapelle hat uns die Kirchengemeinde einen idealen Platz für dieses Kunstwerk zur Verfügung gestellt“, bedankte sich Tschirch bei Pastorin Debora Becker und Marion Bernstorf vom Kirchenvorstand. Die Politik war bei der Einweihung durch den stellvertretenden Ortsbürgermeister und Ratsvorsitzenden Wolfgang Kasten vertreten, der Arbeitskreis Kinderrechte durch Frank Felgner. Die Volksbank hat auch dieses Mal gemeinsam mit der R+V-Stiftung maßgeblich zur Finanzierung des Kunstwerks beigetragen. Künstler Jürgen Friede trug den Beteiligten und Gästen der kleinen Einweihungszeremonie am Mittwoch seine eigenen Gedanken zum „Tisch der Kinderrechte“ vor. Der geneigte Wanderer, der sich nördlich von Hannover durch die ländlich geprägte Wedemark die Orte zu den nun schon zahlreichen „Kinderkunstprojekten“ erlaufe oder erradele, gelange auch zu der 1693 erbauten Fachwerkkapelle an der Hannoverschen Straße in Negenborn. Auf dem kleinen park-ähnlichen Gelände vor der Kapelle stehe nun ein ein mal zwei Meter großer Tisch aus Stahl. Über diesem Tisch „schwimmen“ zehn Fische - vorerst in eine Richtung. Sie sind nach Entwürfen der Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr Negenborn gestaltet, reliefartig aus Aluminiumblech gefräst und mit je einem Gelenk am Tisch befestigt. Sie lassen sich in zwei Richtungen umklappen. Das spielerische Benutzen des Bewegungsmechanismus ist für den Betrachter ausdrücklich erlaubt. Auf den Rückseiten der Fische sind die zehn wichtigsten Kinderrechte beschrieben. Diese wurden vor 20 Jahren von der Generalversammlung der Vereinigten Nationen verabschiedet. Spielerisch lassen sich die Texte entdecken – jeder Fisch symbolisiert eines der Kinderrechte, mit denen sich die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr befasst haben. Nicht immer sei leicht, Kindern in diesem relativ sicheren und wohlhabenden Land Sinn und Bedeutung dieser Rechte zu vermitteln, gab Friede zu bedenken: „Was wir vermeintlich haben, wird als selbstverständlich angesehen und hat kaum noch einen Wert, den es zu verteidigen gilt.“ Der Tisch symbolisiere auch einen Fluss, in dem die Fische schwimmen – mal „mit dem Strom“ oder auch „gegen den Strom“. Diese Metapher verdeutliche die Frage nach persönlichen Entscheidungen, die – gerade in heutiger Zeit – mit, oder auch gegen einen „Mainstream“, oder die „political correctness“ getroffen werden und dann auch vertreten werden müssen, so der Künstler. Zivilcourage sei heute wichtiger denn je. Manchmal sei es leichter, mit dem Strom zu schwimmen, bei Unangenehmem wegzuschauen und sich die Mühsal zu ersparen, auch einmal für Unbequemes oder Minderheiten einzutreten. „Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen“, habe schon Hermann Hesse gewusst. Nicht zuletzt sei der Fisch ein Symbol, mit dem Christen seit dem zweiten Jahrhundert auf das eigene Christsein hinwiesen. Ursprünglich sei der Fisch ein geheimes Erkennungszeichen der Christen gewesen bis das Kreuz zum zentralen Symbol wurde. Auf das Areal dieser kleinen Kapelle in Negenborn seien nun zehn Kinderrechte als weitere „Gebote“ erlebbar hinzugekommen. „Mögen diese auch an den Orten Beachtung finden, an denen Kinder ohne Benachteiligung auf die Zuwendung und Betreuung der Gesellschaft angewiesen sind“, wünschte sich Jürgen Friede.