Neuestes NAJU-Projekt

Gruppenbild auf der Reiterheide. Foto: Anton Wecker
 
Die Helstorfer Reiterheide. Foto: NABU, Anton Wecker

Tiere und Pflanzen in der REiterheide entdecken

Wedemark. Endlich war es wieder soweit: die Kids, Teens und Betreuer der Naturschutzjugend-Wedemark freuten sich, dass nach langer Pause durch die Pandemie vergangenen Samstag der erste Aktionstag draußen in der Natur bei bestem Wetter stattfinden konnte. Zur Einführung erfuhren die Kinder und Jugendlichen, dass eine Grundlage für die Entstehung der Reiterheide bei Helstorf Flugsand ist, den die Winde am Ende der Eiszeit aus dem damaligen Leinetal heranwehten. Aus den Eichen-Mischwäldern auf diesen armen Böden entwickelten sich durch die Landbewirtschaftung der Menschen Heideflächen. Kaum zu glauben, dass dieses Landschaftsbild noch bis vor etwa 200 Jahren in Norddeutschland zwischen Hamburg und Hannover weit verbreitet war. Heute gibt es nur noch kleine Reste! Anschließend zogen die Kids und Teens in getrennten Gruppen los, um diese besondere Landschaft und ihre Tiere und Pflanzen zu erkunden.
Die Kids wurden magisch von einer Schafherde angezogen - sie durften sogar zu ihnen in die Einzäunung. Der Schafhalter, René Rakebrandt, erklärte, dass seine Weißen Gehörnten Heidschnucken hier Naturschutz und Landschaftspflege betreiben, indem sie durch Abfressen die Besenheide verjüngen und unerwünschte Gräser oder Baumsämlinge vertilgen. Für die Heidebauern war früher neben der Wolle und dem Fleisch der Schafe die Bienenhaltung eine weitere Einnahmequelle. In der flirrenden Hitze waren viele Insekten unterwegs. Gespannt und mit viel Geduld beobachteten die NAJU-Kids eine Sandwespe beim Verschließen ihrer Nisthöhle. Sandwespen bauen einen unten etwas aufgeweiteten Gang in offenen Bodenstellen, lähmen mit einem Stich eine Raupe, transportieren sie in die Bruthöhle und legen ein Ei dazu. Dann wird der Gang verschlossen und der Nachwuchs kann sich gut mit Nahrung versorgt entwickeln. Die Teens befassten sich detailliert mit der Entstehung von Heidelandschaften als Folge der besonderen Bewirtschaftung durch die Heidebauern über die Jahrhunderte hinweg. Dabei wurde deutlich, dass die Menschen früher wohl kaum romantische Gefühle zur Heide entwickeln konnten: zu mühsam war es, auf diesen landwirtschaftlich grenzwertigen Böden überhaupt ein Auskommen zu erzielen. Für einen Ackerbau, der sich einigermaßen lohnte, war es nötig, den kleinen Feldern alljährlich Dünger zuzuführen. Dazu wurde die Heide im Abstand mehrerer Jahre mit einem Spaten oberflächlich abgestochen („Heideplaggen“) und als Einstreu in die Viehställe gebracht. Sie vermengte sich dabei mit den Ausscheidungen der Tiere und diente dann als Dünger für die Ackerflächen. So wurden die kleinen Felder („Plaggenesch“) nach und nach immer ertragreicher, aber die umgebende Heidelandschaft immer nährstoffärmer, sodass dort nur noch anspruchslose Pflanzen, wie vor allem Heidekraut, gedeihen konnten. Spannend war es für die Jugendlichen herauszuarbeiten, welche Faktoren heute der Erhaltung oder Neuanlage von Heiden entgegenstehen, und welche verschiedenen Maßnahmen sich bewährt haben, damit es gelingen kann. Zum Schluss trafen sich alle an einer schattigen Stelle und verkosteten Heidehonig. Sehr lecker!
Text: Beate Butsch und Axel Neuenschwander
Fotos: Gruppenbild: Anton Wecker; Sandwespe: Beate Butsch