Offenes Singen auf Anhieb ein Erfolg

Von „Die Gedanken sind frei“ bis „Guten Abend, gute Nacht“ reichte das Repertoire, dass die Teilnehmer des offenen Singens in Elze, begleitet von Pianistin Nicoleta Ion, spontan zum Besten gaben. Fast alle Lieder waren den Sängern aus ihrer Kindheit und Jugend bekannt. Foto: A. Wiese
 
Chorleiterin und Pianistin Nicoleta Ion hatte einen Riesenspaß beim Offenen Singen am Sonnabend in der Pfarrscheune in Elze. „Das habe ich mir schon immer gewünscht“, verriert sie den Teilnehmern. Foto: A. Wiese

70 sangesfreudige Wedemärker trällerten in der Pfarrscheune Volkslieder

Elze (awi). Wer hätte gedacht, dass die Wedemärker so sangesfreudig und musikalisch sind? Der Aufruf von Chorleiterin und Pianistin Nicoleta Ion zum ersten offenen Singen in der Elzer Pfarrscheune war ein Versuchsballon – und er ist voll durchgestartet.
Mehr als 70 Sängerinnen und Sänger kamen, zahlten gerne einen Beitrag von fünf Euro für die Miete der Pfarrscheune und das Liederheft und stimmten volltonig mit ein, als die Musikerin nach einmaligem Vorspiel der Melodie der alten Volkslieder zum Mitsingen aufforderte. Kaum erklangen die ersten Töne auf dem Piano, hörte man schon ein begeistertes „Ach ja, das kenn ich“ von irgendwoher. Und dann wurde quer durch den Garten geträllert: Besinnlich von „Die Gedanken sind frei“ und „Du, du, liegst mir am Herzen“, über unternehmungslustig wie „Mein Vater war ein Wandermann“ und „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ bis albern, wie Nicoleta Ion lachend die Vielzahl der Strophen der Vogelhochzeit bezeichnete. Eine tolle Idee: Nach jedem Lied fragte die Chorleiterin, ob jemandem eine Geschichte von früher zu dem jeweiligen Lied eingefallen sei. Und das war tatsächlich bei fast jedem Lied der Fall. Der eine erinnerte sich beim „Lindenbaum“ an die Träume von früher, der nächste beim Gute-Nacht-Lied ans Abwaschen. Einige hatten die Lieder in der Schule gelernt, die meisten sie jedoch zuhause mit Eltern, Geschwistern und Großeltern gesungen. Die strahlende Nicoleta Ion kam gar nicht dazu eine Pause zu machen, so begeistert hieß es immer „das nächste Lied“. Schon beim zweiten Lied „Horch, was kommt von draußen rein“ horchten die Teilnehmer des offenen Singens auf: Was war das für ein Schlagzeug? Auch Chorleiterin Nicoleta Ion war erstaunt und fragte nach: Die putzmuntere ältere Dame, die da fröhlich zwei Löffel aneinanderschlug, stellte sich als die 86 Jahre alte Margarete Berghahn aus Mellendorf vor und meinte: „Sagen Sie doch einfach Tante Margarete!“ Tante Margarete klopfte auch bei den meisten folgenden Liedern – da, wo es passte – mit ihren Löffeln den Takt und verriet am Ende der Veranstaltung, sie singe für ihr Leben gern und habe vor Begeisterung gejuchzt, als sie im ECHO die Einladung zum offenen Singen gelesen habe, zu dem sie übrigens mit dem eigenen Auto von Mellendorf anreiste. Wie alle anderen sagte sie am Schluss mit glänzenden Augen: „Das war herrlich, das müssen wir bald wieder machen.“ Nicoleta Ion war hingerissen von dem durchschlagenden Erfolg ihrer Idee, mit der sie unter anderem das deutsche Volksliedgut bewahren möchte: „Die schönen alten Lieder dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagte sie zur Begrüßung, „weil sie wunderbar sind und weil zusammen singen Spaß macht.“ Immer wieder beobachte, sie dass die Menschen bei Chorproben locker und fröhlich würden und Singen eine wunderbare Wirkung auf das Gemüt habe. Sie freute sich, dass auch ihre Idee, mit den Liedern Erinnerungen an früher zu wecken, so gut angenommen wurde. „Im Frühjahr machen wir das nächste offenen Singen“, versprach sie den begeisterten Teilnehmern.