Oma Elli ist die älteste Camperin am See

Oma Elli in ihrer kleinen Küche im Vorzelt des Wohnwagens, wo sie sich täglich ihr Essen kocht. Foto: A. Wiese
 
Die 91-jährige Else Ganteföhr kommt seit 45 Jahren zum Campen an den Natelsheidesee. Foto: A. Wiese

Seit 50 Jahren gibt es den Natelsheidesee und seit 45 Jahren kommt Oma Elli

Bissendorf-Wietze (awi). Vor wenigen Tagen hat Else Ganteföhr auf dem Campingplatz am Natelsheidesee ihren 91. Geburtstag gefeiert. Dort wird sie jedoch nur „Oma Elli“ genannt. Wenn der Natelsheidesee und der Campingplatz am heutigen Sonnabend ihren 50. Geburtstag feiern, kommt „Oma Elli“ eine ganz besondere Bedeutung zu: Sie ist nicht nur die älteste, sondern auch die langjährigs-te Camperin und der erklärte Ehrengast von Inhaberin Anja Krüger. Deren Vater gründete den Campingplatz an dem als Folge des Autobahnbaus entstandenen See 1964. 1969 entdeckten Else Ganteföhr, ihr Mann und die drei Kinder das Paradies für sich. Wohnhaft in Hannover-Mittelfeld kamen sie von April bis September jedes Wochenende raus, die
ersten zwei Jahre wohnten sie im Zelt. Dann entdeckte der Familienvater den erschwinglichen Wohnwagen aus dem Jahr 1952 und brachte ihn auf den Platz in Bissendorf-Wietze. Dort steht er nun seit 43 Jahren. Ein einziges Mal hat er noch auf dem Platz den Standort gewechselt und ist ein paar Meter von der Autobahn weg in Richtung See gewandert, weil die Behörde dies nach einem Unfall, bei dem ein Auto über die Böschung flog, zur Auflage gemacht hatte. Schon bald blieben Else Ganteföhr und ihr Mann im Sommer ganz am See und fuhren von dort zur Arbeit nach Hannover – und so machte es bald die ganze Familie. Dem Natelsheidesee konnte sich niemand entziehen. Heute haben zahlreiche Familienmitglieder ihre Wohnwagen auf dem Campingplatz, alle rund um Oma Ellis Wagen, praktisch wie eine Familienwagenburg. Die 91-Jährige findet das herrlich. Sie lebt Wohnwagentür an Wohnwagentür mit ihrer Schwiegertochter und hat sich auch nach dem Tod ihres Mannes nie einsam gefühlt auf dem Platz. Wenn sie auch nach wie vor ihre Stadtwohnung hat, so richtig glücklich ist sie auf dem Campingplatz. Hier hat sie sich auf kleinem Raum alles so eingerichtet, wie sie es haben wollte, hat nach dem Tod ihres Mannes 1989 kurzerhand die Küche aus dem Wohnwagen komplementiert und im Vorzelt eingerichtet. „So wollte ich es eigentlich schon immer haben, aber mein Mann wollte das nicht“, erzählt sie augenzwinkernd. Im Wohnwagen, da wo vorher die Küche war, hat sie seitdem ein bequemes Bett stehen, im Wohnraumbereich peppt ein moderner Flachbildfernseher die Sitzecke auf. „Strom hatten wir hier von Anfang an“, berichtet Oma Elli und auch die Wasserleitung sei früh gelegt worden, von der die Camper Wasser in Kanistern holen. So etwas oder auch Rasen mähen, muss die 91-Jährige heute natürlich nicht mehr selbst machen. Der Enkel mäht den Rasen, mit ihrer Schwiergertochter fährt sie einkaufen. Zu Duschen und Waschen geht sie zu den Sanitärräumen auf der anderen Seeseite. Ein Dixie-Klo ist nur für nächtliche Notfälle gedacht. War der See schon ein Erholungsparadies für die Hannoveranerin und ihre Familie, als sie noch in der Brauerei arbeitete, genießt sie dort jetzt schon seit fast 30 Jahren ihren Ruhestand und kann sich eigentlich auch nichts anderes vorstellen. „In meiner Wohnung in Hannover habe ich keinen Garten oder Balkon, kann nicht raus gehen.“ Dass es mit dem Laufen immer schlechter geht, das macht ihr allerdings Sorgen, doch noch fängt der Familienverband alles ab. Oma Elli genießt es, bei schönem Wetter am See zu sitzen, auch mal die Küche kalt zu lassen und mit ihrer Schwiegertochter im Imbiss zu essen. „Oder wir holen uns einfach ein Eis!“ Es sei eine tolle Gemeinschaft am See, schwärmt sie. Viele Freunde habe sie hier in den letzten Jahrzehnten gefunden und früher sei sie täglich geschwommen. Bei Festen ist sie auch heute noch mittendrin. „Kürzlich bei der Hochzeit meiner Enkelin bin ich bis fünf Uhr geblieben, denn ich hab mal gelernt, anständige Leute kommen im Hellen nach Hause“, kalauert sie. Und so kann man sicher sein, dass Oma Elli auch heute abend kräftig mitfeiert.