„Ort soll sich vorsichtig entwickeln“

Hartmut Pflüger tritt erneut als Ortsbürgermeisterkandidat für die CDU an. Privat freut er sich, wenn er in den Ferien mal Zeit hat, mit den Söhnen Fynn und Hendrik zu frühstücken. Foto: A. Wiese
 
Dass Ute Ruddat zupacken kann, merkt man nicht nur, wenn sie ihren Bootsanhänger wegziehen muss. Die tatkräftige SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin möchte auch in Hellendorf einiges bewegen. Foto: A. Wiese

Konsens in allen wichtigen Punkten bei Hartmut Pflüger und Ute Ruddat

Hellendorf (awi). Hartmut Pflüger (48) ist in Hellendorf aufgewachsen, hat hier den Fischhof seines Vaters übernommen, ist Vorsitzender des Schützenvereins und seit vielen Jahren Ortsbürgermeister – also eine sehr enge Verbundenheit mit dem Ort Hellendorf, die im Gespräch an vielen Stellen zum Tragen kommt. Der Forellenhof Wedemark des Fischwirtschaftsmeisters und seiner Frau Sandra ist weit über die Grenzen der Wedemark und der Region hinaus bekannt, nicht zuletzt durch das jährliche Fischfest, das sich aus dem traditionellen Abfischen heraus zu einem Event in der Region Hannover entwickelt hat und diesmal übrigens genau am Wahlsonntag, 11.September, stattfindet. In die CDU ist Hartmut Pflüger vor 25 Jahren eingetreten und hat bereits 1986 das erste Mal für den Ortsrat Hellendorf kandidiert. „Klaus Kreutzer und ich sind damals angetreten und gleich in den Ortsrat gekommen“, erinnert sich Pflüger. Seitdem arbeitet er in diesem Gremium ohne Unterbrechung mit. Ortsbürgermeis-ter war er von 1991 bis 2001 und jetzt wieder seit 2006. Eine Periode hatte er von diesem Amt pausiert, das Stephan Schönhoff von 2001 bis 2006 inne hatte. Pflüger ist mit Leib und Seele Ortsbürgermeister, gibt er offen zu und liebt insbesondere auch die Geburtstagsbesuche und andere Anlässe, wo er mit den Hellendorfern ins Gespräch kommt.
Vorsichtige Entwicklung
Mit dem, was der Ortsrat unter seiner Ägide in den letzten Jahren erreicht hat, er ist durchaus zufrieden. Entscheidend für die Entwicklung Hellendorfs sei die Umsiedlung des Dorfgemeinschaftshauses und die Reaktivierung der Grundschule gewesen, auch wenn dies schon vor der letzten Periode gewesen sei, aber die Auswirkungen dieser Entscheidung machten sich immer noch bemerkbar. „Das war auch der einzige Punkt, wo die CDU sich im Ortsrat gegen die SPD durchgesetzt hat, sonst sind hier alle Beschlüsse immer gemeinsam im Interesse des Ortes gefasst worden“, betont Pflüger. Die Grundschule im Ort zu haben und im Dorfgemeinschaftshaus gemeinsam feiern zu können, habe dazu beigetragen, das Dorfleben harmonisch und aktiv zu gestalten, so Pflüger und verweist auf die inzwischen wieder sehr gute Resonanz aufs Schützenfest, das übrigens am nächsten Wochenende in Hellendorf gefeiert wird und die Entwicklung der Jugendfeuerwehr, die von der Dorfjugend kräftig nachgefragt wird. Er freut sich, dass der Hort für Hellendorf durchgesetzt und mit dem Neubau der Räumlichkeiten gekrönt werden konnte, dass der Laternenumzug jetzt ein großes Dorffest ist, seit er von allen Vereinen gemeinsam ausgerichtet wird und mit rund 400 Teilnehmern auf dem Schulhof gefeiert wird. „Was wir jetzt in Hellendorf angehen müssen – allerdings mit der gebotenen Vorsicht und Sensibilität – sind kleine Baugebiete“, so Pflüger. Da geplant gewesen sei, nach dem Weggang der Firma Jesco ins Gewerbegebiet in Gailhof auf dem Firmengelände Bauland auszuweisen, habe man sich in anderer Richtung keine Gedanken gemacht. Nachdem jetzt klar sei, dass Jesco in Hellendorf bleiben wird, müssten die Karten neu gemischt werden und der Ortsrat sich in seiner nächsten Periode mit der Entwicklung des Dorfes beschäftigen. Auch die Sanierung des Radwegs entlang der L 190 in Richtung Elze steht auf Pflügers Liste. Hier habe der Ortsrat zwar keinen unmittelbaren Einfluss, müsse die Ausbesserung aber immer wieder mit Nachdruck fordern, damit etwas passieren werde, ist er überzeugt. Wichtig sei, dass sich der gesamte Ortsrat bei solchen Dingen einig sei, aber das sei in Hellendorf der Fall. Auch auf die gute Zusammenarbeit mit seinem Stellvertreter Heiner Peterburs über viele Jahre lässt Pflüger nichts kommen. Im Gegensatz zu anderen Ortsbürgermeisterkollegen habe er nie Lust zu einer Kandidatur für den Gemeinderat gehabt, erzählt Hartmut Pflüger: „Da herrscht ein ganz anderer Umgang miteinander. Das ist nicht mein Ding. Man muss andere Meinungen akzeptieren können, ohne dass es zu persönlichen Anwürfen kommt“, ist seine Überzeugung. Ihm macht es Spaß, die Seniorenfahrt für 66 Hellendorfer auszurichten und gemeinsam mit den anderen Ortsratsmitgliedern die älteren Dorfbewohner bei der Weihnachtsfeier zu bewirten. „Letztes Jahr waren es fast 80 Mann“, betont Pflüger. Dass bei so vielen ehrenamtlichen Aktivitäten seine beiden jüngeren Söhne – die beiden älteren gehen bereits eigene Wege – sich manchmal beschweren, dass der Vater selten Zeit hat, ist nicht wirklich verwunderlich. Zumal er auch gerne zur Jagd geht, ein Hobby, das er sich außer Politik, Schützenvereinsvorsitz und Tontaubenschießen gönnt. Aber zum Ausgleich fährt dafür die ganze Familie gemeinsam Skifahren, berichten Fynn und Hendrik. Sie sind an allen Aktivitäten ihres Vaters interessiert und geben auch zur Kommunalpolitik bereits ihren Kommentar dazu.
Für SPD-Politikerin Ute Ruddat hat ihre Kandidatur für das Ortsbürgermeisteramt in Hellendorf eigentlich absolute Priorität. Aber jetzt ist sie gerade doch ein wenig in den Hintergrund gerückt, denn die 53-Jährige ist gerade zum ersten Mal Oma geworden. Es ist ein Mädchen! Für die Mutter dreier Kinder und ihren Mann Heino, der ebenfalls für den Ortsrat Hellendorf kandidiert, geht mit diesem Familienzuwachs ein großer Wunsch in Erfüllung, denn die Familie hat für die Hobby-Politikerin einen großen Stellenwert. 1998 ist die gebürtige Essenerin mit ihrer Familie aus Freising in Bayern in die Wedemark gezogen. Grund war ein attraktives Job-Angebot für Heino Ruddat. „Wir hatten lange nach einem Haus gesucht und sind dann in Hellendorf im Postdamm fündig geworden. Das Haus, das Dr. Müller-Stephan gebaut hat, gefiel uns auf Anhieb und war genau richtig für unsere damals zwölf, elf und ein Jahr alten Kinder“, erzählt Ute Ruddat.
Ute Ruddat ist seit Jahren dabei
Heute ist nur noch der „Kleine“ mit mittlerweile 14 Jahren zu Hause, Ute Ruddat ist nicht mehr Vollzeitmutter, sondern arbeitet Teilzeit im Büro der Firma Jesco und hat jetzt auch ein wenig mehr Zeit für die Politik. Und so folgte sie dem Ruf ihrer Partei, als Ortsbürgermeisterkandidatin anzutreten. Langjährige Ortsratserfahrung hat sie ja bereits. Nachdem sie und ihr Mann bereits in Bayern für die Sozialdemokraten engagiert waren, schlossen sie sich hier gleich der SPD Wedemark an und Ute Ruddat kandidierte bereits 2001 das erste Mal. Für den Einzug in den Ortsrat reichte es nicht ganz, aber sie stand als Nachrückerin auf der Liste und zog 2004 für die ausscheidende Anna Tschiltschk in den Ortsrat ein. 2006 klappte es dann auf Anhieb und als jetzt Heiner Peterburs, der in den vergangenen Jahren der Ortsbürgermeisterkandidat seiner Partei war und seit vielen Jahren stellvertretender Ortsbürgermeister ist, auf Ortsratsebene seinen Rückzug ankündigte, stand Ute Ruddat in den Startlöchern. Sie freut sich, dass der Ortsrat Hellendorf unter starker Mitwirkung der SPD in der letzten Periode das neue Gebäude für den Hort durchsetzen konnte. Ruddat, die auch im Gemeindeelternbeirat der Kindertagesstätten mitarbeitet, legt großen Wert auf die Kinderbetreuung. Das Engagement für den Radweg an der L 190 sei in der Vergangenheit noch nicht mit so viel Erfolg gekrönt gewesen, „doch da muss jetzt dringend was passieren. Richtung Bissendorf ist der Radweg wunderschön ausgebaut worden, aber für uns Hellendorfer, die in Richtung Elze radeln wollen, haben sie kein Geld mehr. Das geht so nicht“, findet die engagierte SPD-Frau.
Örtliche Vereine fördern
Sie will außerdem weiterhin die örtlichen Vereine fördern, das Schul- und Bildungsangebot erhalten und Hellendorf weiter für junge Familien attraktiv machen, denn nur wenn genügend Nachwuchs da ist, können Kindergarten, Schule und Hort gesichert werden. Dabei dürfe man aber nicht außer Acht lassen, dass Bauland in Hellendorf ganz behutsam entwickelt werden müsse. „Der Ortsrat hat in der Vergangenheit gezeigt, was er erreichen kann und so machen wir weiter“, so Ruddat und verweist auf die 30er Zone am Sommerbosteler Weg, oder die Sanierung des Vorplatzes der Friedhofskapelle. Der SPD sei der Kontakt mit den Bürgern ganz wichtig betont sie. Im Ortsrat solle umgesetzt werden, was die Bürger an Anliegen hätten. Der bietet die SPD Hellendorf auch einmal im Monat ein Dorf-Gespräch im Gasthaus Karsten-Meier an, bei dem alle Bürger ihre Sorgen und Nöte zu Gehör bringen können. Die repräsentativen Aufgaben, die zu einem Ortsbürgermeisteramt gehören, würden ihr viel Spaß machen, ist Ute Ruddat überzeugt: „Ich gehe gerne auf Leute zu“, meint sie und beschreibt sich nach kurzem Nachdenken als den „diplomatischen, überlegten Typ Kommunalpolitiker, der mit Ruhe, aber konsequent seine Ziele verfolgt und durchsetzt. Privat segelt die SPD-Politkerin gerne mit ihrem Boot auf dem Steinhuder Meer und sie schwimmt auch gerne, wenn sie Zeit dazu findet. Aber wie bereits erwähnt, zurzeit hat das Enkelkind erst einmal Vorrang vor allen Hobbys!