„Parteien sollten für den Ort kooperieren“

SPD-Ortsbürgermeisterkandidat Jörg Woldenga dreht in seiner Freizeit gerne mal eine Runde auf seiner Yamaha. Foto: A. Wiese
 
CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Gerd Kaufmann ist passionierter Tomatenzüchter und stolz auf seine wohlschmeckenden Tomaten. Foto: A. Wiese

Jörg Woldenga (SPD) und Gerd Kaufmann (CDU) stellen das Dorf Resse ganz vorne an

Resse (awi). Eine interessante Konstellation findet sich in Resse. Hier hat die SPD die Mehrheit und Ortsbürgermeister Jörg Woldenga kandidiert für die SPD erneut für dieses Amt – mit einem engagierten Team hinter sich. Für die CDU tritt Gerd Kaufmann an – ein neuer Ortsbürgermeisterkandidat mit einer neuen Mannschaft. Beide Ortsbürgermeisterkandidaten sprechen sich für eine gute Zusammenarbeit aus, beide wollen für ihr Dorf Resse das Bestmögliche erreichen.
Jörg Woldenga (52) lebt seit 1988 in Resse. Der gebürtige Hannoveraner besuchte die Realschule in Seelze, absolvierte eine Ausbildung als Indus-triekaufmann und kam über verschiedene berufliche Stationen schließlich nach Braunschweig. Dennoch war der Wunschwohnort von ihm und seiner Frau Kerstin, die aus Resse stammt, Resse. Hier hatten sich beide auch kennengelernt, denn Jörg Woldengas Onkel und Tante lebten hier. Die Familie kaufte also 1988 ein Haus, die mittlerweile erwachsenen Kinder wuchsen hier auf und wohnen heute noch zu Hause. Woldenga, der lange selbstständig in der Sanitärbranche war, arbeitet seit 2007 wieder als Angestellter. Die berufliche Situation war auch der Grund, warum er 2010 sein Gemeinderatsmandat aufgab. Der Ortsratspolitik widmet sich der Ortsbürgermeister jedoch mit umso größerer Intensität, gab es doch gerade in der zu Ende gehenden Periode für Resse eine ganze Menge zu organisieren und zu regeln.
Woldenga ist bereits 1977 in Seelze in die SPD eingetreten, war mehrfach Vorsitzender der SPD-Abteilung und kandidierte 1996 erstmals für den Ortsrat. Von 1996 bis 2001 war er stellvertretender Ortsbürgermeister, von 2001 bis 2006 einfaches Ortsratsmitglied und trat 2006 als Ortsbürgermeisterkandidat an. Das Wahlergebnis bescherte der SPD die Mehrheit der Mandate im Ortsrat, Jörg Woldenga wurde von den SPD-Vertretern und zwei CDU-Vertretern zum Ortsbürgermeister gewählt und hat seit fünf Jahren viel Spaß an diesem Amt. Auf die neue Konstellation im Ortsrat ist er sehr gespannt. „Wir von der SPD verstehen uns als Team, unsere Kandidaten sind weitgehend identisch mit denen vor fünf Jahren.“ Ganz eng sei in der zurückliegenden Periode die Zusammenarbeit des Ortsrates mit dem Verein „Bürger für Resse“ gewesen. „Der Ortsrat Resse hat viel erreicht beziehungsweise beigetragen“, freut sich Woldenga und verweist auf den von der Genossenschaft initiierten neuen Lebensmittelmarkt, die Jugendtreff, die Tempo-30-Zonen im Ort und auch das MOORiZ, das der Ortsrat ebenfalls kräftig unterstützt habe. Der Stellenwert von Resse in der Region sei in den vergangenen Jahren kräftig aufgewertet worden und Resse sei in vielen Dingen Vorbild für andere Orte geworden. „Wir hatten sehr viele Termine mit anderen Ortsvertretern, wo Ortsrat und der Verein Bürger für Resse erklärt haben, wie sie es hier gemacht haben“, so Woldenga und fügt hinzu: „Die gesamte Konstellation ist ein Glücksfall. Wir haben immer direkten Zugriff auf den Bürgermeister. Tjark Bartels hat viel damit zutun, dass es mit dem Marktgrundstück geklappt hat, und das gleiche gilt für das Ärztehaus.“ Für die nächste Ortsratsperiode nennt Woldenga als Ziele der SPD die Entschärf-ung der Kreuzung an der L 380 am Markt, wo die SPD eine Ampellösung favorisiert, die Fortsetzung der Gestaltung des Dorfplatzes und das barrierefreie Wohnprojekt auf dem Nachbargrundstück des Marktes. Mit Baulandausweisungen solle die kontinuierliche Entwicklung des Ortes fortgesetzt werden. „Um eine Apotheke im Ort ansiedeln zu können, brauchen wir 3000 Bürger. Jetzt sind es 2600“, hofft Woldenga auf einen Einwohnerzuwachs. Zudem spricht er sich mit seinem Kandidatenteam für die Radwegverlängerung nach Wiechendorf und die Förderung des Tourismus aus. Das MOORiZ werde viel dazu beitragen. „Wir haben sogar schon einen Fahrradverleih mit einem Verleiher aus Engelbostel organisiert, der am nächsten Wochenende das erste Mal praktiziert wird“, freut sich Woldenga. Dass dem SPD-Ortsbürgermeisterkandidaten neben beruflichem und politischem Engagment nicht mehr allzu viele freie Zeit bleibt, zeichnet sich bereits ab.
Dennoch fährt Woldenga leidenschaftlich gerne Fahrrad, Inliner und Motorrad, verfolgt die sportlichen Aktivitäten seiner Kinder als begeisterter Zuschauer, ist im Schützenverein aktiv und macht alles Handwerkliche im Haus selbst. Und dann gibt es da noch einen Verein im Süntel, der als ehemaliger Ableger der NaturFreunde ein großes Grundstück im Süntel pflegt. „In diesem Verein war schon mein Großvater aktiv und mir macht der Einsatz im Süntel ebenfalls großen Spaß“, verrät Woldenga.
Sein Herausforderer Gerd Kaufmann (64) tritt für die CDU als Ortsbürgermeisterkandidat an. Auch Kaufmann ist seit vielen Jahren Resser und eng mit dem Ort verwachsen. Geboren in Berln, 1956 mit den Eltern und dem Bruder nach Westdeutschland geflüchtet besuchte er Grundschule und Gymnasium in Osna-brück, absolvierte hier seine Lehre als Industriekaufmann und lernte seine Frau Antje dort kennen. Nach der Hochzeit 1973 führte das Ehepaar 13 Jahre lang ein aufregendes Nomadenleben: von 1973 bis 1975 arbeitete der auf den Export konzentrierte Kaufmann in Nigeria, anschließend elf Jahre lang in Indonesien, wo er dieKabelmetal-Vertretung leitete. 1986 kehrte das Ehepaar nach Deutschland zurück und hatte es zunächst nicht leicht, sich wieder in der alten Heimat einzuleben. „Alle dachten hier so anders, regten sich über Spritpreise oder das Wetter auf. Wir hatten in Indonesien ganz andere Probleme kennengelernt“, erzählt Gerd Kaufmann. Nach fünf Jahren in Meyenfeld entschloss sich der damalige Exportleiter und Direktor bei Kabelmetal in Hannover, ein eigenes Haus zu bauen und suchte sich Resse dafür als Standort aus, eine Entscheidung, die das Ehepaar Kaufmannn nie bereut habe. 1998 gründete Gerd Kaufmann hier seine eigene Exportfirma, die ihn beruflich nach wie vor sehr fordert. Dennoch setzte er sich mit seinem Umzug 1991 sofort für den Ort ein, arbeitete in der Fluglärmkommission mit, initiierte die Bürgerinitiative gegen Fluglärm und trat noch 1991 in die CDU ein, die traditionell den Sitz in der Lärmschutzkommission inne hatte, den Kaufmann übernahm. „Der Einsatz hat sich gelohnt, die Abflugschneise über Resse wurde verlegt“, freut sich der CDU-Ortsbürgermeisterkandidat. In der CDU war er von 2002 bis 2006 Schatzmeister und leitet seit 2006 den Ortsverband. 2006 war er Gründungsmitglied des Vereins Bürger für Resse und stellvertretender Vorsitzender bis März diesen Jahres. Bereits 2001 kandidierte Kaufmann erstmals für den Ortsrat, 2006 für Ortsrat- und Gemeinderat, dem er als Nachrücker für den verstorbenen Ludwig Brüggemann jetzt noch für eine Sitzung angehören wird. Der begeis-terte Sportler, der besonders die Ballspielarten liebt, Tennis im TCR gespielt hat und immer noch gerne golft, und sämtliche Resser Vereine in irgendeiner Form unterstützt, hat sich zusammen mit den anderen CDU-Kandidaten für Resse einiges vorgenommen: Von der Radwegverlängerung nach Wiechendorf, über eine bessere Busanbindung, ein wöchentliches Bürgertelefon und eine Verbesserung des Winterdienstes strebt Kaufmann Straßenerneuerungen, behindertengerecht Bürgersteige an den Straßenübergängen und die Erschließung weiterer Bauflächen an.
Mit der SPD strebt er eine gute Zusammenarbeit an, obwohl ihn deren Wahlwerbung irritiert habe. „Es ist nicht ganz korrekt, sich mit fremden Federn zu schmücken und die Erfolge des Vereins Bürger für Resse für sich zu verbuchen“, spielt Kaufmann auf den Flyer der Resser SPD an. Wenn dem CDU-Kandidaten neben seinen vielen Aktivitäten noch ein bischen Zeit bleibt, verbringt er die mit Gartenarbeit. Sein Garten ist ein echtes Schmuckstück mit vielen exotischen Pflanzen, insbesondere auch selbst gezüchteten südafrikanischen Tomaten. Außerdem gehören Reisen nach Asien und Afrika zu Gerd Kaufmanns Hobbys, der fließend Englisch und Indonesisch spricht.