Persönlicher Austausch im Angehörigencafé

Fröhliche Stimmung beim Kaffeetrinken.
 
Mitarbeiter des Pflegedienstes und Angehörige mit zu pflegenden Personen haben zu einem vertrauensvollen Miteinander gefunden. Das Angehörigencafé bietet ihnen Gelegenheit, sich auszutauschen.

Ambulanter Pflegedienst richtet Anlaufstelle für Angehörige von pflegebedürftigen Personen ein

Wedemark. Als ambulanter Pflegedienst ist die tägliche Arbeit in der Häuslichkeit der Patienten eng mit den pflegenden Angehörigen verbunden. Oft sind pflegerische und menschliche Problemsituationen für die Angehörigen eine kaum zu bewältigende Aufgabe, bei der sie wenig Unterstützung in unserem Gesundheitssystem erhalten, gibt Kai Dase zu bedenken. Um dieser Problemstellung Rechnung zu tragen, hat der Pflegedienst Caspar & Dase seit Februar diesen Jahres ein monatlich stattfindendes Angehörigencafe eingerichtet. Hier stehen die Angehörigen mit allen ihren Problemen in Bezug auf Pflege im Mittelpunkt.
Sehr persönliche Themen
Da es auch viele Angehörige gibt, die durch langjährige Pflegeübernahme zu „Profis“ in Bereichen wie Pflege, Alltagshilfen, Umgang mit Anträgen und Unterstützungsleistungen und praktisch auftretenden Alltagsproblemen geworden sind, möchte der Pflegedienst im Angehörigencafe auch für die Weitergabe dieses Wissens eine Plattform bieten. „Durch die direkte Kommunikation zwischen betroffenen Angehörigen kann dieser Wissensfundus genutzt werden, um anderen den Umgang mit einer Pflegesituation zu erleichtern“, gibt Kai Dase zu bedenken. Die Größe der Gruppe sollte zwölf Personen nicht überschreiten, damit hier ein Austausch von Erfahrungen und Problemen möglich ist. Da es sich oft um sehr persönliche Themen handele, sei eine vertrauensvolle Öffnung eher in einer überschaubaren vertrauten Runde möglich, wissen die Profis vom Pflegepersonal. Bei pflegenden Angehörigen handele es sich meist sowohl um Ehepartner als auch um Kinder. Aufgrund der durch die unterschiedlichen Rollen entstehenden Probleme sei es sinnvoll, diese Gruppen möglichst homogen zusammenzufassen. Daher sind zeitlich unterschiedliche Angebote dabei.
Veranstaltungsort sind die Räumlichkeiten des Pflegediens-tes Caspar & Dase in der Industriestraße 40 in Mellendorf. Hier gibt es einen passenden Raum, eine Küche und die Möglichkeit, bestimmte Hilfsmittel zu erklären und vorzuführen. Das Cafe findet an jedem ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr statt und ist natürlich für alle interessierten Angehörigen zu pflegender Personen offen und nicht nur für Kunden. Zwei Veranstaltungen hat es bereits gegeben. Nächster Termin ist am 2. Mai. Durch das Angebot zu unterschiedlichen Tageszeiten, ist es möglich, auch berufstätige Angehörige mit einzubinden. Die Veranstaltung soll in erster Linie eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bieten. Da die Gemeinsamkeit der Teilnehmer vor allem im Bereich häuslicher Pflege liegt, geht es vor allem um Fragen und Erfahrungen, die dieses Thema betreffen. Eine fachliche Begleitung erfolgt durch eine Pflegefachkraft. Auf Wunsch der Teilnehmer können auch pflegerische Themen aufgegriffen und vertieft werden. Wenn es zu speziellen Themen notwendig ist, werden Fachleute eingeladen. Auch eine Kooperation mit einem Seelsorger wird angestrebt. Die Themenschwerpunkte richten sich nach dem jeweiligen Bedarf der Gruppe und müssen der aktuellen Pflegesituation zuhause angepasst werden. Deshalb gibt es keinen vorgegebenen, sondern einen flexiblen und situationsangepassten Veranstaltungsplan. Bei der inhaltlichen Gestaltung wird viel Wert darauf gelegt, dass die pflegenden Angehörigen mit langjähriger Pflegeerfahrung die Runde mit ihren Erfahrungen bereichern. So kann es zu einem Austausch auf Augenhöhe kommen und manche Tipps können von den „Pflegeprofis“ als praktisch gut anwendbar und im Alltag erprobt weitergegeben werden. Konflikte und Problemsituationen in der häuslichen Pflege können deutlich entschärft werden. Allein das Wissen, dass auch andere Angehörige mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben, erleichtert manche Situation. Durch den Erfahrungsaustausch kommt es zu neuen Lösungswegen oder einfach zu einer Sensibilisierung für bestimmte Situationen. Die häusliche Pflege wird nicht mehr als so belastend empfunden. Die Konflikte mit dem Pflegepersonal, was täglich vor Ort ist, können minimiert werden. Wertschätzung ist auch für Angehörige eine wichtige Motivation. Die Gewissheit, ernst genommen zu werden und gleichzeitig eine Anlaufstelle zu haben, wo individuelle Probleme besprochen werden können, gibt Sicherheit und Vertrauen. Manche Dinge sind leichter zu lösen, wenn man sich dem Umfeld und den Verflechtungen in der eigenen Familie entzieht und mit Außenstehenden darüber spricht. Besonders sei hier die Wertschätzung der langjährig pflegenden Angehörigen hervorgehoben. Sie haben sich oft im Laufe der Pflegesituation zu Spezialisten für viele Alltagsprobleme entwickelt und können hier ihre Erfahrungen und ihr Wissen an andere Menschen in ähnlichen Situationen weitergeben. Im Austausch mit anderen kann dies den Selbstwert steigern und bewusst machen, wie viel man eigentlich bereits geleistet hat. Für die Gruppe ist es eine Bereicherung und auch eine Motivation, zu erleben, wie diese Menschen mit den Schwierigkeiten der Pflegesituation umgehen und welche individuellen Lösungsmöglichkeiten bereits gefunden wurden.
Vernetzung untereinander
Die Kontakte, die in einer Angehörigengruppe geknüpft werden, lassen sich auch zu einer Vernetzung untereinander nutzen. Somit stellt die Gruppe auch eine Möglichkeit dar, sich untereinander zu unterstützen. Inwieweit dies gelingt, ist allerdings sehr von den einzelnen Gruppenmitgliedern, ihrer persönlichen Situation und Motivation abhängig und kann von der durchführenden Pflegekraft nur unterstützt und angeregt werden.
Der persönliche Kontakt mit den Mitarbeitern und die Wertschätzung, die Angehörige dadurch erfahren, fördern die Identifikation mit dem Pflegedienst. Aus den Gruppen lassen sich auch Ehrenamtliche gewinnen, die ihre Ressourcen in verschiedenen Bereichen auch für andere Patienten einbringen.