Pilotprojekt Lolli-Tests in der Krippe

Die pädagogische Leiterin der Krippe Haus am Teich, Iris Eppert (links), und Emily Hildmann, duale Studentin der sozialen Arbeit, zeichnen für das Pilotprojekt Coronatests bei Krippenkindern verantwortlich.Foto: A. Wiese

Kinderfreunde gGmbH testet die Kleinsten ab Montag im Morgenkreis

Mellendorf (awi). Schnelltests können zur Begrenzung des Infektionsgeschehens in der Pandemie nur erfolgreich sein, wenn sie breit angelegt sind, sagt Tim Arndt-Sinner, Geschäftsführer de Kinderfreunde gGmbH. Logischerweise müssten daher auch die Krippenkinder getestet werden, um hier schnell reagieren und Infektionsketten unterbrechen zu können. Im Haus II der Krippe Haus am Teich startet daher am Montag ein Pilotprojekt: Lolli-Tests für Krippenkinder, und zwar nicht zuhause durch die Eltern, sondern als gemeinsames Zeremoniell im Morgenkreis der Kinder in der Notbetreuung an zwei Tagen in der Woche. Und zwar montags und mittwochs, das sind die Tage, an denen sich die Erzieherinnen auch selber testen.
Sollte wieder Szenario B greifen, würden alle Kinder getestet. Arndt-Sinner hat über die Kita-Info-App alle Eltern komplett abgefragt und um ihr Einverständnis gebeten. 98 Prozent hätten dieses erteilt, berichtet er im Gespräch mit dem Echo. Die Tests hat Arndt-Sinner bereits auf Kosten des Trägervereins besorgt. Rund fünf Euro kostet ein Test. „Das ist insgesamt eine Summe, die weh tut, aber bisher war bei uns niemand, der gesagt hat, dass er uns die Tests gibt oder bezahlt. Ich sehe da aber auch nicht die Gemeinde, sondern das Land in der Pflicht. Aber wenn die Kommune Verantwortung übernimmt und uns Tests zur Verfügung stellen würde, freuen wir uns auch“, stellt Arndt-Sinner fest. Die Krippe übermittelt ihre Zahlen direkt an das Robert-Koch-Institut, das bisher noch wenig bis gar keine Vergleichszahlen aus Krippen-Tests für seine Statistik habe und sich über diese Möglichkeit der Kooperation sehr freue, erklärt Iris Eppert, die den Kontakt hergestellt hat. Für sie und ihre Kolleginnen ist es keine Frage, dass die Testungen spielerisch in den Morgenkreis eingebunden werden.
„Die Eltern sind schon genug belastet“, so Eppert. Die jeweiligen Betreuungskräfte in den Gruppen sorgen dafür, dass die Kinder ihre Stäbchen unter der Zunge einspeicheln, Eppert und Hildmann übernehmen dann den Rest der Zeremonie. Wenn ein Test positiv ausfallen sollte, wird das betreffende Kind separiert, die Eltern informiert und um Abholung gebeten. Die Eltern müssen dann einen PCR-Test beim Hausarzt veranlassen. Im Prozedere selbst sieht Iris Eppert kein Problem: „Unsere Kleinen zahnen ja ständig, da ist genug Speichel vorhanden. Wir erzählen dabei eine Geschichte und zählen bis zehn, das haben die ganz schnell raus.“ Ein Vorteil der Lolli-Tests sei nicht nur die einfache Handhabung, sondern auch die höhere Sensivität als bei anderen Schnelltests. Die Lollitests im Haus II der Krippe Haus am Teich sind erst einmal als Pilotprojekt für vier Wochen angelegt. Dann wird ein Erfahrungsbericht erstellt. „Für uns ist es ein Erfolg, wenn die Kinder mitmachen und lernen, damit umzugehen und es wäre natürlich schön, wenn kein positiver Test dabei wäre“, meint Iris Eppert. „Ich möchte zeigen, dass man einen sicheren Betrieb bei hohen Inzidenzen umsetzen kann. Es gibt ja Konzepte, sie müssen nur erlaubt werden“, ergänzt Arndt-Sinner.
Der Regelbetrieb in der Kinderbetreuung müsse schnellstmöglich wieder möglich sein. Die Not der Eltern sei riesengroß. Er müsse 33 Prozent der Anmeldungen für die Notbetreuung absagen. „Da stehen Existenzen auf dem Spiel“, so Arndt-Sinner, der eine möglichst frühe Öffnung der Kitas unter kontrollierbaren Bedingungen befürwortet.