Pinke Zitronen in der Plattenkiste

Moderator Michael Thürnau (von links) begrüßte Martina Scheele, Mareike Bullerdiek und Nicola Jahnke-Sieche von den Pinken Zitronen in der NDR-1-Plattenkiste. Foto: NDR 1

Krebs-Selbsthilfegruppe stellt sich bei Michael Thürnau vor

Wedemark/Region. Viel zu erzählen gab es anlässlich der NDR-Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland - Hilfe für Krebskranke und ihre Familien im Norden" in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am Mittwoch zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Martina Scheele, Mareike Bullerdiek und Nicola Jahnke-Sieche mit Moderator Michael Thürnau über die Arbeit der Selbsthilfegruppe Pinke Zitronen, zu denen Frauen aus der gesamten Region gehören, von denen aber sehr viele aus der Wedemark kommen. Pink ist die internationale Farbe für Brustkrebs. "Know your lemons" - kenn deine Zitronen: So hat eine US-amerikanische Aktion für das Erkennen der eigenen Brust und deren Gesundheit geworben. So kam die Selbsthilfegruppe auch auf den Namen "Pinke Zitronen" bei der Gründung 2017 und trägt zwei pinkfarbene Zitronen im Logo. Es ging von Anfang an um jung erkrankte Frauen zwischen Anfang 20 und Mitte 50. Seither haben sich etwa 150 Frauen gemeldet, erzählt Nicola Jahnke-Sieche. Das Leben wird durch die Krebserkrankung auf den Kopf gestellt, sagt sie. Deshalb ist es ihr wichtig, für Prävention und Früherkennung mehr Informationen verbreiten. Sie hat festgestellt, dass sehr viele Frauen bemerken, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Auch sie hat selbst eine Veränderung festgestellt - und der Verdacht machte sie im ersten Moment fassungslos. Die Krankheit erwischt inzwischen jede 7. Frau, erklärt sie. Sie wurde zunächst vertröstet und nicht zur Mammografie geschickt, erst ein halbes Jahr später - da waren es bereits mehrere Tumore - kam sie in Behandlung. Auch nach viereinhalb Jahren ist es für sie noch nicht vorbei, sagt Nicola Jahnke-Sieche.
Mareike Bullerdiek sieht die Selbsthilfegruppe für sich als "Leben - lieben - lachen". Oft muss sie sich nicht besonders ausdrücken, um verstanden zu werden. Die Diagnose ist nicht schön, sagt sie, doch es gibt viele Wege, mit der Krankheit umzugehen. Sie möchte gern selbst ihr Leben bestimmen - dabei hilft es ihr, mit den Pinken Zitronen das Thema gemeinsam anzugehen und ihren eigenen Weg zu finden. Sie ist sportlich aktiv in der Drachenboot-Gruppe. Zwei Mal pro Woche wird trainiert, dazu kommen die Wettkämpfe. Das Training hilft bei ihr beim Lymphabfluss, erklärt sie und ergänzt: Sportmedizinier und neue Studien weisen darauf hin, dass Sport auch schützt.
Kassenwartin Martina Scheele ist ebenfalls in der Drachenboot-Gruppe. Als sie erstmals darauf angesprochen wurde, "ins Boot zu steigen", "gegen den Krebs" zu paddeln, war sie noch in der Chemo-Therapie und glaubte nicht, dass es ihr je gelingen würde. Bei Wettkämpfen sind sie im kleinen Boot zehn Paddlerinnen. Es macht Spaß und: Probleme werden am Ufer zurückgelassen, erklärt sie. Bei der offenen deutschen Meisterschaft in Schwerin 2018 hatten sie eine Sonderkategorie mit Booten mit Krebsbetroffenen antreten - und gewannen Gold. Auch bei Europa-Meisterschaften sind sie angereist und hatten großen Respekt vor anderen Mannschaften. Aber auch da waren sie sehr erfolgreich und gewannen auf den unterschiedlichen Distanzen. Kraft und Kondition, gleicher Rhythmus - das Gemeinsame im pinken Boot bringt die Frauen voran und hilft ihnen. Manchmal würde Martina Scheele gern auf dem Sofa bleiben, an einem grauen Novembertag beispielsweise, aber der Sport an der frischen Luft in der Gemeinschaft tut ihr gut und erhält sie gesund und senkt für sie auch das Rückfallrisiko.
"Das Leben geht weiter" - um Normalität im Alltag geht es Nicola Jahnke-Sieche. Dazu trägt die Zusammenarbeit in der SHG bei. Inzwischen hat sich auch eine Laufgruppe gefunden: Pink Runners. Sport hilft, lenkt ab, ist also für alle von Vorteil. Über Facebook, Instagram oder auch die eigene Webseite www.pinkezitronen.de kann sich jeder informieren. Die Resonanz ist groß - oft melden sich auch Frauen, die so den ersten Kontakt zum Verein finden. Wer für die Benefizaktion spenden möchte, kann dies tun auf das Spendenkonto bei der Bank für Sozialwirtschaft unter der IBAN DE 32 251 205 100 200 300 400.