Plätze, Straßen und Wege in der Wedemark

Sabine Lotz (l.) Wilhelm Lucka und Mona Achterberg lauschten interessiert dem Vortrag von Ursula Schwertmann (M.).

Wieviele Wege und Straßen brauchen wir - und was für welche?

Wedemark. Soll ein neuer Radweg durch den Wald oder besser an der Autostrasse entlang führen? Wann sollte er asphaltiert werden und wann aus Schotter gemacht sein? Diese Fragen wollten die Grünen der Wedemark gerne kompetent beantwortet haben. Am Donnerstag den 9. August kam die Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Wedemark, Ursula Schwertmann, zu einem Fachvortrag zu den Grünen: Auch Wege und Plätze können Raum zum Leben für Pflanzen und Tiere sein. Unbefestigte Wege sind wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Im Wald sind diese Wege beschattet und feucht, im Feld sind sie trocken, nährstoffarm und sonnig. Die trockenen Wege werden zum Beispiel von Sandlaufkäfern und Wildbienen genutzt, Zauneidechsen legen ihre Eier an deren Rand ab, Vögel trinken und baden in entstehenden Pfützen. Auch Plätze, wie zum Beispiel der unbefestigte Parkplatz im Forst Rundhorn, bieten Lebensraum: Eine Schlingnatter nutzt ihn als Brutplatz, Niederwild, wie das Rebhuhn suchen solch freie Areale. Und viele Wildpflanzen brauchen genau diese Bedingungen; die Heide zum Beispiel, auch die Heidenelke, die Wildblume des Jahres 2012, ebenfalls der Stendelwurz, eine heimische Orchideenart. Hochbelastbare Asphaltwege sind uns allen vertraut, und ihre Vorteile sind uns bekannt, aber sie haben auch Nachteile. Sie bedeuten Lebensraumverlust und Lebensraumzerschneidung. Durch Asphaltierungen werden Baumwurzeln verletzt, aber Baumwurzeln können auch diese Wege gravierend verletzen und auch Frost setzt ihnen zu. "Wann soll es denn ein Asphaltweg und wann ein unbefestigter Weg sein?" wollte Mona Achterberg wissen. Im Waldgesetz steht wie ein Weg zweckmäßig gemacht werden soll, und für Waldinnenwege gibt es den sogenannten LOEWE-Erlass. Das Naturschutzgesetz benennt entsprechend befestigte Wege mit Wertigkeiten. 0 = versiegelte Fläche, 1 = z.B. Acker, 2 = Schotterweg, 3-4 = z.B. Waldweg, 5 = z.B. Kieferwald.
Genau wie beim Gebäudebau, gibt es auch für den Straßen- und Wegebau die Pflicht zum Naturwertausgleich. Aus dem Produkt versiegelte Fläche X Wertfaktor ergibt sich dann die auszugleichende Fläche. Ausgleichsflächen werden wertmäßig definiert, sie werden von Landwirten und auch von Privatpersonen durch die Gemeinde gekauft, sie werden vorgehalten, um schneller Baumaßnahemen genehmigen zu können. Sie werden mit speziellen Pflegeauflagen an Landwirte verpachtet. Ausgleichsflächen werden auch aufgeforstet, es werden auf ihnen Hecken angelegt, Obstbäume gepflanzt etc. Auch werden Ausgleichsflächen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten gestaltet: Für die bedrohte Feldlärche, das Rebhuhn und den Eisvogel zum Beispiel. In Gailhof gibt es ein Areal für den Eisvogel (hinter der Tankstelle), das vom Natruschutzbund mit ausführlichen Erläuterungen versehen worden ist. Ein Kataster der Ausgleichsflächen befindet sich im Bauhof der Gemeinde. Wichtig für die Natur ist es, Biotope zu vernetzen. Straßen, Wege und Plätze sollten Naturräume nicht zerschneiden. Um all das einmal anschauen zu können wird Frau Schwertmann noch im September eine Radtour anbieten. Alle interessierten BürgerInnen der Wedemark sind herzlich eingeladen mitzukommen. Der Termin wird noch bekannt gegeben.