Polizei spricht gezielt Senioren an

Mit einer konzertierten Aktion haben Mellendorfs Kommissariatsleiter Jochen Sachweh (rechts) und sein Leiter Einsatz- und Streifendienst, Peter Trinks (Zweiter von links) auch auf dem Bissendorfer Landmarkt im Rahmen der Prävention Senioren auf den Trick „Anruf falscher Polizeibeamter“ angesprochen. Foto: A. Wiese

„Die Polizei verlangt niemals die Herausgabe Ihrer Wertsachen“

Wedemark (awi). Eine große Resonanz haben die von Beamten des Polizeikommissariats Mellendorf in der vergangenen Woche auf ihre Aktionen zum Thema „Anruf falscher Polizeibeamter“ erfahren. Am vergangenen Dienstag waren insgesamt sechs Beamte vor fünf Supermärkten in fünf verschiedenen Dörfern der Wedemark im Einsatz. Am Donnerstag beteiligten sich der Leiter des Polizeikommissariats Mellendorf, Jochen Sachweh, sein Leiter Einsatz- und Streifendienst, Peter Trinks, und der Kontaktbeamte Andreas Kremrich auf dem Wochenmarkt in Bissendorf an dem Einsatz. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche an den sechs Örtlichkeiten 210 Bürgergespräche geführt und zahlreiches Infomaterial ausgehändigt, so Kriminalermittlungsdienstleiter Kai-Uwe Bebensee. Dabei konnte festgestellt werden, dass das Interesse an dem Thema nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe der Senioren, sondern auch bei jüngeren Familienangehörigen sehr groß ist. Auch wenn ein zahlenmäßiger Erfolg bei derartigen Präventionsmaßnahmen nicht messbar ist, bewertet die Mellendorfer Polizei die durchgeführte Aktion durchaus als Erfolg und hofft einige potenzielle Opfer sensibilisiert zu haben. „Auf den Enkeltrick bin ich schon mal reingefallen, aber nach dem Gespräch habe ich dann doch Zweifel bekommen und meine Tochter angerufen, wobei sich schnell herausstellte, dass das zuvor am Telefon nicht mein Enkel gewesen ist“, berichetet eine ältere Dame ein wenig beschämt Kommissariatsleiter Jochen Sachweh. Aber der beruhigt sie: „Das braucht Ihnen nicht peinlich zu sein. Die Tätergruppe ist psychologisch geschult und geht äußerst geschickt vor. Da lässt man sich ganz leicht in ein Gespräch verwickeln.“ Und das gilt auch für den aktuellen Trick, mit dem die Täter unterwegs sind und leider bereits einige Senioren in der Region um ihr Erspartes gebracht haben: Sie suchen sich die Telefonnummer offensichtlich älterer Mitbürger aus dem Telefonbuch heraus, rufen sie an und geben sich als Polizeibeamte aus. Oft erscheine sogar die Nummer 110 im Display, so Jochen Sachweh, doch kein Polizist rufe irgendjemanden über die Notrufnummer an. Und niemals würde die Polizei Bürger zur Übergabe ihrer Wertsachen auffordern. „Oft ist die Masche der Betrüger, dass sie sich als Polizisten ausgeben und berichten Mitglieder einer Bande von Einbrechern seien festgenommen worden. Bei diesen habe man eine Lis-te mit Namen und Adressen gefunden, wo Einbrüche geplant seien oder vielleicht sogar schon stattgefunden hätten. Sie fordern die Senioren auf nachzusehen, ob ihre Wertsachen noch da seien und warnen davor, dass die noch flüchtigen Täter planen könnten, bei dem Betreffenden einzubrechen. Daher solle dieser doch seine Wertsachen lieber der Polizei übergeben. „Wenn Sie so einen Anruf bekommen, legen Sie am besten sofort auf!“, rät Jochen Sachweh seinen Gesprächspartnern und er empfiehlt ihnen, ihren Telefonbucheintrag mit der Festnetznummer löschen zu lassen. „Die Täter sehen an den Namen, ob es sich um ältere Leute handelt und sie können durch den Anruf abchecken, ob derjenige zu Hause ist. Die passende Adresse stehe meist auch noch im Telefonbuch.
Wer noch Flyer und anderes Informationsmaterial benötigt, bekommt dies auch im Polizeikommissariat an der Wedemarkstraße, unter anderem auch eine Karte mit der Telefonnummer des örtlichen Polizeireviers.