Premiere für den neuen Ortsrat an der Wietze

CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Daniel Leide genießt es, die Familienpferde in Bissendorf-Wietze am Haus halten zu können. Foto: A. Wiese
 
SPD-Bürgermeisterkandidat Florian Beier findet den Ausgleich zu Beruf und Politik am Klavier. Er liebt die Musik, hat aber auch viele andere Hobbys. Foto: A. Wiese

Daniel Leide und Florian Beier möchten beide etwas bewegen

Bissendorf/Wietze (awi). Diese Situation ist seit der Gebietsreform 1974 ein Novum in der Wedemark: Ein Ortsrat wird zum ersten Mal gewählt. Der eigenständige Ortsrat Bissendorf/Wietze resultiert aus dem Ergebnis einer Bürgerumfrage und wird von den Einwohnern von Bissendorf/Wietze (vorher Ortsrat Bissendorf) und Wennebostel/Wietze (vorher Ortsrat Wennebostel) gewählt. Es treten jeweils vier Kandidaten von CDU und SPD, zwei Grüne und zwölf von der Wählervereinigung „Bürger für die Wietze" an. Jedoch haben nur CDU und SPD einen Ortsratskandidaten benannt. Sowohl die Grünen als auch die zahlenmäßig stärkste Kandidatengruppe der BfW haben darauf ausdrücklich verzichtet. Daher stellt das ECHO an dieser Stelle den CDU-Ortsbürgermeisterkandidaten Daniel Leide und den SPD-Ortsbürgermeisterkandidaten Florian Beier vor, obwohl die gerade die Kandidatenkonstellation in Bissendorf-Wietze auch ein ganz anderes Ergebnis hervorbringen könnte.
CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Daniel Leide (42) ist in Gailhof aufgewachsen, hat die Grundschule und die Realschule in Mellendorf besucht, hat eine Lehre als Bauzeichner und die zehnte Klasse an einer Fachschule in Hannover absolviert, an der Fachoberschule die Fachhochschulreife erworben und ein Jahr seinen Wehrdienst abgeleistet. Nach dem Studium in Hildesheim trat er im Jahr 2000 in den elterlichen Tiefbaubetrieb in Kaltenweide ein, der auch in Bissendorf ein Gewerbeobjekt hat, und ist heute Geschäftsführer der Baufirma. Das politische Interesse war bei Daniel Leide – sicherlich auch durch das Engagement der Eltern – schon früh ausgeprägt. Mit 14 Jahren trat er in die Junge Union ein, engagierte sich auch im Vorstand und wurde mit 18 Jahren CDU-Mitglied. Mit 18 Jahren übernahm Leide die Leitung der Jugendfeuerwehr Gailhof und behielt sie 16 Jahre lang. Natürlich war er selbst daneben auch in der Feuerwehr Gailhof aktiv.
1991 kam er durch seine Frau nach Bissendorf/Wietze, hat jedoch den Kontakt zu Gailhof nie verloren. So ist er beispielsweise immer noch Mitglied im Gailhofer Schützenverein, da Bissendorf-Wietze keinen eigenen Schützenverein hat. Diese Ortsverbundenheit hat ihn geprägt und sein Ziel ist es, auch in Bissendorf/Wietze eine solche Dorfgemeinschaft zum Leben zu erwecken. „Dafür muss die Infrastruktur des Dorfes überarbeitet werden und vorsichtig über die Bauleitplanung diskutiert werden, wir müssen innerörtliche Verbindungswege schaffen, zum Beispiel vom Wietzestrand zum Natelsheideweg oder vom Blumenweg zur Wietzeaue", meint Daniel Leide. Ein Dorfmittelpunkt würde den Bürgern bei der Identifizierung mit ihrem Wohnort helfen, er sollte auf jeden Fall kirchennah sein, findet Leide. Ausgebaut werden könnte der Spielplatz in der Nähe der Kirche, auf dem es bisher nur wenige Spielgeräte gibt. „Diesen Platz könnte man aufwerten", ist der CDU-Ortsbürgermeisterkandidat überzeugt. Auf jeden Fall sei es wichtig, den Lebensmittelmarkt im Ort zu erhalten. Am besten wäre es, meint Leide, wenn Frau Kärgel einen Nachfolger finden würde. Wäre das aber nicht der Fall müsse frühzeitig mit Hilfe der Bauleitplanung ein möglicher Standort für einen Lebensmittelmarkt im Ort gesichert werden, beispielsweise auf der Wiese zwischen dem Markt Kärgel und der Wietze. „Selbstverständlich nur in Rücksprache mit Frau Kärgel", betont Leide ausdrücklich. Ob ein solcher Markt nach dem Brelinger Modell oder genossenschaftlich wie in Resse umgesetzt werden könnte, das zu klären, sei die Aufgabe des neuen Ortsrates. Dieser müssen einen solchen Markt in den nächsten Jahren nicht verwirklichen, aber zumindest die Möglichkeiten dafür schaffen. „Dabei ist uns von der CDU bewusst, dass der Ortsrat keine eigenen Mittel für solch ein Vorhaben hat, wir können nur unser Mitspracherecht nutzen, aber nichts entscheiden", weiß Leide. Ihm ist es wichtig, den Bürgern klar zu erläutern, welche Möglichkeiten ein Ortsrat überhaupt hat, dass er zwar Informationen zu einem Thema wie Lärmschutzwand beschaffen und Info-Veranstaltungen organisieren, aber ein solches Vorhaben nicht beschließen kann. Das gleiche gelte für Baumschutzmaßnahmen: „Wir können eine gültige Satzung im Ortsrat nicht abschaffen oder verschärfen, aber eine Überarbeitung anregen und zum Beispiel kontrolliertere Ersatzpflanzungen fordern", so Leide.
„Der eigene Ortsrat ist eine Chance für Bissendorf/Wietze", ist der verheiratete Vater zweier Kinder überzeugt: „Eine Chance, eine eigene Identität zu finden." Leide würde als Ortsbürgermeister gerne Veranstaltungen wie eine Fahrt oder eine eigene Weihnachtsfeer für Senioren an der Wietze organisieren, erkennt aber auch an, „dass die Wietzegemeinschaft da schon sehr viel versucht". Hobbys des CDU-Ortsbürgermeisterkandidaten sind seine Familie, Fitnesse, das Versorgen der eigenen Pferde am Haus, einmal im Jahr Familienurlaub mit Pferden und Segeln.
SPD-Ortsbürgermeisterkandidat Florian Beier (47) ist gebürtiger Hannoveraner und in Leinhausen und Vinnhorst aufgewachsen. Nach Bissendorf-Wietze zog er erst 1997, doch der Ort und das Grundstück Am Schafsteg, auf dem die Familie ihr Haus gebaut hat, ist ihm von Kindheit an vertraut. Denn sein Großvater kaufte das idyllische Stück Land als Wochenendgrundstück, das kleine Holzhäuschen, in dem sich die Familie erholte, steht heute noch.
Florian Beier studierte Elektrotechnik an der Fachhochschule in Lippe und arbeitete 13 Jahre lang als Elektroingenieur. Dann wurde der Wunsch, noch einmal etwas anderes zu machen, übermächtig. Im Jahr 2000 begann er ein Zweitstudium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen und nahm als zweites Unterrichtsfach zur Elektrotechnik die Politik dazu. 2004 kam er als Referendar an die Berufsbildenden Schulen in Neustadt am Rübenberge und wurde nach Abschluss der Referendariatszeit mit einer Vollzeitstelle übernommen. Mit der Politik kam er verheiratete Vater zweier elf und 14 Jahre alten Töchter während seines zweiten Studiums durch die Wahl des zweiten Unterrichtsfachs verstärkt in Berührung. Nach einem Seminar über die SPD beschloss Beier, „dass es unglaubwürdig ist, wenn man predigt, man müsse sich engagieren und es selber nicht tut". 2004 trat er die Partei ein, war lange Beisitzer im Ortsverein und ist im Vorstand der SPD-Abteilung Bissendorf. Bereits 2006 kandidierte er für Orts- und Gemeinderat. Als jetzt für den neuen Ortsrat Bissendorf/Wietze ein Ortsbürgermeisterkandidat gesucht wurde, fiel die Wahl der Genossen schnell auf ihn. „Die SPD-Abteilung Bissendorf hat bereits eine Menge für die Wietze erreicht, eine Trennung ist da schwierig", findet Beier. „Für uns war immer sehr wichtig, dass der Transport der Schüler gewährleistet ist. Das haben wir erreicht. Natürlich wünschen auch wir uns Lärmschutz. Wir würden uns aber auch einen sicheren Fußweg von Bissendorf/Wietze nach Bissendorf wünschen. Der Isernhägener Damm ist viel zu viel befahren, um diese Funktion zu erfüllen. Eine Trasse für einen solchen Weg hat die SPD schon im Auge." Außerdem könnte sich Beier vorstellen, durch eine zweiten Wietzebrücke einen attraktiven Rundweg für die vielen Hundespaziergänger zu schaffen. Und er würde gerne Am Schafsteg eine Spielstraße durchsetzen, um den Kindern die Chance zum Rollschuhfahren, Straßenmalen und anderen Aktivitäten zu geben. „So etwas kostet fast nichts und der Freizeitwert" ist sehr hoch!“, meint der SPD-Ortsbürgermeisterkandidat. Natürlich müsse Bissendorf/Wietze als Waldsiedlung erhalten bleiben. „Eine weitere Zersiedelung würde das zerstören", ist Beier überzeugt. Verkehrsmäßig sei im Dorf bereits die Kapazitätsgrenze erreicht. Er spricht sich daher zwar für Baulückenbebauung, aber nicht für neue Baugebiete aus. Hobbys des SPD-Kandidaten sind die Tierhaltung – Hühner, Pferde, Hund und Katzen tummeln sich auf seinem Grundstück, den Hühnerstall hat er selbst gebaut –, aber er musiziert auch gerne am Klaiver und ist leidenschaftlicher Elektronikbastler. Über die gute Resonanz auf die Einladung zur SPD-Radtour letzten Samstag hat er sich sehr gefreut und gespannt blickt er den Gesprächen an den SPD-Infoständen bei Krägel am 27. August, 3. und 10. September entgegen. „Ich bin guter Hoffnung, dass uns allen, die wir für den neuen Ortsrat antreten, eine konstruktive Zusammenarbeit zugunsten unseres Ortes gelingt", meint Florian Beier.