Premiere für Theatertage Wedemark

Bundesministerium fördert das Projekt mit knapp 100.000 Euro

Elze (awi). Es brauchte einen zweiten Anlauf, aber dafür werden die Theatertage Wedemark vom 14. Juni bis 6. Juli jetzt auch etwas ganz Besonderes: Drei Jahre lang wird es Kultur in Form von Theater in der Wedemark jetzt nicht mehr als Abo-Veranstaltung, sondern komprimiert als Festival geben – an ausgewählten Orten mit der Pfarrscheune Elze als Basiszentrum. Das gaben die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier und die Kulturbeauftragte Angela von Mirbach gemeinsam mit dem eigens dafür engagierten Projektleiter Dirk Ihle vor der Presse bekannt. Möglich ist dieses ehrgeizige Projekt durch eine Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, das Kultur im ländlichen Raum unterstützen möchte. Für die Gemeinde Wedemark bleibt es so beim Eigenanteil von 75.000 Euro. So hoch war die Defizitabdeckung auch beim Abo-Theater. Auch die Region wird noch eine Finanzspritze von rund 8.800 Euro geben.
Eigentlich hatte es schon letztes Jahr losgehen sollen mit den Theatertagen, doch die prekäre Haushaltssituation der Gemeinde hatte eine Verschiebung unumgänglich gemacht. "Wir wollten mal was Neues auf die Beine stellen, nicht über ein Jahr verteilte Veranstaltungen, sondern ein komprimiertes Festival", erläuterte Schönemeier beim Presseghespräch in der Elzer Pfarrscheune und betonten die außergewöhnlich gute Kooperation mit dem Elzer Ortsbürgermeister Jürgen Benk, der die Gemeinde überhaupt auf die Pfarrscheune als Veranstaltungsort aufmerksam gemacht habe, dem Kirchenvorstand Elze-Bennemühlen um Pastor Maik Schwarz und Sabine Vens-Cappell und dem Freundeskreis Pfarrscheune um Carsten Kiegeland.
Mit im Boot sindt außerdem die Tischlerei Hans Horst in Mellendorf – hier entsteht in Zusammenarbeit mit Jugendlichen ein mobiles Theater-Foyer – und das Näh-Projekt Taschentalente des Vereins Miteinander Wedemark. Die Intention hinter den Theatertagen sei vor allem, dass sich die Wedemärker als Nutzer "hier noch mehr zuhause fühlen" sollten, erläuterte Angela von Mirbach. Dieser Gedanke sei ein ganz wesentlicher Grund für die Förderung des Bundes gewesen, der den ländlichen Raum lebenswert erhalten wolle. In der Grundschule, wo die Aufführungen des Abo-Programms stattgefunden hätten, habe keine Atmospäre geherrscht, so von Mirbach, hier habe niemand unter 60 Jahren mehr hingehen wollen. "Wir haben ein Format entwickelt, das Jüngere von der Couch lockt", betont von Mirbach und ist überzeugt, dass ihr das mit dem Theaterfestival an ungewöhnlichen Spielorten gelingen wird. So wird in der Pfarrscheune eine Bühne von vier mal viereinhalb Metern aufgebaut. Rund 120 Zuschauer finden dort Platz. Projektleiter DIrk Ihle schwärmt von diesem "sehr intimen Rahmen,  wo die Zuschauer auf Tuchfühlung  mit den Agierenden sind". Basis werde die Pfarrscheune sein, aber weil die Wedemark eine Flächengemeinde mit 16 Dörfern sei, würden einzelne Produktionen auch woanders stattfinden. Unter anderem können Interessierte auch selber Theater machen – auch dies sei ein Auftrag der Förderung gewesen. "Kultur muss gelebt sein", so Ihle. Unter dem Leitgedanken "Was ist eigentlich Integration?" sollten die Schauspieler eigene Ideen entwickeln, zum Stück, zur Dramaturgie, zur Bühnenausstattung und zur Musik. Mit einem bunten Programm vor der Pfarrscheune geht es am 14. Juni los. In der Scheune werden die Theatertage dann mit der Schachnovelle von Stefan Zweig offiziell eröffnet. Zwei Personen vom bundesweit bekannten Figurentheater Cipolla werden dies inszenieren.
Am 15. Juni geht es dann mit Zippex und "Sand im Schuh" weiter. Hier soll sich das Stück zum Thema Heimat aus der Gruppe heraus entwickeln.
Etwas ganz Besonderes ist "Der Junge im Bus" der Freien Gruppe Wendland. Das Stück wird tatsächlich in einem Linienbus gespielt. 30 Zuschauer finden Platz. Dementsprechend begrenzt ist das Kartenkontingent. Allerdings wird es fünf Spieltermine an verschiedenen Orten geben, zwei davon sind allerdings bereits für Schulklassen reserviert. Die Probebühne wird am 23. Juni aufgebaut und einen Mix aus Theater, Comeday und Live-Musik gibt es am 30. Juni um 20 Uhr mit dem Trio Schmidts Katzen. Den Abschluss bildet am 6. Juli Quichottes "Unerträgliche Leichtigkeit des Neins". Acht Produktionen insgesamt, zu denen sich Interessierte beim Kulturdialog im Oktober in der Pfarrscheune äußern können, um Anregungen für das nächste Jahr zu geben. 630 Karten kommen für die Theatertage 2019 auf den Markt. Ob es 2020 möglicherweise mehr werden, werde sich zeigen müssen, so von Mirbach.