Privater Investor saniert NaturFreundehaus

Rainer de Groot aus Wennebostel will das kulturhistorische Gebäudedenkmal des NaturFreundehauses erhalten und investiert knapp 4 Millionen Euro, um das Ensemble zu Wohnungen umzubauen. Foto: A. Wiese

Am Lönssee entstehen in enger Abstimmung mit der Gemeinde bis zu 13 Wohnungen

Mellendorf (awi). „Um ein Gebäude zu sanieren, muss man leidenschaftlich sein“, sagt Planer Rainer de Groot. Er hat seine Leidenschaft in dieser Hinsicht auf dem sanierten Wiechenhof, dem heutigen Jakob Bole-Hof, mit großem Erfolg unter Beweis gestellt. Und die nächste Herausforderung angenommen: Die Sanierung der drei NaturFreundehaus-Gebäude am Lönssee zur Wohnnutzung. In enger Abstimmung mit der Gemeinde Wedemark hat de Groot ein Konzept entworfen, das zum einen die Subs-tanzerhaltung des kulturhistorischen Gebäudedenkmals mit historischen Baumaterialien garantiert, zum anderen den künftigen Mietern oder Eigentümern – bei diesem Objekt sollen Miete und Kauf der Wohnungen gleichermaßen möglich sein – ein Höchstmaß an Wohlfühlatmosphäre garantiert. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, die Außenanlagen so natürlich wie möglich zu belassen, betont de Groot. Gesamtinvestitionsvolumen in das anspruchsvolle Projekt: knapp vier Millionen Euro. Und das ist genau der Punkt, der alle anderen Interessenten letztendlich dazu bewegt hat, doch die Finger davon zu lassen, meint de Groot. Denn eine wirtschaftliche Sanierung ist ausschließlich mit einer Wohnnutzung realistisch. Nachdem klar war, dass die letzten Besitzer, die Familie Ambrosini, den Betrieb der Herberge einstellen würden, hatte es lange – auch von der Gemeinde Wedemark intensiv unterstützte – Bemühungen gegeben, das Naturfreundehaus mit seinen Nebengebäuden und dem attraktiven Gelände, zu dem auch der Lönssee gehört, zumindest einer teilöffentlichen Nutzung zu erhalten. Allein die Kosten haben alle diese Bemühungen schließlich ins Leere laufen lassen. „Als die Klosterkammer Interesse anmeldete, hier eine Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche zu installieren und das Gebäude zu diesem Zweck zu sanieren und umzubauen, habe ich mich trotz bereits abgeschlossener Gespräche mit Ambrosinis sofort zurückgezogen. Aber man ist schließlich wieder auf mich zugekommen, weil man eingesehen hat, dass mein Konzept das einzig Rechenbare ist und wir mit dem Jacob Bole-Hof bewiesen haben, dass wir etwas davon verstehen und das nötige Fingerspitzengefühl haben“, erklärte Rainer de Groot
gestern im Gespräch mit dem ECHO. Das Haupthaus auf dem 56.000 Quadratmeter großen Gelände stammt aus dem Jahre 1922, das kleinere aus dem Jahr 1928. Der etwas zurückliegende Neubau wurde Mitte der 80er Jahre ergänzt. Zurzeit sind de Groot und sein Team mit der Substanzerhaltung beschäftigt, „damit der Schaden nicht größer wird“. Bei allen drei Gebäuden sind die Fundamente freigelegt. Sie haben Wasser gezogen, müssen erst einmal trocken gelegt werden. Wenn die Gräben wieder verfüllt sind und Gerüste aufgestellt werden können, geht es an die Dachsanierung. Das Holz des Fachwerks ist relativ gut erhalten, freut sich der In-
vestor. Er hat zugesagt, die Gebäude im Zuge der Sanierung wieder in den Urzustand von 1922 beziehungsweise 1928 zu versetzen, das heißt, die ursprüngliche Eingangstür im Haupthaus wieder herzustellen, wieder Original-Sprossenfenster einzubauen und wieder Holzbalkone im Obergeschoss anzubauen. Jede der zehn bis 13 entstehenden Wohnungen wird entweder einen Balkon oder eine Terrasse haben, verspricht de Groot. Sie werden zwischen 85 und 140 Quadratmeter groß sein, zum Teil barrierefrei und zu einem Mietquadratmeterpreis nicht unter zehn Euro zu haben sein. „Im August 2013 sind wir fertig“, kalkuliert der Bauherr. Er hatte alle Häuser samt Einrichtung gekauft, ist schon seit Wochen mit Ausräumen, Sortieren und Müll abfahren beschäftigt. Was von der Einrichtung noch zu gebrauchen ist, wird Jugendherbergen und gastronomischen Betrieben angeboten, dafür wurde ein provisorisches Lager eingerichtet. Das neuere Gebäude, das im Stil nicht zu den beiden älteren Häusern passt, soll deren Fachwerkstil angeglichen werden, so dass sich schließlich ein einheitliches Bild ergibt. Hinter dem Neubau werden Stellplätze mit Carports entstehen. Dafür werden einige Kiefern weichen müssen. Ein Gutachter hat festgelegt, welche Bäume theoretisch gefällt werden dürften. „Für jeden Baum, der weichen muss, werden wir aber Ersatzpflanzungen vornehmen“, betont de Groot. Ein Nebengebäude im Hintergrund des Grundstücks, das auch vom Ziegeleiweg erreichbar ist, sei noch im Besitz der NaturFreunde Hannover, werde aber so gut wie gar nicht genutzt. De Groot schließt nicht aus, dass es vielleicht noch mal irgendwann zu Kaufverhandlungen auch über dieses Gebäude mit seinem knapp über 1000 Quadratmeter großen Grundstück kommen wird, zurzeit habe es aber noch keinen Kontakt gegeben. Der Lönssee allerdings ist jetzt sein Privatbesitz. Auch Angelrechte in diesem See habe niemand. Er wolle den idyllischen See der Öffentlichkeit allerdings eigentlich nicht komplett entziehen, sagte der Planer im Gespräch mit dem ECHO, es könne jedoch auch nicht sein, dass See und Uferbereich total vermüllt würden. Er habe als Eigentümer zudem die Verkehrssicherungspflicht für den See und müsse Gefahren abwenden, von der Natur ebenso wie von möglichen Nutzern wie Schwimmern oder Schlittschuhläufern. Die Überlegungen, wie diese Sicherungspflicht gewährleistet werden könne, dauerten noch an.