Rahmen ist ein Teil des Altarbildes

An der goldfarbenen Blattkartusche ist der Wurmbefall deutlich zu erkennen.

Kirchengemeinde muss Forderungen des Denkmalschutzes erfüllen

Brelingen. Der zusätzliche Rahmen, der das Altarbild in der Brelinger Kirche bis vor wenigen Jahren über Jahrzehnte umgeben hatte, ist jetzt wieder aufgebaut worden. Die Kirchengemeinde ist damit einer Forderung des kirchlichen Denkmalschutzes nachgekommen. Der Rahmen war wegen eines Holzwurmbefalls abgebaut und in einer Kältekammer behandelt worden. Im Zuge dieser Maßnahme hatte der damalige Kirchenvorstand beschlossen, auf den Wiederaufbau des Rahmens zu verzichten, auch um den Blick stärker auf die Kanzel oberhalb des Altars freizugeben.
Das Kunstreferat der Hannoverschen Landeskirche hat nach einem Besuch in der Brelinger Kirche darauf hingewiesen, dass der Rahmen Bestandteil des Bildes ist und darum nicht dauerhaft entfernt werden darf. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Brelinger Kirche, in den Jahren 1848 und 1849 erbaut, unter Denkmalschutz steht. Der dauerhafte Abbau des Rahmens würde eine Beschädigung des Denkmals darstellen. Das Kunstreferat hat deutlich gemacht, dass damit der Beschluss des damaligen Kirchenvorstandes unwirksam ist.
Das Altarbild befindet sich seit 1899 in der Brelinger Kirche. Es zeigt die Auferstehung Christi und wurde von dem estnischen Maler Tönis Grenzstein geschaffen. Er lebte von 1863 bis 1916 und wurde an der Kunstakademie in Düsseldorf unter dem Maler Eduard von Gebhardt ausgebildet. Die Kirchengemeinde hat dieses Altarbild 1899 als Geschenk von Georg Ferdinand Hemme und seiner Ehefrau Hermine Klara, geborene von Bestenbostel aus Oegenbostel-Bestenbostel erhalten.
Der vermutlich von einem Bildschnitzer gefertigte Rahmen ist nach Einschätzung von Diplom-Restaurator Martin Merkert kurz nach 1899 um das Bild herumgebaut worden. Bei der Gestaltung des vierteiligen Rahmens hat sich der Bildschnitzer nah an der Innenarchitektur der von Baumeister Friedrich August Ludwig Hellner geplanten Kirche orientiert. Die auf der Altarwand verwendeten Pfeilerartigen Formelemente, auch Pilaster genannt, münden in geschnitzten Kapitällen. Diesen Aufbau hat der Holzschnitzer auch bei der Gestaltung des Rahmens verwendet. Restaurator Martin Merkert, der den Wiederaufbau des Rahmens mit Helfern aus der Kirchengemeinde vornahm, wies auf die Gefahr für andere Holzbauteile in der Kirche durch Holzwürmer hin. In dem geschnitzten und bemalten Rahmen ist vor allem die Gesimszone des Rahmenaufsatzes mit der vergoldeten Blattkartusche unterhalb des aufgesetzten Kreuzes durch den Wurmbefall in Mitleidenschaft gezogen worden.