Realistisch üben kann Leben retten

Nach einer halben Stunde ist auch die zweite Puppe „gerettet“. Im Ernstfall wäre es für einen Menschen aber sehr knapp geworden. Foto: A. Wiese
 
Endlich: Der erste Dummy ist nach knapp 20 Minuten in der „verrauchten“ Tiefgarage gefunden worden und wird ins Freie gebracht. Foto: A. Wiese

Feuerwehr Bissendorf/Scherenbostel simuliert Vermisstenrettung aus Tiefgarage

Bissendorf (awi). Ein wenig „Rauch“ dringt aus der mit einer Plastikplane verhängten Tiefgarage. Drinnen sieht man vor lauter Disconebel die Hand vor Augen nicht. Und das ist beabsichtigt. Denn die Atemschutzgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Bissendorf/Scherenbostel soll am Mittwochabend unter möglichst realis-tischen Bedingungen zwei „vermisste Personen“ in der Tiefgarage des Hotels Brunnenhof finden und „retten“ und den brennenden Pkw löschen. Die 20 anrückenden Einsatzkräfte wissen, dass es sich um eine Übung handelt. Doch alles läuft genauso ab wie im echten Einsatz: Nach der Meldung des
ersten Eintreffenden vor Ort, das Hotel sei bereits evakuiert, inspiziert ein Feuerwehrmann den Eingang zur Tiefgarage und fordert sofort die Atemschutzgeräteträger an. Nur zwei Minuten später verschwindet das erste Pärchen in der völlig „verrauchten“ Garage. Die Minuten vergehen, über Funk melden die AGTs, welche Bereiche sie bereits abgesucht haben. Ein Feuerwehrkamerad vermerkt das oben auf einem Plan. Ein zweiter Trupp wird hinterhergeschickt und dann endlich – nach knapp 20 Minuten – bringen zwei Feuerwehrmänner den ersten Dummy nach oben und nehmen ziemlich erschöpft ihre Atemschutzmasken ab. Darunter kommen hochrote Köpfe zum Vorschein. Es ist, extrem anstrengend, bei Nullsicht und starker psychischer und physischer Belastung mit wassergefülltem Schlaucht die vermissten Menschen zu suchen, aber auch den brennenden Wagen zu löschen. Noch etwa zehn Minuten dauert es bis auch die zweite Übungspuppe ins Freie befördert wird. Anschließend werden beide Dummys allerdings wieder hinab befördert, denn der nächste Trupp soll suchen. Tiefgaragen bieten hierbei für die Einsatzkräfte einen durchaus gefährlichen Bereich, da die Strukturen und räumlichen Gegebenheiten in der Regel unbekannt sind, erklärt Feuerwehrkamerad Holger Bauer, bei dieser Übung eigens für die Pressebetreuung abgestellt. Dabei müssen die Einsatzkräfte immer eigene Sicherheit und die langen Rückzugswege im Auge haben. Ein AGT-Sicherungstrupp stand immer bereit, um im Notfall, der hoffentlich nie eintreten wird, den Kameraden zur Hilfe zu kommen. Während der Übung konnten die Einsatzkräfte neben der Koordination beziehungsweise Kommunikation per Funk und der Atemschutzüberwachung auch die Suchtechniken zur Menschenrettung praktisch üben. Als besonders hilfreich zeigte sich erneut der Einsatz der Wärmebildkamera: Mit ihrer Hilfe wurden die vermissten „Personen“ schließlich in der völlig „verqualmten Garage“ entdeckt. Diesmal wäre es zumindest für einen der beiden „Ver-
missten“ sehr eng geworden. Maximal zehn Minuten kann ein Mensch ohne Atemschutz in einer dermaßen verrauchten Garage überleben. Doch bei größeren Echt-Einsätzen dieser Art arbeiten die örtlichen Feuerwehren der Wedemark im Verbund, es werden automatisch mehrere Ortsfeuerwehren zusammengeführt. So wäre es auch im vorliegenden Falle gewesen. Eigentlich hatten Gailhof und Wennebostel auch bei der Übung dabei sein sollen. Das hatte dann aber doch nicht geklappt, bedauerte Holger Bauer. Der Dank der Feuerwehr Bissendorf/Scherenbostel geht an den Eigentümer des Hotels Brunnenhof, der die Tiefgarage zu Übungszwecken zu Verfügung gestellt hat und an alle Unterstützer der Übung.