Rebecca Schamber löst Caren Marks ab

Die scheidende Wedemärker SPD-Ortsvereinsvorsitzende Caren Marks (links) und ihre bisherige Stellvertreterin und Nachfolgerin Rebecca Schamber.
 
Mit Rosen verabschiedeten die SPD-Mitglieder Caren Marks aus dem Vorstand und ernannten sie zugleich zur Ehrenvorsitzenden der SPD Wedemark.
 

Neustädterin als SPD-Parteivorsitzende gewählt – Marks Ehrenvorsitzende

Wedemark (awi). Die SPD Wedemark hat in ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag eine neue Ära eingeläutet: Caren Marks trat nach fast 20 Jahren als Parteivorsitzende nicht wieder an. Bereits im Sommer letzten Jahres hatte sie bekannt gegeben, dass sie nach Ablauf der aktuellen Legislaturperiode auch nicht erneut für den Deutschen Bundestag kandidiere wolle, dem sie seit 2002 ununterbrochen angehört. Seit einigen Jahren ist sie zudem Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Frauen, Jugend, Senioren und Soziales. Auch bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr wird Marks nicht für einen Sitz im Gemeinde- oder Ortsrat kandidieren. Zur neuen Parteivorsitzenden wählten die Wedemärker Sozialdemokraten Rebecca Schamber.
Die 44-Jährige ist seit 2019 stellvertretende Parteivorsitzende. Von 2010 bis 2017 saß sie im Gemeinderat, war dort stellvertretende Bürgermeisterin, stellvertretende Ratsvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Dann verlegte sie ihren Wohnsitz aus persönlichen Gründen von Abbensen nach Borstel bei Neustadt und musste ihr Ratsmandat daher zurückgeben. Im SPD-Ortsverein blieb sie jedoch trotzdem an vorderster Front aktiv und will dies auch weiterhin tun – und zwar in doppelter Hinsicht: Schamber ist nicht nur neue Parteivorsitzende in der Wedemark, sondern sie strebt auch die Nachfolge von Caren Marks als Bundestagsabgeordnete an. Vorstand und Mitglieder begrüßten ausdrücklich, dass Schamber ihren Hut bei der Kandidatenkür, die ab April anläuft, in den Ring wirft. Jeder der acht Ortsvereine im Wahlkreis, zu dem außer der Wedemark Langenhagen, Burgwedel, Isernhagen, Neustadt, Wunstorf, Garbsen und Burgdorf, kann einen Kandidaten oder eine Kandidatin benennen, die dann von den Delegierten gewählt wird. Die Bewerbungsfrist läuft im März ab.
Doch bevor Caren Marks nach über 20 Jahren den Staffelstab an Rebecca Schamber übergab, hielt nicht nur sie selbst Rückschau, sondern gab es für die scheidende Vorsitzende auch viele warme Worten von ihren Genossen. Und als ganz besondere Überraschung zum Schluss der Versammlung wurde Marks auf Vorschlag des Vorstandes zur Ehrenvorsitzenden des SPD-Ortsvereins Wedemark ernannt, die erste, die diesen Titel tragen darf. Als dann noch alle Mitglieder zu ihr nach vorne kamen und ihr eine rote Rose überreichten, war es auch um die Fassung der stets so beherrschten Caren Marks geschehen und sie konnte ihr Rührung nicht mehr verbergen. Das besonders gute Miteinander in der Wedemärker SPD sei der Grund, warum sie hier ihre politische Heimat habe und immer haben werde. „Ich gehe nicht weg, wie viele gemutmaßt haben, ich bleibe in der Wedemark, ich bin hier zuhause. Ich werde meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin bis zum letzten Tag mehr als hundertprozentig machen, wie es meine Art ist, aber dann freue ich mich auch mal etwas Zeit für mich zu haben“, sagte Marks. In den letzten 20 Jahren habe sich viel getan in der politischen Landschaft der Wedemark. Der SPD sei es gelungen, die langjährige Alleinherrschaft der CDU in der Gemeinde zu beenden und mit Tjark Bartels 2006 erstmals einen sozialdemokratischen Bürgermeister zu stellen. Helge Zychlinski setze dieses anspruchsvolle Erbe seit 2014 fort und werde dies hoffentlich auch über 2021 hinaus tun. Rathaus und Schulzentrum seien neu gebaut, die IGS gegründet worden und vor allem habe sich die Gemeinde Wedemark zur kinderfreundlichen Kommune entwickelt. Was die Kinderbetreuung angehe, stehe sie mittlerweise an der Spitze der Region Hannover. „Ich habe angefangen, mich Ende der neunziger Jahre in der Elternarbeit zu engagieren, weil genau das Gegenteil der Fall war“, erinnerte Marks.
Anfang 1998 sei sie dann in die SPD eingetreten. „Ich habe nie was anderes gewählt, war immer zutiefst überzeugt von der Partei“, erzählte sie. Durch ihre Elternarbeit habe sie Heiner Peterburs und Jürgen Benk kennengelernt sowie den damals noch sehr jungen Helge Zychlinski. „Ein aufrichtiges Dankeschön an die vielen Genossen, die ich über die Jahre begleitet haben. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft, da zu sein, wo ich heute bin“, sagte sie ernst. Sie sei gerade mal ein Jahr stellvertretende Parteivorsitzende gewesen, als 1999 der Vorsitzende Werner Brock tödlich verunglückte. Sie sei quasi ins kalte Wasser gesprungen, habe aber Menschen an ihrer Seite gehabt, die sie gut begleitet hätten. Sie selbst habe immer versucht, alle einzubinden, die mitmachen wollten und Politik mit und für die Menschen in der Wedemark zu machen, habe ihr stets viel Freude gemacht, so Caren Marks. Auf das, was die SPD in den letzten 20 Jahren in der Wedemark geschaffen habe, könnten sie alle gemeinsam sehr stolz sein. Das Wahlergebnis 2016 sei schmerzhaft gewesen, da man wieder Sitze verloren haben, doch das habe auch was mit den Themen Windpark Brelingen und Baumschutzsatzung zu tun gehabt. „Wir waren unserer Zeit voraus und hatten nicht die Zustimmung aller Bürger“, resümierte Marks, die nach ihrem Redebeitrag stehende Ovationen von den Mitgliedern im Bürgersaal des Bürgerhauses bekam. „Caren hat mir meine Rede kaputt gemacht, das wollte ich auch alles sagen“, stellte der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Jürgen Benk schulterzuckend fest. Man habe 20 gemeinsame Jahre spannende Zeiten hinter sich, bedankte sich Benk für die gute Zusammenarbeit zwischen Partei und Fraktion, die durchaus nicht selbstverständlich sei. Immerhin sei die Partei die fordernde, die Fraktion müsse umsetzen. „Die Bürgermeisterwahl 2001 haben wir vergeigt, 2008 kam die Ampel, dann die rot-grüne Koalition, seit 2016 der letzte große Akt, die Große Koalition. Für beide großen Parteien gab es keine Alternative“, stellte Benk fest. Das sei der Partei nicht einfach zu vermitteln gewesen, doch genau das habe Caren Marks immer ausgezeichnet, dass sie es ihm leicht gemacht habe. Bürgermeister Helge Zychlinski sprach von einer Parteivorsitzenden Caren Marks, die jeden Mitgenommen und alle mit einem Lachen zusammengeführt habe. Und genau das sei es gewesen, wonach alle in der SPD große Sehnsucht gehabt hätten. Er habe sehr viel von ihr gelernt, in ihrer Funktion als Parteivorsitzende und Bundestagsabgeordnete, so Zychlinski. Marks habe ihren Ortsverein trotz der immer schwieriger werdenden Mandatausübung in Berlin voll auf Kurs gehalten. Weitere Dankesworte und Präsente für die scheidende Vorsitzende gab es von Gitta Jansen, dem früheren Scherenbosteler SPD-Vorsitzenden Wolfgang Bertling und dem Landtagsabgeordneten Rüdger Kauroff sowie natürlich von Marks Stellvertreterin und Nachfolgerin Rebecca Schamber.
Bissendorf (awi). Die SPD Wedemark hat am Donnerstagabend ihre Chance genutzt und bei der durch den Wechsel an der Spitze notwendigen Runderneuerung ihren Vorstand auch gleich verjüngt. „Jetzt sind wir für das Wahljahr 2021 gut aufgestellt“, befand die mit 100 Prozent der Stimmen neu gewählte Vorsitzende Rebecca Schamber aus Borstel bei Neustadt.
Sie ist mit 44 Jahren etwa halb so alt wie ihre beiden Stellvertreter zusammen: Der 73-jährige Reiner Fischer aus Bissendorf wurde wiedergewählt, der 21-jährige Jean Schramke aus Mellendorf übernimmt den Stellvertreterposten, den Schamber durch ihre Wahl zur Vorsitzenden frei gemacht hat. Er sei zwar sehr jung, so Schramke bei seiner Kurzvorstellung, doch seit einem Kurzpraktikum bei Caren Marks, für das er sich als 14-jähriger Schüler gemeinsam mit seinem erzsozialdemokratischen Großvater beworben habe, fest mit der SPD verbunden und kurz darauf auch in die Partei eingetreten. Den Posten des Verantwortlichen für das Finanzwesen wird wie seit vielen Jahren Günter Binnebößel aus Elze weiter ausfüllen. Revisor Helge Zychlinski hatte ihm nicht nur eine einwandfreie, sondern wirklich außergewöhnlich übersichtliche Kassenführung bescheinigt. Heike Süring aus Abbensen wird ihm neu als Vertreterin zur Seite stehen. Sie sei nach Abschluss ihrer beruflichen Fortbildung als Finanzwirtin gerne bereit ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen, berichtete Süring, die über die Elternarbeit und insbesondere über ihr Engagement für die Gründung der IGS zur SPD gekommen ist, wie sie berichtete. Als Schriftführer wurde Jochen Pardey aus Resse wiedergewählt.
Neuer zweiter Schriftführer ist Timo Cramm aus Scherenbostel. Er gestand, dass er viel Spaß am Protokollschreiben habe und sich daher auf die neue Aufgabe freue. Schließlich wählten die 46 wahlberechtigten SPD-Mitglieder – insgesamt hat der Ortsverein 220 Mitglieder – noch fünf Beisitzer: Jörn Albes aus Bissendorf, Larbi Amerouz aus Mellendorf, Iris Faber aus Elze, Karin Kuhlmann aus Brelingen und Niklas Mühleis aus Hannover. Als Revisor steht Helge Zychlinski neu Jürgen Benk zur Seite.