Rot und Grün dominieren die Wedemark

Jubel am Sonntagabend im Restaurant Pinocchio in Elze bei der Wahlparty der SPD: Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Caren Marks verfolgt im Kreis ihrer Parteifreunde die einlaufenden Ergebnisse per Internet. Foto: A. Wiese

SPD erstmals stärkste Ratsfraktion – FDP wird als Mehrheitsbeschaffer nicht mehr gebraucht

Wedemark (awi). Mit 4,5 Prozent Zuwachs auf 12,7 Prozent sind die Grünen die eindeutigen Wahlgewinner in der Wedemark und jetzt mit fünf Sitzen im Rat vertreten. Die SPD hat 3,7 Prozent dazu gewonnen und ist jetzt mit 42,3 Prozent stärkste Ratsfraktion. Wenn sie ihre Zusammenarbeit mit den Grünen aus der letzten Wahlperiode fortsetzt, verfügen die beiden Parteien mit 20 Sitzen (15 SPD und 5 Grüne) über eine stabile Mehrheit. Die FDP wird im neuen Rat als Mehrheitsbeschaffer nicht mehr gebraucht. Sie hat nur noch einen Sitz bei 2,8 Prozent der Stimmen (minus 2,7 Prozent).
Wahlverlierer in der Wedemark ist die CDU: Sie hat nur noch 13 Sitze und hat bei 37,2 Prozent der Stimmen 3,7 Prozent eingebüßt. Sie sitzt damit klar in der Opposition, denn auch ein Zusammenschluss mit den anderen „Kleinen“ würde ihr keine Ratsmehrheit bringen. Wie die FDP sind auch die WWG und die Linke im Rat mit einem Sitz vertreten. Die WGW büßt damit einen Sitz ein, kommt bei einem Minus von 2,4 Prozent auf 3,8 Prozent der Stimmen. Die Linke ist neu im Rat und erhält auf Anhieb 1,3 Prozent.
Der neue Gemeinderat, der voraussichtlich am 14. November, erstmals im Bürgerhaus in Bissendorf tagen wird, setzt sich folgendermaßen zusammen:
SPD (15 Sitze): Jürgen Benk (Elze), Christa Bogenschütz (Bissendorf), Christiana Böttcher (Brelingen), Werner Husmann (Gailhof), Gitta Jansen (Bissendorf), Christiane Killig (Bissendorf), Fredy Krause (Wennebostel), Caren Marks (Mellendorf), Niklas Mühleis (Mellendorf), Jochen Pardey (Resse), Heiner Peterburs (Hellendorf), Peter Reuter (Negenborn), Fritz Schöning (Bissendorf), Ingrid Wordelmann (Mellendorf), Helge Zychlinski (Elze).
CDU (13 Sitze): Holger Bleich (Mellendorf), Jessica Borgas (Mellendorf), Susanne Brakelmann (Bissendorf), Karen Drews (Elze), Wolfgang Kasten (Abbensen), Daniel Leide (Bissendorf-Wietze), Editha Lorberg (Gailhof), Christiane Lüßmann (Meitze), Rudolf Ringe (Mellendorf), Martin Schönhoff (Hellendorf), Sven Sobanski (Bennemühlen), Alexander Stelzig (Resse), Marcus Thies (Brelingen).
Grüne (5 Sitze): Mona Achterberg (Brelingen), Ingemar Becker (Elze), Sabine Lotz (Mellendorf), Wilhelm Lucka (Bissendorf), Hermine Rüfer (Bissendorf-Wietze).
FDP (1 Sitz): Erik van der Vorm (Scherenbostel)
Linke (1 Sitz): Clemens Strube (Mellendorf)
WGW (1 Sitz): Patrick Cordes (Brelingen)
„Die Wähler haben unsere erfolgreiche Politik und die unseres Bürgermeisters honoriert“, freute sich die SPD-Ortsvereinsvorsitzende bei der Wahlparty der SPD im Restaurant Pinocchio in Elze, als bereits beim Einlaufen der Regionsergebnisse – Helge Zychlinski wird die Wedemärker SPD wieder in der Region vertreten – absehbar war, dass die SPD fast in allen Ortschaften zugelegt hatte, und die Stimmung von Minute zu Minute stieg. Niklas Mühleis, der die einlaufenden Zahlen präsentierte, verkündete statt absoluter Zahlen Zugewinne auf der einen und Verluste auf der anderen Seite, was die Stimmung zusätzlich anheizte. Im Rathaus, wo ebenfalls die Ergbnisse präsentiert wurde, waren zumindest bis 20 Uhr Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter weitgehend unter sich. Interessierte Bürger verfolgten die Wahlergebnisse offensichtlich am heimischen Internet oder gingen als Sympathisanten zu den Wahlpartys der beiden großen Parteien. Bei der CDU konnte die Stimmung mit der der SPD allerdings nicht konkurrieren. Hier freute man sich über die kleinen Erfolge, wie den deutlichen Sieg für den Newcomer als Ortsbürgermeister in Scherenbostel, die CDU-Mehrheiten in Wennebostel und Hellendorf und den Einzug von Sven Sobanski ins Regionsparlament. „Wir werden uns als Opposition neu aufstellen und konstruktive Arbeit leisten“, versicherte die Gemeindeverbandsvorsitzende der CDU, Editha Lorberg. Der Bundes-trend habe sich auch auf die Wedemark ausgewirkt und die Bürger Schul- und Rathausneubau trotz der hohen Schulden ganz offenbar honoriert. Auf die FDP färbte dieser Effekt jedoch ganz offenbar nicht ab. 2,8 Prozent – das ist das schlechteste Wahlergebnis für die Freien Demokraten bei einer Gemeinderatswahl seit Jahrzehnten. Sie hat auch keinen Vertreter mehr in der Region und keinen in den Ortsräten. Erik van der Vorm, künftig FDP-Einzelkämpfer im Rat, bezeichnete das Wahlergebnis schlicht als „Katastrophe“. Für die Zahl vor dem Komma sei der Bund verantwortlich, für die Zahl dahinter die Kandidaten vor Ort, machte er klar, wo er die Gründe für den Absturz seiner Partei sieht. Mit einem Sitz im Rat hat van derVorm Anspruch auf Rederecht ohne Stimmrecht in lediglich einem Ausschuss. Für welchen er sich da entscheiden werde, könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Der FDP-Vorstand werde noch in dieser Woche tagen, um das bittere Ergebnis aufzuarbeiten. Aber natürlich werde er sein Mandat auch unter diesen Voraussetzungen annehmen und seine Wähler nicht enttäuschen.