Schilder ärgern Anlieger im Busch

Die Anlieger im Meitzer Busch 15 bis 37 haben kein Verständnis dafür, dass der Realverband Meitze die Verbotschilder an dem Privatweg, der zu ihren Grundstücken führt, für Motorräder und Autos ohne den Zusatz „Anlieger frei“ aufgestellt hat. Laut Schild dürfen auch sie hier zurzeit nicht fahren und dasselbe gelte für ihre Zulieferer. Foto: A. Wiese

Bis die Zusatzschilder „Anlieger frei“ hängen, befahren sie die Straße illegal

Meitze (awi). Seit dem 13. August signalisieren Schilder an drei verschiedenen Stellen der Zufahrt zur Straße Meitzer Busch und den Kiesteichen dem Kraftfahrer: Hier haben Autos und Motorräder nichts zu suchen. Ausgenommen ist lediglich landwirtschaftlicher Verkehr. Aufgestellt hat die Schilder der Eigentümer des Weges, der Realverband Meitze mit nachvollziehbarer Begründung. Immer stärker wird dieser Privatweg in der aktuellen Verkehrssituation als Schleichweg genutzt, um Staus zu umgehen.
Allerdings: Auch die Anlieger der Grundstücke Meitzer Busch 15 bis 37 standen verdutzt vor den Verbotsschildern. Dürfen auch sie jetzt nicht mehr zu ihren Häusern fahren und die Angelvereinsmitglieder aus Bissendorf und Neustadt nicht mehr zu ihren Fischteichen? Denn das kleine rechteckige Schild mit schwarzer Schrift auf weißem Grund „Anlieger frei“ fehlt an den Verbotsschildern – noch. „Ich habe unseren Vorsitzende Jürgen Hemme gebeten, die Zusatzschilder zu bestellen, sie müssten jeden Tag da sein und werden dann sofort montiert“, so Bernhard Schüttke, der die Verbotsschilder im Auftrag des Realverbands Meitze aufgestellt hat, am Donnerstag auf Nachfrage des ECHO. Mit Jürgen Hemme gesprochen hatte Schüttke allerdings schon vor einigen Wochen, denn natürlich hatten die Anlieger sofort nachgefragt, was es denn mit den Verbotsschildern auf sich habe. „Die wurden zunächst bewusst nicht mitbestellt, weil wir ersteinmal die Reaktion der Verkehrsteilnehmer abwarten wollten, aber als die Zusatzschilder dann vehement eingefordert wurden, habe ich das unserem Vorsitzenden Jürgen Hemme mitgeteilt, so Schüttke.“ Allerdings hätten bereits die Verbotsschilder eine Lieferzeit von fünf Wochen gehabt, berichtet Schüttke und so könne man nicht genau sagen, wann die Zusatzschilder geliefert würden.
Für die Anlieger ist unverständlich, dass die Verbotsschilder nicht so lange verhüllt worden seien, bis die Zusatzschilder angekommen seien. Man habe den unzulässigen Verkehr so schnell wie möglich unterbinden wollen, argumentiert Schüttke dazu. Als Ortsbürgermeister Jürgen Benk von dem „Schildbürgerstreich im Busch“ hörte, sprach er mit den Beteiligten und war beruhigt, als er von den bestellten Zusatzschildern hörte. Doch auch als sich auch nach mehr als zwei Wochen noch nichts getan hat, gingen die Anlieger den Weg in die Öffentlichkeit massiv an. „So etwas hätte sich kein anderes Dorf erlaubt. Sowas gibt es nur im Meitzer Busch“, macht Anliegerin Bärbel Tiedtke ihrer Empörung Luft. „Wir haben jetzt große Probleme mit der Anlieferung von Paketen, vor allem schwere Fahrzeuge trauen sich jetzt gar nicht mehr zu uns. Vom Fuhrberger Weg können sie schon nicht kommen, weil die Brücke über die Autobahn nur bis zu zwölf Tonnen zugelassen ist und auf dem Kieslasterweg von der Gailhofer Seite her steht jetzt mitten auf dem Weg dieses Verbotsschild, wo das Grundstück des Realverbandes anfängt. Wie sollen wir mit Gas oder neuen Möbeln beliefert werden? Die Fahrer wollen nichts riskieren, drehen wieder um“, pflichtet ihr Anlieger Dietmar Grohs bei.
Die Mitglieder der Angelvereine hätten bereits handgefertigte Zusatzschilder „Anlieger frei“ über die Verbotsschilder geklebt, aber rechtlich bindend sei das nicht, so Grohs. „Auch das Müllauto kann unsere Grundstücke nicht mehr anfahren, wenn sich die Fahrer an die Straßenverkehrsordnung halten“, gibt Dieter Töpelmann zu bedenken. Vom Realverband habe es geheißen, die Schilder hätten die Anlieger nicht zu interessieren, aber das reicht Bärbel Tiedtke und ihren Nachbarn nicht. „Müssen wir jetzt immer unsere Ausweise dabei haben, falls die Polizei uns kontrolliert, damit wir beweisen können, dass wir hier wohnen“, fragt sie. Die Antwort von Peter Trinks, Einsatz- und Streifendienstleiter bei der Polizei Mellendorf, dürfte sie beruhigen: „Das ist ein Privatweg und da kontrollieren wir grundsätzlich nicht, sondern nur im öffentlichen Straßenraum!“
Bleibt nur zu hoffen, dass das die Nutzer der Schleichwege Richtung Norden nach Jeversen und Wieckenberg nicht wissen, sonst wären die Verbotsschilder ja gleich ad absurdum geführt. Die Anlieger ärgern sich vor allem auch darüber, dass im Vorfeld mit ihnen überhaupt keine Kommunikation stattgefunden hat. Gemeinde-Pressesprecher Ewald Nagel erklärte auf Nachfrage, der Gemeinde sei es grundsätzlich nicht recht, dass Realverbandsstraßen gesperrt würden, sie könne es jedoch auch nicht versagen. Die Gemeinde befinde sich im Gespräch mit dem Realverband, um eine gütliche Lösung für alle Seiten zu finden, hieß es von Ewald Nagel.