Schüler wollen Abschluss an Förderschule machen

Eltern kämpfen gegen früheres Auslaufen der Berthold-Otto-Schule

Mellendorf (awi). Eltern der Berthold-Otto-Schule, Förderschule Lernen, haben sich mit Dachdezernentin Anne Wolters von der Landesschulbehörde, Fachbereichsleiter Jörg Clausing von der Gemeinde und Förderschulleiter Günther Brauer getroffen, um wichtige Fragen für die Zukunft der Förderschule beziehungsweise der verbliebenen Schüler zu diskutieren. Dabei ging es darum, wann die Schule schließt und und wo und wie die letzten verbliebenen Schüler ihren Abschluss machen können. Elternvertreterin Anja Nußbicker hat über Schulleiter Günther Brauer im Namen der Elternschaft der Berthold-Otto-Schule ein Schreiben an die Dezernenin und den Fachbereichsleiter überreichen lassen. Die Eltern hätten lange um den Erhalt der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in der Wedemark gekämpft, heißt es in dem Schreiben. Leider hätten sie diesen Kampf verloren und somit sei die Schule mittlerweile sehr klein geworden. Dieser Zustand sei für Kinder im Jugendalter sicher nicht ideal, weshalb Ende Januar zum wiederholten Mal ein Elternabend zum Thema „Eine Zukunft für unsere Kinder“ beziehungseise Zukunft der Berthold-Otto-Schule stattgefunden habe. Nach einer Diskussionsrunde habe es eine Abstimmung darüber gegeben, wie und wo die Schüler ihre Schullaufbahn beenden könnten. Einstimmig hätten sich die Eltern dafür ausgesprochen, dass ihre Kinder ihren Förderschulabschluss und idealerweise auch ihren Hauptschulabschluss nur auf der Berthold-Otto-Schule erlangen könnten. Auch alle Kinder hätten klar den Wunsch formuliert, bis zum Ende der Schulzeit gemeinsam weiter an der Förderschule zu lernen.
„Unsere Kinder sind zu einem großen Teil ,Grenzfälle', es fällt ihnen extrem schwer zu lernen, sich in großen Gruppen und im unbekannten Umfeld zu konzentrieren beziehungsweise zu orientieren. Unsere Kinder haben, wie Sie sich denken können, wenig Chancen im Leben. Eine Chance, ihre Schullaufbahn so erfolgreich wie möglich zu beenden, bietet die Berthold-Otto-Schule. Ein Schulwechsel im Abschlussjahr würde unsere Kinder im großen Maß überfordern. Von Seiten der Gemeinde wurde uns vor einiger Zeit bereits zugesichert, dass alle Schüler trotz Auslaufen der BOS ihre Schullaufbahn hier beenden können. Der Herr Bürgermeister Zychlinski hat mir dies persönlich in die Hand versprochen. Uns ist bewusst, dass Kosten eine große Rolle spielen aber es handelt sich lediglich um ein weiteres Jahr, nach dem dann alle Schüler ihren Förderschulabschluss beziehungsweise Hauptschulabschluss erlangt hätten", schreibt Anja Nußbicker in ihrer Funktion als Elternratsvorsitzende.Sie bittet die Verantwortlichen, nicht nur an die Kosten zu denken, sondern vor allem an die Kinder, die so sehr kämpfen, um später eine berufliche Perspektive zu haben. Einen Wechsel zur IGS im Abschlussjahr sei für die meisten Förderschüler undenkbar. Durch das Auslaufen der Hauptschule falle dann auch die Möglichkeit weg, nach erfolgreich bestandenem Förderschulabschluss, den Hauptschulabschluss zu absolvieren. Am Ende des laufenden Schuljahres 2018/19 würden voraussichtlich drei Schüler die BOS mit dem Förderschulabschluss verlassen. Im Schuljahr 2019/20 wären es acht Schüler, die an der Berthold-Otto-Schule den Förderschulabschluss erreichen könnten, aber dann keinen Hauptschulabschluss in einem weiteren Jahr anstreben könnten. Zudem blieben am Ende des Schuljahres 2019/20 noch vier Schüler übrig, die keinen Abschluss an der BOS machen könnten und für nur ein Jahr eine andere Schule besuchen müssten. Es wäre für alle Schüler sehr vorteilhaft, wenn die Berthold-Otto-Schule die Möglichkeit erhielte den Hauptschulabschluss anzubieten. Alle Kinder könnten so an der BOS entweder ihren Förderschulabschluss oder ihren Hauptschulabschluss erzielen und gemeinsam ihre Schulzeit im geschützten Rahmen mit den ihnen vertrauten Lehrern zu Ende bringen. Der Appell der Eltern lautet:
„Geben Sie auch den zwölf im letzten Schuljahr 2020/21 verbleibenden Schülern die Möglichkeit, ihren Förder- beziehungsweise Hauptschulabschluss im vertrauten Klassenverband und Umfeld an der Berthold-Otto-Schule zu erlangen!"
In seinem Antwortschreiben hat Fachbereichsleiter Jörg Clausing betont, dass die Entscheidung über eine mögliche Fortsetzung des Förderunterrichts an der Berthold-Otto-Schule der Landesschulbehörde obliege. Die schulfachliche Dezernentin, die Schulleitung der BOS und der Schulträger hätten die Sachlage gemeinsam erörtert und die Gemeinde warte auf ein Zwischenergebnis der Landesschulbehörde, bevor dem Rat mehrere Alternativen vorgeschlagen werden könnten, damit dieser über die Antragstellung bei der Landesschulbehörde entscheiden könne. Die Schulelternratsvorsitzende hat ebenfalls noch keine Reaktion von der schulfachlichen Dezernentin auf ihren Brief erhalten.