Schuh- und Zigarettenlager gestürmt

Otto Hemme (links) erzählte den Teilnehmern des Dorfspaziergangs, was sich in Elze wo während des zweiten Weltkrieges zugetragen hat. Auch am morgigen Sonntag um 16 Uhr gibt es die Führung noch einmal. Foto: A. Wiese

Gästeführer Otto Hemme kennt sich in Elzes Historie bestens aus

Elze (awi). Die Nachfrage war so groß, dass Otto Hemme gleich nach der Veröffenltichung des ers-ten Termins einen zweiten für seine Gästeführung mit dem Titel „Elze im zweiten Weltkrieg“ ansetzen musste. Anlass war die Neuerscheinung des Buches „Leben in einem Norddeutschen Dorf von 1930 bis 1950 Elze – Wedemark“. Treffpunkt der zweiten Führung ist am morgigen Sonntag, 11. November, um 16 Uhr vor dem Haus Hohenheider Straße 4 in Elze. Die Führung dauert 90 bis 120 Minuten. Da eine Strecke von etwa zwei Kilometer zu Fuß zurückgelegt wird, wird um gutes Schuhwerk und wetterbedingte Kleidung gebeten. Anmeldung unter Telefon (0 51 30) 95 17 39 oder per Mail an otto-hemme@dorf-elze.de gebeten. Es ist auf jeden Fall interessant, was Otto Hemme zu berichten hat. Er kramt dabei in der eigenen Familiengeschichte, berichtet von seinem Großvater, der Bürgermeister in Elze und in der SPD war, aber bei der Machtübernahme der Nazis in die NSDAP übertrat, um im Gemeinderat für Elze bleiben zu können. Die meisten Landwirte hätten bei der Kommunalwahl damals NSDAP gewählt, weil sie hochverschuldet waren und ihnen Entschuldung versprochen worden war. Beim Spaziergang die Hohenheider Straße entlang, erfuhren die Teilnehmer dann, wo man einen toten Polen gefunden habe, dessen Grab noch heute auf dem Elzer Friedhof zu finden sei, dessen Todesumstände jedoch nie untersucht worden seien. Otto Hemme erzählt auch von dem Zigarettenlager einer Firma aus Hannover, das bei Kriegsende von den Elzern gestürmt worden sei, weil Zigaretten damals die beste Währung waren, um etwas zu kaufen. Auch seine eigene Mutter habe für Zigaretten Lebensmittel eingetauscht. Dem Schuhlager einer hannoverschen Firma im Dachgeschoss eines Hofes an der Hohenheider Straße sei es fast genauso ergangen wie dem Zigarettenlager, aber zwei Nachbarn hätten die Verwüstung des Lagers verhindert und stattdessen die Kartons mit den Schuhen vom Dachboden heruntergekippt. Das habe zur Folge gehabt, dass alle Schuhe durcheinander flogen und alle Anwesenden sich darauf stürzten und möglichst zwei zusammenpassende Schuhe in der richtigen Größe zu ergattern. Eine regelrechte Schuhtauschbörse habe sich daraufhin in Elze entwickelt, weiß Otto Hemme schmunzelnd zu berichten. Und so gibt es zu vielen Häusern und Lokalitäten in Elze Geschichten, von Zeitzeugen belegt und von Otto Hemme fein säuberlich aufgeschrieben. Doch damit sich das Zuhören noch lohnt, wird nun an dieser Stelle nicht noch mehr von den Geschehnissen in Elze zur fraglichen Zeit ausgeplaudert.