Seit 100 Jahren Trinkwasser für Hannover

Vor dem Schmucktor ihrer ehemaligen Wirkungsstätte: Maschinist Heinz Jäkel, Maschinenschlosser Georg Schmidt und Filterwärter Otto Gleue mit Gerhard Kleinschmidt von der aktuellen Werksbesetzung. Foto: A. Wiese

enercity-Wasserwerk Elze-Berkhof lädt am Sonntag zum Erlebnistag ein

Elze (awi). Das Wasserwerk Elze-Berkhof feiert einen runden Standortgeburtstag. Seit 100 Jahren kommt Trinkwasser für Hannover aus Elze. Ein Wasserwerkstag für Jung und Alt beim Großraumentdeckertag am Sonntag, 4. September, bietet interessante und unterhaltsame Informationen rund um das Lebenselexier.
Der Erlebnistag im größten Wasserwerk der Region findet am Sonntag von 10 bis 18 Uhr statt. Vom S-Bahnhof Bennemühlen aus fährt ein regelmäßiger Busshuttleverkehr zum Wasserwerk und zurück (für selbst Anreisende: Wasserwerkstraße 33, 30900 Wedemark). Die Grundwasservorkommen des Fuhrberger Feldes sind die Hauptquelle des Trinkwassers von enercity. Mit vorbeugenden Schutzmaßnahmen sorgt enercity für nachhaltig sauberes Trinkwasser, so Sprecher Carlo Kallen. Entlang eines Parcours durch das Wasserwerk können sich die Gäste am Sonntag über die Wasseraufbereitung informieren. Förderung, Verdüsung, Filterbecken, Ultrafiltration oder Pump-anlagen werden vor Ort von Fachpersonal erklärt. Gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr bieten die Wasserwerker ein buntes Programm. Für Kinder gibt es Spiel-angebote rund ums Wasser im Freigelände und auch für einen Imbiss ist gesorgt.
enercity hat das seltene Jubiläum aber auch für einen Blick in die Historie genutzt. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Wasserwerks in Elze-Berkhof werden auch Ehemalige kommen, die einst ihren Dienst im alten Wasserwerk taten. Drei in der Wedemark wohnende Ehemalige, standen in der vergangenen Woche der örtlichen Presse für ein Gespräch zur Verfügung: Heinz Jäkel, von 1957 bis 1987 Maschinist, Georg Schmidt, von 1961 bis 1978 als Maschinenschlosser und später Vorhandwerker, sowie Otto Gleue, von 1958 bis 1992 als Arbeiter, zuletzt Filterwärter. Aus der aktuellen Werksbesetzung war Gerhard Kleinschmidt dabei, der die damals anfallenden Arbeiten im Vergleich zur heutigen Arbeitspraxis kommentierte. „Die Pumpen, die das Wasser in den fünfziger Jahren aus der Erde hoch holten wurde mit Dampfmaschinen angetrieben und diese wiederum mit Kohle beheizt: 200.000 Tonnen Kohlen jeden Monat! Diese Kohlen – meistens etwa 29 Tonnen pro Lieferung – mussten bei Wind und Wetter, im Winter auch bei eisigen Temperaturen, vom Bahnhof geholt und dort per Hand aus dem Zug umgeladen werden. Bauern aus Elze fuhren die Kohlen dann vom Bahnhof Bennemühlen zum Wasserwerk“, schilderten Otto Gleue und Heinz Jäkel anschaulich. Mit einer Tafel Blech verhinderten sie möglichst, dass die Kohlen beim Öffnen der Waggontür unter die Wagen rutschten und mühsam wieder hervor geholt werden mussten. Es sei teilweise so kalt gewesen, dass die mitgebrachten Brote gefroren waren, auf „Umwegen“ habe man sich Öl organisiert, um sich zwischendurch in einer Bretterbude am Bahnhof zumindest ein bisschen aufwärmen zu können. Dennoch betonen Gleue und Jäkel: „Es war hart, aber schön!“
Fünf Mann arbeiteten in jeder Schicht: Zwei Schlosser, ein Elektriker und zwei Filterwärter. „Ersatzteile gab es nicht. Als die Kolben von der Pumpe verschlissen waren, habe ich selbst nach meinen Entwürfen neue angefertigt“; berichtet Maschinenschlosser Georg Schmidt. Alle vier Stunden musste jede Schicht Wasserproben entnehmen, die Qualität kontrollieren und das Wasser aufbereiten. Zwischen 600 und 1000 Kubikmeter täglich wurden Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre täglich gefördert. Heute seien es 4.500 Kubimeter die Stunde, lieferte Gerhard Kleinschmidt den Vergleich. Das Wasserwerk Elze liefert seit über 100 Jahren Trinkwasser für Hannover, da die am Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden Grundwasserwerke angesichts des steigenden Wasserverbrauchs nicht mehr ausreichten. Von dem 1911 in Betrieb genommenen Werk existieren heute noch die Elzer Brunnen sowie ein Schmucktor und ein Wiegehäuschen. Das Werk selbst wurde 1968 abgerissen und die Rohwasserleitungen in das benachbarte Werk Berkhof (seit 1930 in Betrieb) eingebunden. Auch Mitte des letzten Jahrhunderts stieg der Wasserbedarf weiter derart an, dass die bisher vorhandenen Werke an ihre Kapazitätsgrenze kamen. Zwischenzeitlich wurde das Wasserwerk Fuhrberg errichtet, das 1959 seinen Betrieb aufnahm. Seit 1968 existiert das Wasserwerk Elze-
Berkhof in seiner heutigen Form. Es ist die wichtigste und leistungsfähigste Stütze der Hannoverschen Wasserversorgung, so Carlo Kallen von enercity.