Seit über 40 Jahren übt Mellendorf an der Schleuse

Zum gemütlichen Abschluss mit Grillen und Zelten trafen sich Mitglieder der Feuerwehren aus Marklendorf, Essel, Buchholz und Mellendorf am a Wochenende an der Marklendorfer Schleuse. Foto: A. Wiese
 
So sieht es seit vielen Jahren beim gemeinsamen Pumpendienst der Wehren aus Marklendorf und Mellendorf an der Schleuse aus. Foto: Feuerwehr

Wedemärker Ortsfeuerwehr kooperiert hervorragend mit Heidekreis-Feuerwehren

Mellendorf/Marklendorf (awi). „Wir machen gerade Koordinatenfahren, sind gerade in Hambühren im Landkreis Celle, heute Abend ab 20 Uhr treffen wir uns alle an der Marklendorfer Schleuse zum gemütlichen Abschluss.“ Mit diesen Worten beendet Mellendorfs Ortsbrandmeister Cord Hanebuth das Handytelefonat. Er ist im Stress. Nach Koordinaten und Karten fahren, das ist gar nicht so einfach, zumal, wenn man dabei die Digitalfunkgeräte der Heidekreisfeuerwehren benutzt. Digitalfunk, das gibt es nämlich in der Wedemark, die zur Region Hannover gehört, bislang noch nicht. Aber die Mellendorfer Feuerwehrleute kriegen auch das hin, sie finden auch alle vorgegebenen Ziele in Hambühren, Ovelgönne, Bergen-Belsen und am Hüttenseepark und Ende des Tages auch die Marklendorfer Schleuse, wo die Kameraden bereits das Basislager aufgeschlagen und die Grillwürstchen vorbereitet haben. Der traditionelle Pumpendienst an der Marklendorfer Schleuse lief nämlich diesmal ein wenig anders ab als sonst, unter anderem war nicht nur die Marklendorfer Wehr mit im Boot, sondern auch Essel und Buchholz.
Maschinisten-Ausbildung
Wie das mit der Maschinisten-Ausbildung der Feuerwehr Mellendorf an der Marklendorfer Allerschleuse vor mehr als 40 Jahren einmal angefangen hat, darüber weiß der Vater des heutigen Ortsbrandmeisters, Rolf Hanebuth, der diesen Posten selbst viele Jahre lang inne hatte, am besten Bescheid. Und natürlich ist er auch als Alterskamerad beim Schleusendienst am Wochenende mit von der Partie. „Der ehemalige Gemeindebrandmeister aus Mellendorf, Georg Henstorf, hattes sich bis zu seinem frühen Tod 1972 zur nachdienstlichen Aufgaben gemacht, mit den Kameraden die Löschwasserentnahme aus verschiedenen offenen Gewässern zu üben“, berichtet Rolf Hanebuth. Dazu waren Ausflüge in die nähere, aber auch weitere Umgebung angesagt. Hanebuth unterstützte Henstorf bei den Vorbereitungen dieser Dienste. an der Wietze bei Meitze gab es eine geeignete Übungsstelle, die Aller bei Hademstorf war ein weiteres Ziel. Hier hatten alle Kameraden die Möglichkeit, mit allen zur Verfügung stehenden Kreiselpumpen die Förderung des Löschwassers zu üben.
Marklendorfer Wehr im Boot
Nach Henstorfs Tod tauchte das Thema für mehrere Jahre nicht mehr im Mellendorfer Dienstplan auf. Erst Rolf Hanebuth fand 1974 durch den Kontakt zu seinem Schwager Manfred Lindhorst, der beim Wasserbau an der Aller beschäftigt war, eine Möglichkeit zur Durchführung der Maschinistendienste an der Allerschleuse in Marklendorf. „Nach einem ersten Gespräch mit Schleusenmeister Erwin Seifert, wurde uns zunächst einmalig der Ausbildungsdienst am 4. August 1974 an der Schleusenkammer ermöglicht“, erinnert sich Rolf Hanebuth. Zu diesem Zeitpunkt sei den Mellendorfern noch nicht klar gewesen, ob die Schleuse eigentlich zu Stillenhöfen, zu Engehausen oder aber zu Marklendorf gehörte. Der erste Pumpendienst dort fand daher ausschließlich für die Mellendorfer statt. Die Schleusentechnik erlaubte es, mit dem Wasserstand und damit den unterschiedlichen Saughöhen zu spielen. Die Mellendorfer waren auf Wiederholung dieser interessanten Übung aus und nahmen Kontakt zu Marklendorfs damaligem Ortsbrand-
meister Manfred Biermann auf. Man verstand sich auf Anhieb – übrigens auf Platt – und ein Jahr später absolvierten die Wehren aus Mellendorf und Marklendorf den Pumpendienst gemeinsam. Im Sommer nach der Gründung der Mellendorfer Jugendfeuerwehr 1985 organisierte Jugendwart Peter Rose zusammen mit der Marklendorfer Jugendarbteilung ein Zeltlager auf der Insel der Marklendorfer Schleuse und auch einige Aktive verbrachten eine Nacht im Zelt, was allen so gut gefiel, dass es noch einge Male von aktiven Kameraden im Zusammenhang mit Veranstaltungen zusammen mit den Marklendorfer Kameraden wiederholt wurde. Und so gibt es bis heute jedes Jahr im Sommer an einem Sonntag Pumpendienst an der Marklendorfer Schleuse.
Deftigs Bratwurstfrühstück
Daran hat sich auch unter den wechselnden Ortsbrandmeistern Heinrich Baumgarte, Rolf Hanebuth, Peter Rose und Holger Schmidt sowie mittlerweile unter Cord Hanebuth nichts geändert. Selbst die Frauen interessierten sich schon bald für den vielgepriesenen Dienst an der Schleuse, zumal an diesem Tag nach dem deftigen Frühstück das Sonntagsmittagessen oft ausfiel, schmunzelte Rolf Hanebuth. Die Frauen radelten mit dem Fahrrad nach Marklendorf, schauten zu und aßen mit. Auch die Marklendorfer Frauen haben stets mit großer Begeisterung an diesem Frauentermin teilgenommen. Die Marklendorfer Feuerwehr ist immer dabei, zunächst unter Manfred Biermann, dann unter der Leitung von Bernd Wichman und nun mit ihrem jungen Ortsbrandmeister Stefan Meier. Zudem hat es sich ergeben, dass die Nachbarwehren aus Buchholz und Essel sowie oft auch aus Jeversen sich anschlossen. Das ist unter anderem der Verdienst des damaligen Schwarmstedter Samtgemeindebrandmeisters aus Essel, des späteren Kreisbrandmeisters Hermann Völker, der während seiner aktiven Zeit regelmäßig die Übungen an der Schleuse besuchte. Auch sein Vorgänger im Amt des Kreisbrandmeisters, Dieter Schwarze, habe großes Interesse an der Kontaktpflege über die Regierungsbezirksgrenzen hinweg gezeigt, berichtet Rolf Hanebuth.
Alterskameraden auch dabei
Nach der Gründung der Altersabteilung der Mellendorfer Feuerwehr haben auch die Mellendorfer Senioren die Gelegenheit genutzt, am Schleusendienst der Aktiven als Gäste teilzunehmen – und das nicht nur weges des leckeren Bratwurstfrühstücks. Dabei wurde neben dem Schleusenbetrieb auch die Technik der hier wieder eingerichteten Wasserkraftanlage mit einem professionellen Führer besichtigt. Und nun erfreut sich der Pumpendienst an der Marklendorfer Schleuse schon im 46. Jahr großer Beliebtheit. Das liegt nicht nur daran, dass im Anschluss an den eigentlichen Ausbildungsdienst ein zünftiges Grillen – im Wechsel von teilnehmenden Feuerwehren organisiert – angeboten wird, ist auch Cord Hanebuth, der aktuelle Ortsbrandmeister, überzeugt. Hier spiele vor allem die Kameradschaftspflege eine wesentliche Rolle und genau das sei im landkreisgrenzenüberschreitenden Dienstbetrieb nicht unbedingt üblich.