Seniorenbeirat tagt in Bissendorf Barrierefreier Zugang zu Arztpraxen ist besonderes Anliegen

Der Seniorenbeirat tagte in Bissendorf: Günter Willers (v. l.), Helmut Lohmann, Yvonne Magers (Verwaltung), Peter Jaax, Rolf Reupke, Heiner Peterburs, Anna Beckmann, Rainer Gerth und Wolfgang Jansen. Foto: B. Stache
Bissendorf (st). Der Seniorenbeirat hatte anlässlich seiner 12. öffentlichen Sitzung am Mittwochvormittag im Bissendorfer Bürgerhaus ein umfangreiches Tagesordnungsprogramm zu bewältigen. Insgesamt 13 Tagesordnungspunkte (TOP) galt es für die sieben Beiratsmitglieder unter Vorsitz ihres Sprechers Rolf Reupke abzuarbeiten. An der Sitzung nahmen auch Yvonne Magers von der Gemeindeverwaltung sowie Heiner Peterburs als Vorsitzender des Ausschusses für Familie, Senioren, Soziales und Integration teil. Nach der Begrüßung informierte Rolf Reupke über seine Teilnahme an der Heimbeiratssitzung des Senioren- und Pflegeheims Kollmeier, wo es eine personelle Änderung in der Geschäftsführung gegeben habe. Reupke verlas zudem eine Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), die über ihre 109 Mitgliedsverbände rund 13 Millionen ältere Menschen in Deutschland vertritt und in einem Grundsatzpapier fordert, „Altersgrenzen aufzuheben und die mit ihnen verbundene Altersdiskriminierung zu beenden. Altersgrenzen werden der höchst unterschiedlichen Entwicklung der Menschen nicht gerecht und sind im höchsten Maße diskriminierend.“ Die BAGSO plädiere des Weiteren für einen erweiterten Diskriminierungsschutz im Bereich des Zugangs zu Dienstleistungen. So müssten Banken und Versicherungen zu mehr Transparenz verpflichtet werden um ungerechtfertigte Ungleichbehandlungen erkennen und verhindern zu können, hieß es in der Pressemitteilung. Der Sprecher des Seniorenbeirates berichtete über Pläne der Polizei in Mellendorf eine Arbeitsgruppe (AG) einzurichten, um Personen auszubilden, die gezielt in die Öffentlichkeit gehen und Senioren unter anderem intensiv auf Gefahren durch Trickbetrüger und besondere Verkehrssituationen hinweisen sollen. Die Seniorenbeiratsmitglieder Helmut Lohmann und Peter Jaax haben sich zur Mitarbeit in dieser AG bereit erklärt. Rolf Reupke gab neben weiteren Punkten bekannt, dass für das Haus am Teich 260.000 Euro im Haushalt 2012 für Umbaumaßnahmen eingeplant seien. Heiner Peterburs konkretisierte die Pläne, das Objekt zu einem Familien- und Seniorenzentrum der Wedemark für unterschiedliche Nutzer um- und auszubauen: „ Es ist ein multifunktionaler Raum vorgesehen, sodass dort den unterschiedlichen Belangen dieser Nutzer auch Rechnung getragen werden kann. Wir sind noch im Planungsstadium.“ Unter TOP 5 gab Peter Jaax als Geschäftsführer unter anderem eine Übersicht über die im Jahr 2011 angebotenen Fahrten des Seniorenbeirates: „Von den 21 geplanten Fahrten sind 19 durchgeführt worden, es nahmen insgesamt 652 Gäste teil.“ In diesem Jahr habe es bereits zwei von der Gemeinde subventionierte Fahrten „mit erheblich besserer Beteiligung“ gegeben, freute sich der Geschäftsführer. Ein weiterer Besprechungspunkt war die Fortsetzung der Fahrschulweiterbildung für Senioren. Die im vergangenen Jahr erfolgreich gestartete Zusammenarbeit mit Günter Traupe von der Fahrschule Kehlert-Buckel GmbH werde am 11. und 13. April sowie am 18. und 20. April 2012 fortgesetzt. An den beiden Terminen würden vor allem Kenntnisse bei den Senioren aufgefrischt, die wenig mit ihrem Auto unterwegs seien. Die Wedemärker Optiker führten in diesem Zusammenhang kostenlose Sehtests durch, hieß es. TOP 6 beschäftigte sich mit der Verkehrssituation am Pflegeheim Curata in Abbensen. Auf der Kreisstraße, vor allem von Dudenbostel kommend, werde auf Höhe des Pflegeheims zu schnell gefahren, kritisierte Peter Jaax. Dies stelle unter anderem eine nicht hinnehmbare Gefahr für die Heimbewohner und das Pflegepersonal dar, die auf dem Weg zwischen den Gebäuden für die Patienten und der Verwaltung die Straße queren müssen. Der Seniorenbeirat formulierte nach intensiver Diskussion folgenden einstimmig angenommenen Antrag an die Verwaltung: Zur Beruhigung der Verkehrssituation vor dem Pflegeheim Curata wird beiderseits des Heimbereiches der Einbau einer Verjüngung der Straße oder auch eine Verkehrsinsel gefordert, damit die Fahrzeuge dort automatisch ihre Geschwindigkeit reduzieren müssen, zwischen beiden Heimgebäuden solle eine Zebrastreifen oder eine ähnliche Kennzeichnung angebracht, das Ortsschild Abbensen versetzt und der Bereich zur 30 km/h Zone erklärt werden. Zum Sachstand der 3. Auflage des Seniorenwegweisers informierten Peter Jaax und Rainer Gerth. Der erste Entwurf liege derzeit zur Prüfung und Überarbeitung vor, Korrekturen seien bis zum 14. Februar einzuarbeiten. Die Veröffentlichung des Heftes werde zum 20-jährigen Jubiläum des Seniorenbeirates anlässlich der nächsten Sitzung am Mittwoch, 4. April 2012, um 16 Uhr im Bürgerhaus Bissendorf erfolgen. Breiten Raum nahm anschließend das Thema „Barrierefreier Zugang zu Arztpraxen“ ein. Die Wedemärker Bürgerin Gabriele Wolff schilderte eindrucksvoll ihre nicht immer positiven Erfahrungen als Rollstuhlfahrerin bei Arztbesuchen: Fehlende Haltegriffe auf der Toilette und nach innen aufgehende Toilettentüren wurden als Negativbeispiele genannt. Arztpraxen mit fehlender Barrierefreiheit seien für sie tabu, erklärte Gabriele Wolff. „Diese Problematik soll in die Öffentlichkeit getragen werden“, sagte Rolf Reupke und Heiner Peterburs akzeptierte den Vorschlag für eine Bestandsaufnahme zur Barrierefreiheit in Arztpraxen der Wedemark: Mit einem Schreiben an die Ärzteschaft solle der Besuch eines Vertreters des Seniorenbeirates angekündigt werden. Über einen anderen „Sorgenfall“ berichtete Paul Büchner aus Meitze, der bei der Beschaffung von 20 Tabletten eine wahre Odyssee erlebte, die ihn abends nach regulärem Geschäftsschluss bis zu einer Apotheke nach Stöcken führte. Seniorenbeiratsmitglied Wolfgang Jansen wird sich des Themas Apotheken-Notdienst in der Wedemark annehmen und mit den Wedemärker Apothekern das Gespräch suchen. Weitere Themen der Sitzung waren: der Wunsch von Beiratsmitglied Anna Beckmann nach Besichtigung der Seniorenwohngemeinschaft in Bissendorf-Wietze sowie weiterer Einrichtungen zum seniorengerechten Wohnen in der Wedemark. Der Bericht von Günter Willers über seinen Besuch des Alten- und Pflegeheims „Hoffnung“ in Elze und die Teilnahme von Helmut Lohmann an der Sitzung des Bauausschusses zum Thema Osterberg Resse und neu geplanter Sportplatz in Mellendorf. Lohmann informierte zudem aktuell über Planungen zum Anbau am Seniorenheim Stadtgarten in Bissendorf. Nachdem Peter Jaax die 14-tägigen Warmbadefahrt-Termine des Seniorenbeirates von Freitag, 17. Februar bis Freitag, 27. April, bekanntgegeben hatte, beendete Rolf Reupke nach gut zwei Stunden die Sitzung mit einer humorvollen Geschichte zum Thema „Wertsack“.