Sennheiser kommt gestärkt aus der Wirtschaftskrise

Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Jörg Sennheiser und Unternehmenssprecher Volker Bartels führten durch die Bilanzpressekonferenz.

Umsatz und Gewinn erreichen 2010 Rekordhoch in der Firmengeschichte

Wennebostel (hhs). Es waren mehrere wichtige Botschaften, die das Wennebosteler Familienunternehmen Sennheiser am Mittwoch dieser Woche anlässlich der jährlichen Bilanzpressekonferenz preisgab. Die wichtigsten davon vorweg: Der Audiospezialist aus Wennebostel hat im vergangenen Jahr die Wirtschaftskrise gestärkt verlassen und seinen Umsatz um gut 20 % auf 468,2 Millionen Euro gesteigert. Der Firmengewinn folgte dieser Entwicklung auf 23,6 Millionen nach Steuern. Im Wirtschaftsjahr zuvor hatte er 3,8 Millionen Euro erreicht. Sennheiser will weiter vorsichtig agieren und nicht vor 2013 das geplante Customer Center auf dem Betriebsgelände in der Wedemark angehen, und letztlich aber wesentlich: Die Familie Sennheiser hat in den vergangenen Monaten eine Familien Charta erarbeitet, in der die Grundzüge des gegenseitigen Umgehens miteinander festgeschrieben sind, die Firmenziele formuliert und der Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geregelt ist.
„Das ist ein phantastisches Ergebnis“, freute sich Volker Bartels, Geschäftsführer und Sprecher der Unternehmensleitung bei Sennheiser, als er die Zahlen für das vergangenen Jahr veröffentlichte. Sennheiser habe in der Wirtschaftskrise in Ruhe weiter gearbeitet und die Investitionen nicht zurückgeschraubt. In der zweiten Jahreshälfte 2010 sei das Geschäft wieder stark in Gang gekommen, habe es im Betrieb keinerlei Anlaufschwierigkeiten gegeben und es hätten sich insbesondere in Asien die Vertriebswege über die eigenen Niederlassungen bewährt. „Normalerweise endet unser Jahresgeschäft knapp vor Weihnachten“, so Bartels weiter. „Aber es hat sich ungebrochen fortgesetzt bis in dieses Jahr hinein“. Kopfhörer von Sennheiser bringen 35 % des Umsatzes und haben sich damit zum wichtigsten Segment des Audiospezialisten gemausert, darauf folgen drahtlose Mikrophone mit 26 % und an dritter Stelle sogenannte „Hörsprechgarnituren“ mit 8 %. Auch in diesem Jahr „sei man sehr gut unterwegs“.
Jörg Sennheiser, Aufsichtsratsvorsitzender, erklärte, der Umsatz stehe bei Sennheiser nicht im Mittelpunkt. Viel wichtiger sei die Profitabilität und sorgsames Wirtschaften. Das Unternehmen beschäftige weltweit 2117 Mitarbeiter, davon 1153 in Deutschland. Das sind insgesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger als im Vorjahr. Man habe einige Arbeitsplätze, die aus Altersgründen frei geworden waren, nicht wieder neu besetzt. In einigen Produktionsbereichen hätten sich die Anforderungen an die Arbeitskräfte stark verändert, man habe Neubesetzungen vorerst durch betriebliche Umstrukturierungen kompensiert, so Jörg Sennheiser.
In den vergangenen Jahren habe Sennheiser auf alle vermeidbaren Investitionen verzichtet. Diese Linie werde das Unternehmen vorerst auch weiter verfolgen, erläuterte Jörg Sennheiser weiter. Der Neubau des sogenannten Customer Centers auf dem Firmengelände in Wennebostel werde zunächst auch nicht weiter betrieben. Sennheiser habe sein Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren stark umstrukturiert und damit den Anforderungen der drei wesentlichen Kundenbereiche angepasst. Nun müssten auch die Planungen für den Neubau der Betriebsumstrukturierung angepasst werden, und Sennheiser müsse weiter sparen, um den Neubau weitgehend aus eigenen Erträgen zu finanzieren.
Die Familie Sennheiser hat bin den vergangenen Monaten eine sogenannte „Familiencharta“ ausgearbeitet, in der sie den grundsätzlichem Umgang miteinander und die Grundsätze der Unternehmensführung festgeschrieben hat. Hier sind die Werte und Ziele formuliert, mit denen die Familie das Unternehmen zukunftsfähig erhalten will. Zunächst: Sennheiser in Wennebostel wird ein Familienunternehmen bleiben. Ebenso soll das Unternehmen das Premium-Segment bei Mikrophonen, Kopfhörern und Hörsprechgarnituren bleiben. Die Charta baue auf dem Vertrauen innerhalb der Familie auf. „Die Familie steht für Tatkraft, Fairness und Sparsamkeit“, erläuterte es Jörg Sennheiser. Die Charta gelte für die fünf Gesellschafter, Jörg Sennheiser, seine beiden Söhne Daniel und Andreas, die unterdessen in die Unternehmensleitung eingetreten sind, sowie für seine Tochter Alannah und seine Schwester Karin und auch für deren Lebenspartner und Kinder. „Die Familie Sennheiser wird immer größer“, schmunzelte Jörg Sennheiser. Die Familie bekennt sich in der Charta zu den Notwendigkeiten von Veränderungen. „Wandel ist die Quelle für Erneuerung“, brachte es Sennheiser auf den Punkt. „Dazu gehört auch die kreative Zerstörung alter Regeln“, kündigte er an und fügte letztlich bei: „Aber mit Respekt!“ Auf diese Weise wollen die Gesellschafter für ein reibungsloses Miteinander von Familie und Geschäft sorgen. „Wir haben in der Charta die Grundsätze und Grundwerte der Familie ebenso benannt wie die Grundsätze, Ziele und Richtlinien für das Management. Das Familienunternehmen solle in Zukunft operativ von der Familie und von externen Spezialisten geleitet werden. „Nicht die Herkunft entscheidet, sondern die Leistung“, so Jörg Sennheiser. Der Auftrag laute, das Familienunternehmen Sennheiser als internationales Unternehmen so aufzustellen, dass sich in ihm die Vielfalt der Kulturen und Märkte widerspiegele.