Sexueller Mißbrauch auch Thema für Grundschulen

Initiatoren und Theaterpädagogen: Bürgermeister Helge Zychlinski (von links), Jörg Clausing, Fachbereichsleiter für Schulen und Kindertagesstätten, Cord Gerdes Dallapozza und Frouwa Kebschull von der Theaterwerkstastt, KiTa-Leiterin Bärbel Stöcker und Natalie Kunze, Sachbearbeiterin Team Schule/Sport. Foto: E. Rodenbostel

Mein Körper gehört mir – Theaterpädagogische Werkstatt klärt auf

Bissendorf (er). Im Auftrag der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück (tpw osnabrück) sind in verschiedenen Regionen Deutschlands über 50 Spielpaare vorwiegend in Grundschulen unterwegs, um mit ihren Aufführungen die Kinder über die Rechte auf ihre eigenen Gefühle aufzuklären und der eigenen Wahrnehmung zu trauen. Außerdem werden Hilfsmöglichkeiten gezeigt, wie sich die Kinder bei ihnen unangenehmen Situationen verhalten können, oder wo es Hilfe gibt. Das Präventionstheaterstück heißt: „Mein Körper gehört mir.“ Es besteht aus drei Teilen und baut inhaltlich aufeinander auf. Die tpw osnabrück ist der einzige Anbieter dieses Präventionsprogramms, das seit über 25 Jahren aufgeführt wird.
Der erste theaterpädagogische Elternabend wurde vom Bürgermeister Helge Zychlinski im Bürgersaal in Bissendorf eröffnet. Er betonte: „Die Gemeinde ist in diesem Jahr mit eingestiegen, die Schulen in ihrer Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu unterstützen. In den Schulen der Wedemark gibt es die Programme zur Stärkung der Kinder schon seit über 15 Jahren. In diesem Jahr bekommen Eltern das erste Mal mehr Informationen an die Hand. Wir möchten Ihnen zeigen, was ihre Kinder im Unterricht sehen werden. Als Gemeinde wollen wir die Augen vor dem Thema nicht verschließen und helfen, vor sexuellem Missbrauch zu schützen.“
Bärbel Stöcker, Leiterin der Kindertagesstätte Resse und früheres Vorstandsmitglied des Vereins „Gegenwind“ hat die Aufführungen schon viele Jahre begleitet und maßgeblich gefördert: „Kinder brauchen Eltern und Kitas, Schulen und eine politische Gesellschaft, die sich traut, Verantwortung zu übernehmen.“ Sie bedankte sich ausdrücklich bei der Gemeinde für die finanzielle Unterstützung und meinte: „Sexualaufklärung und das Wissen um den eigenen Körper ist unerlässlich, denn nur wer gut informiert ist, kann sich schützen. Das Theaterstück ist ein Baustein der Prävention und zeigt, wie Kinder gut informiert werden können. Kinder sind unsere Zukunft und daher jede Investition in Zeit und Geld wert!“
Die Rechte und die Schuldlosigkeit der Kinder spielen die zentrale Rolle. Verschiedene theaterpädagogische Programme werden in den Schulen aufgeführt. Zugeschnitten, auf den Wissenstand der Kinder. Sie werden in leichte, verständliche Sprache und Szenen verpackt und immer geht es um Grenzüberschreitungen. Die eigenen Gefühle – „ja“ oder „nein“ Gefühle zu einer Situation und dem Vertrauen auf die eignen Gefühle. Die Situationen werden behutsam angedeutet und abschließend mit den Kindern besprochen. Dabei gibt es viel Raum für Interaktion und für die Fragen der Kinder.
Die Lerneffekte der verschiedenen Szenen sind: Nein sagen, wenn du ein „Nein-Gefühl“ hast. Frouwa Kebschull, Theaterpädagogin und Klinikclown und auch schon seit gut 10 Jahren mit diesem Programm unterwegs: „Nur du kannst entscheiden, ob du das Gefühl schön oder nicht schön findest. In der Öffentlichkeit ist es wichtig, sich zu trauen laut „Nein!“ zu sagen, dann kann es jemand hören und helfen. Weglaufen und Hilfe holen sind gute Möglichkeiten sich zu schützen.“
Die Kinder lernen den Begriff „Sexueller Mißbrauch“ kennen. Theaterpädagoge Cord Gerdes Dallapozza ist selbst schon seit 13 Jahren mit den Aufführungen in der Wedemark unterwegs. Er bezieht die zuschauenden Kinder mit ein: „Stell dir nur drei Fragen: Habe ich dabei ein „Ja“ oder ein „Nein-Gefühl“? Weiß jemand wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche? Beantwortest du eine Frage mit „Nein“ – kannst du nicht mit Menschen mitgehen.“
Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, über die Situation zu sprechen. Die Kinder müssen sich Hilfe holen – auch, wenn es einmal länger dauern sollte, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Und egal, wie die Familiensituation hinterher aussieht oder wie schwierig es wird. Es ist mutig, auf sein eigenes Gefühl zu vertrauen und es zu sagen. Cord Gerdes-Dallapozza: „Kinder stärken durch Aufklärung zu Situationen Sexueller Gewalt/ Sexuellen Mißbrauchs – das ist das Ziel unserer Arbeit.“
Kinder und Jugendliche können sich Hilfe bei der Nummer gegen Kummer holen. Dort sind Menschen am Telefon, die sich mit den Problemen auskennen und beraten. Der Name muss nicht genannt werden und es kostet nichts. Die Nummer ist montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter den bundeseinheitlichen Rufnummern 116 111 erreichbar. Auch für Eltern gibt es eine Beratungshotline 08001110333, die Anonymität garantiert und Hilfe bietet.