„Sie müssen einfach penetrant sein“

„Die Schranken müssen weg und eine Autobahnauffahrt in Bissendorf-Wietze her, sonst gibt es mittelfristig ein verkehrspolitisches Desaster auf Wedemarks Straßen“, sind sich die FDP-Politiker Erik van der Vorm (von links), Grigorios Aggelidis (Bundestagsabgeordneter), Christian Jung (Berichterstatter für den Bundesverkehrswegeplan in der FDP) und Andrea Giese einig. Foto: A. Wiese

FDP will Verkehrsproblematik jetzt per Facebook-Gruppe zuleibe rücken

Wedemark (awi). „Ich hab die Faxen dicke, dass hier trotz eindeutiger Gutachten nichts passiert bezüglich Schrankenschließzeiten und Verkehrsbelastung in der Wedemark“, sagt FDP-Ratsherr Erik van der Vorm und hat sich jetzt Unterstützung aus den eigenen Reihen, aber von ganz oben, geholt: Die FDP-Bundestagsabgeordneten Grigorios Aggelidis aus Neustadt und Christian Jung aus Karlsruhe. Der ist Berichterstatter seiner Partei für den Bundesverkehrswegeplan und wie sein Bundestagskollege mit den Kommunalpolitikern Erik van der Vorm und Andrea Giese einer Meinung: „Die Bahnübergänge müssen weg, die Autobahnauffahrt Bissendorf-Wietze muss her!“
Ungeklärte Verkehrsprobleme führten zu Stillstand in der Wirtschaft, warnt Christian Jung beim Pressetermin am Freitagabend im Bürgerhaus. Verkehr ist ein Standortfaktor, die Wedemark mit der L 190 als Dauerumleitungsstrecke für Gewerbebetriebe nicht mehr attraktiv. Eine zusätzliche Autobahnabfahrt für die A 352 bei Bissendorf-Wietze, wie sie Erik van der Vorm vorgeschlagen hat, aber dafür von den großen Fraktionen einschließlich Verwaltungsspitze nur belächelt worden ist, könnte den Verkehr schneller abfließen lassen. „Und so teuer ist eine vereinfachte oder temporäre Autobahnausfahrt doch heute gar nicht mehr, vielleicht ein bis zwei Millionen Euro“, sagt Christian Jung. Der Karlsruher ist heute mit dem Neustädter Bundestagsabgeordneten Grigorios Aggelidis unterwegs, doch mit der Wedemärker Verkehrsproblematik wurde er vor gar nicht allzu langer Zeit schon einmal persönlich konfrontiert, als er der Firma Sennheiser einen Besuch abstattete. „Gefühlt standen wir ewig an den Bahnübergängen. Ich habe nur gedacht, das geht ja gar nicht“, erinnert sich der FDP-Bundestagsabgeordnete. Seine Vorschläge für die politischen Gesinnungsgenossen vor Ort sind pragmatisch: „Man braucht Einigkeit und den politischen Willen, dann werden die Kos-ten ermittelt und die Entscheidung getroffen!“ Und die Menschen müssten ihre Betroffenheit zeigen, zum Beispiel in einer Facebook-Gruppe, wo sofort ein Bild gepostet wird, sobald wieder jemand im Stau am Bahnübergang steht. „Am bes-ten die Fotos gleich denjenigen schicken, die außerhalb von Wahlen nichts machen und daraufhinweisen, wieviel Zeit sie an diesen Bahnschranken täglich verlieren“, rät Jung. Sein Vorschlag: „Organisieren Sie Veranstaltungen an den Schranken, am besten einen Flash-Mob!“ Die Bahn müsse ganz direkt auf die Problematik angesprochen werden. „Es gibt Bundesmittel für die Beseitigung von höhengleichen Bahnübergängen. Klären Sie, welche in diesem Fall fließen können“, setzt auch Aggelidis nach. Der Neustädter ist gerade auf dem Weg zum Treffen mit einer Bürgerinitiative in Neustadt, die in ihrer Flächengemeinde genau das erreichen will. „Das darf man nicht auf sich beruhen lassen. Man muss zusehen, wie man zu einer Optimierung kommt, um die Lebensqualität der Menschen hier wieder zu erhöhen“, sagt der Bundestagsabgeordnete für diesen Wahlkreis. Im ländlichen Raum müssten Individualverkehr, ÖPNV und Fahrradverkehr ineinandergreifen. Davon sei die Wedemark noch weit entfernt. Jede Schranke in der Wedemark sei in 60 Minuten 15 Minuten geschlossen, bringt van der Vorm die Zahlen aus dem Verkehrsgutachten ins Spiel. Seine Überzeugung: „Die großen Fraktionen wissen genau, dass hier was passieren muss. Aber das kostet Geld, auch für die Gemeinde, und darum fokussieren sie sich aufs Fahrradkonzept, das kos-tet nicht so viel und sie können sagen, dass sie was gemacht haben.“
In Bissendorf und Mellendorf ständen die Autoschlangen bei geschlossenen Schranken ab donnerstags mittags bis in die Ortsmitte und auch in Elze werde es virulent werden, sobald dort die neuen Baugebiete besiedelt seien. Die Wedemärker sollten ihren CDU-Bundestagsabgeordneten Hoppenstedt ansprechen, so Aggelidis und Jung, der habe seinerzeit Lärmschutz für Bissendorf-Wietze gefordert. Doch nach der Wahl sei nichts mehr davon zu hören gewesen. Im Zuge eines Neubaus einer Autobahnauffahrt könne diese Forderung umgesetzt werden. „Ich bin wirklich irritiert. Immer nur Ankündigungspolitik und Showtermine. Dieses Thema hier ist doch nicht erst seit gestern ein Problem in der Wedemark. Fahrradwege lösen die Probleme nicht. Und die Regel, dass es nur alle 15 Kilometer eine Autobahnausfahrt geben sollte, ist veraltet und anachronistisch“, so Christian Jung. Am Ende geht er mit seinen Parteifreunden mit den gegenseitigen Zusagen auseinander, dass die betroffene Bevölkerung mobilisiert, und Gemeinde, Region und Land zu einem gemeinsamen Standpunkt bewegt werden, denn Einigkeit ist wichtig. Die Kommunalpolitiker werden von unten bohren, die Bundestagspolitiker von oben nachsetzen und auch die Landes-FDP mit ins Boot holen. „Zwei bis drei Jahre rödeln und Bündnispartner einsammeln“, dann müsste es klappen“, so der Konsens der FDP-Politiker.