Siebte „Landpartie Heidekreis“ erneut gelungen

Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller. (Foto: Heidekreis)
 
Dr. Peter Rebhan, Johannes Köhler und Dr. Fabian Riekenberg (von links). (Foto: Heidekreis)
 
Maximilian Brandes zusammen mit Dr. Wulf Wöhler. (Foto: Heidekreis)

Drei Medizinstudenten geben Einblicke in das Projekt

Heidekreis. Landärzte werden knapp. Das wird allenthalben berichtet. Wenn auch die
Versorgung im Heidekreis noch gut ist, gilt es für die Zukunft vorzusorgen und den
Medizinernachwuchs zu motivieren, auf dem Lande eine Praxis zu eröffnen. Der Heidekreis hat dazu ein umfangreiches Förderprogramm aufgelegt. Ein Baustein ist das Projekt „Landpartie Heidekreis“, das jungen Studentinnen und Studenten der Humanmedizin das Landarztleben näher bringen soll. Durch das Projekt kommen Studenten aus Hannover im Rahmen ihres vierzehntägigen Blockpraktikums Allgemeinmedizin in den Heidekreis. Während dieser Zeit lernen sie die Tätigkeit in einer Hausarztpraxis auf dem Land und den Landkreis selbst kennen. Die jungen
Menschen werden von engagierten Hausärzten begleitet und ausgebildet. Das Kooperationsprojekt „Landpartie Heidekreis“ mit der Medizinischen Hochschule Hannover und den akademischen Lehrpraxen im Landkreis wird seit einigen Jahren erfolgreich durchgeführt. Im November 2020 waren drei Medizinstudenten im Heidekreis und begleiteten Hausärzte unter erschwerten Bedingungen aufgrund des Coronavirus bei ihrer täglichen Arbeit. Wie ist es den jungen Männern ergangen und welche Erfahrungen wurden mitgenommen? Maximilian Brandes, Johannes König und Johannes Teller haben ihr Praktikum in den Praxen von Dr. Wulf Wöhler aus Schneverdingen, Dr. Peter Rebhan und Dr. Fabian Riekenberg und Dr. Claudia Hölzenbein aus Soltau absolviert und haben sich folgenden Fragen gestellt:
• Wie sind darauf gekommen, an der Landpartie teilzunehmen?
Brandes: Die Landpartie erschien als guter Ausblick auf eine ländliche Niederlassung, die ich mir für mein Berufsleben auch vorstellen könnte.
König: Mich hat es überzeugt, für ein Praktikum unseren Uniklinik-Kosmos verlassen zu
können, zumal es schlussendlich wirklich bereichernd war, die Patientinnen und Patienten mit
ihrem großen Spektrum an Konsultationen relativ ungefiltert erleben zu können.
Teller: Ich habe mich über Kommilitoninnen und Kommilitonen und gute Berichte informiert und wollte die gute Möglichkeit, Medizin auf dem Land kennenzulernen, nutzen.

• Haben Sie sich bewusst für den Heidekreis entschieden?
Teller: Leider gab es keine Auswahl mehr, da wir aufgrund eines Fehlers des Studien-
dekanats verspätet eingeteilt wurden, rückblickend haben wir aber alles richtig gemacht.

• Was hat Sie überrascht?
Brandes: Das sehr persönliche Verhältnis zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient, die sich teilweise bereits seit Jahrzehnten kannten und häufig sogar per du miteinander umgegangen sind.
König: Ehrlicherweise wurden meine Erwartungen bestätigt.
Teller: Ich hatte schon eine besondere Stellung des Arztes/der Ärztin im Ort erwartet und auch, dass die Bedeutung viel größer ist als in der Stadt, aber diese wurde noch mal
übertroffen. Auch die Vernetzung im Dorf, allein wie schnell es sich rumgesprochen hatte, das wir Medizinstudenten da sind, hat mich doch überrascht. Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass wir sehr herzlich aufgenommen wurden und auch die Organisation top war. Überraschend war auch, dass mehr Patientinnen und Patienten in die Praxis gekommen sind als in dem letzten Zeitraum des "Lockdowns", da damals ja viele ihren Termin absagten. Die immer noch vorhandenen nicht ganz klaren Aussagen und Regelungen für den Umgang mit der Corona-Pandemie haben mich verwundert.

• Was hat Ihnen Freude gemacht?
Brandes: Das große Vertrauensverhältnis, das spürbar zwischen Patientin und Patient und Ärztin und Arzt herrschte.
König: Ich war erfreut zu sehen, dass es auch eine Medizin gibt, die weit persönlicher sein kann als zumeist erlebt.
Teller: Die gesamte Zeit war wirklich spannend, da es eine andere Welt war und man ganz andere und auch neue Einblicke in die Medizin bekam. Auch die Motivation, uns sehr unterschiedliche Orte (Pflegeheim, Hausbesuche, Hospiz) zu zeigen, war sehr gut. Die Arbeit in der Allgemeinmedizin in allen Facetten kennengelernt zu haben, habe ich als sehr gewinnbringend erlebt.

• Was haben Sie gelernt/erfahren?
Brandes: Hauptsächlich die Kommunikation und Vermittlung, die bei der hausärztlichen
Versorgung so wichtig ist.
König: Die beiden Ärzte (Dr. Rebhan und Dr. Riekenberg) konnten tatsächlich einiges an Verfahrensweisen und Erfahrungswerten zum Besten geben. Da sind Lehrbücher klar im Nachteil.
Teller: Ich habe eine sehr empathische und weitreichende Arzt-Patient-Beziehung erlebt und eine gut strukturierte Praxisarbeit mit allen Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit kennengelernt. Die Arbeit während einer Pandemie in einer Praxis und die Erkenntnis, welche Bedeutung ein Arzt/eine Ärztin auf dem Land hat und wie eng alles vernetzt ist, waren schon etwas Besonderes.

• Wie haben die Patientinnen und Patienten auf Sie reagiert?
Brandes: Insgesamt sehr freundlich und offen, meist sogar erfreut darüber, dass junge
Studierende sich in ihrem Landkreis weiterbilden.
König: Ausnahmslos positiv bis neutral. Ablehnung habe ich nicht zu spüren bekommen.
Teller: Es haben zum überwältigenden Teil alle sehr positiv reagiert und sich gefreut, dass junge Medizinstudierende in ihren Landkreis kommen und die Hoffnung geäußert, dass man doch später dort auch arbeiten solle.

• Würden Sie die „Landpartie Heidekreis“ weiter empfehlen?
Brandes: Auf jeden Fall. Studium und Lehre außerhalb der heimischen Wohlfühlzone zu
genießen, lohnt sich immer. Zudem ist das Verhältnis auch zu anderen beteiligten Lehrpraxen sehr gut gewesen, sodass wir richtig eingegliedert waren. So war die Landpartie eine gute Mischung aus Praxis und zweiwöchigen Ausflug.
König: Definitiv.
Teller: Ich würde die „Landpartie Heidekreis“ auf jeden Fall weiterempfehlen, da es ein sehr spannender und abwechslungsreicher Einblick ist. Man lernt noch mal eine ganz andere Art der Medizin kennen. Auch das Engagement und die Motivation der Lehrärztinnen und Lehrärzte sind wirklich herausragend. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.


Anlage: 3 Fotos

- Maximilian Brandes zusammen mit Dr. Wulf Wöhler
- Dr. Peter Rebhan, Johannes Köhler und Dr. Fabian Riekenberg (von links)
- Dr. Claudia Hölzenbein und Johannes Teller