Soziales Engagement als Lebensaufgabe

Die Bundesverdienstkreuzempfängerin Margarete Keiser (Dritte von links) mit Ute Rodehorst (von links) vom Ambulanten Hospizdienst, Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski, Margarete Keiser, der stellvertretenden Regionspräsidentin Petra Rudszuck, der früheren Tengelmann-Ausbildungsleiterin Sigrid Siebke, Superintendent Holger Grünjes und Elzes Ortsbürgermeister Jürgen Benk nach der Ordensaushändigung. Foto: A. Wiese

Bundesverdienstkreuz für Margarete Keiser aus Elze

Elze (awi). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Margarete Keiser aus Elze in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um das Allgemeinwohl die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Am Freitag überreichte die stellvertetende Regionspräsidentin Petra Rudszuck Margarete Keiser im Regionshaus die besondere Auszeichnung im Beisein geladener Gäste, zu denen unter anderem Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski, Elzes Ortsbürgermeister Jürgen Benk, Superintendent Holger Grünjes und Ute Rodehorst vom Ambulanten Hospizdienst gehörten.
Keiser hat sich zehn Jahre lang im Bereich der Kommunalpolitik eingesetzt und engagiert sich seit 18 Jahren im kirchlichen und sozialen Rahmen. Bereits in den 1980er-Jahren war Margarete Keiser ehrenamtlich tätig. Von 1984 bis 1991 hat sie die Aufgaben einer ehrenamtlichen Richterin am Arbeitsgericht Hannover und ab 1992 bis 1999 am Landesarbeitsgericht Niedersachsen wahrgenommen, verlas Petra Rudszuck die Laudatio des Regionspräsidenten. 1991 sei Keiser in den Rat der Gemeinde Wedemark gewählt worden und bis 2001 Ratsmitglied der SPD gewesen. Während dieser Zeit habe sie im Personalausschuss und im Ausschuss für Umwelt und Planung mitgewirkt. Von 1991 bis 2001 war Margarete Keiser auch Mitglied des Ortsrates Wedemark II (Elze und Meitze). Dort habe sie sich aktiv für die Belange der Bürger der beiden Ortsteile eingesetzt. Des Weiteren sei sie seit vielen Jahren in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen tätig.
Ehrenamtliche Sterbebegleiterin
Von 2000 bis 2012 war sie Mitglied des Kirchenvorstandes und Mitglied des Diakonie- und Seelsorge- Ausschuss im Kirchenkreis Langenhagen-Wedemark. Zudem beteilige sich Keiser seit über zehn Jahren an der Vorbereitung und Durchführung des Mehrgenerationenessens, einer fünfmal im Jahr stattfindenden Veranstaltung, die das Kennenlernen und den gegenseitigen geselligen Austausch der Gemeindemitglieder fördert. Seit 2012 unterstütze sie auch den Besuchsdienst der Kirchengemeinde. Ebenfalls seit 2012 arbeitet die Elzerin beim Ambulanten Hospizdienst Burgwedel - Isernhagen - Wedemark mit. 2013 habe sie die Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin absolviert und begleite seitdem Schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Darüber hinaus unterstütze sie die Arbeit der Langenhagener Tafel. Seit der Eröffnung der Ausgabestelle im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen im Jahr 2016 beteilige sie sich an der wöchentlich stattfindenden Tafelausgabe. „Frau Keiser hat sich in den vergangenen 27 Jahren beständig und uneigennützig insbesondere für schwache und kranke Menschen in der Gemeinde Wedemark eingesetzt. Damit hat sie sich in besonderer Weise um das örtliche Gemeinwohl verdient gemacht. Die über Jahrzehnte geleistete ehrenamtliche Arbeit findet mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland die ihr gebührende Würdigung und Anerkennung“, so Rudszuck vor den applaudierenden Gästen der Ordensaushändigung am Freitag im Regionshaus.
„Mehr als verdient“
Als zweiter Redner gratulierte Bürgermeister Helge Zychlinski Margarete Keiser ganz herzlich und erklärte: „Du hast es dir mehr als verdient!“ Er bemühte in seiner Rede den von Thomas von Aquin geschaffenen Begriff der „bonum commune“, wo es um Gemeinwohl als zentrales Prinzip einer Gemeinschaft gehe. Margarete Keiser sei ein sehr typisches Beispiel für diese Art engagierter Menschen. Sie habe ihren Mitmenschen immer zugehört und ihre Probleme ernst genommen, sich für die „bonum commune“ in der Wedemark eingesetzt, im Ortsrat- und Gemeinderat, im Kirchenvorstand und jetzt unter anderem in ihrer Funktion für den Ambulanten Hospizdienst.
Er selbst habe sie kennengelernt, so Zychlinski, als er als 14-Jähriger in die SPD eingetreten sei. Damals habe Keiser die SPD-Abteilung Elze-Meitze geleitet und ihn in die für ihn gänzlich neue Welt der Partei eingeführt, in der er das jüngste Mitglied gewesen sei. Auch bei ihrem Engagement im kirchlichen und sozialen Rahmen habe sie die Brücke zur weltlichen Gemeinde geschlagen, sich für das Generationenessen, als ehrenamtliche Richterin und für die Langenhagener Tafel engagiert. Schwerkranke und Sterbende zu begleiten sei eine herausragende Aufgabe, die eine „dramatische emotionale Herausforderung“ darstelle. Ihrem Engagement gehöre sein allergrößter Respekt, bezeugte Bürgermeister Helge Zychlinski Margarete Keiser. Und ihr nächstes Projekt habe sie bereits in Angriff genommen: Auf dem kirchlichen Friedhof wolle sie einen Ort für das Begräbnis von „Sternenkindern“ – ungeborene Kinder – einrichten und demnächst der Öffentlichkeit präsentieren. „Bleib bitte so wie du bist, inspiriere deine Mitbürger mit deiner Leidenschaft“, bat Zychlinski Keiser.
Ortsbürgermeister Jürgen Benk gratulierte Margarete Keiser im Namen des Ortsrates Elze-Meitze zu der hohen Auszeichnung und dankte ihr für ihr jahrzehntelanges Engagement „zugunsten der Menschen in unseren Dörfern und unserer Gemeinde“. Benk zitierte aus der Handreichung zur Verleihung des Verdienstordens: „Die reine Erfüllung von Berufspflichten oder die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten allein genügen nicht für eine Verleihung eines Verdienstordens. Die ehrenamtliche Tätigkeit muss mit großem persönlichem Einsatze unter Zurückstellung eigener Interessen längere Zeit ausgeübt worden sein.“ Diesen Vorschriften werde Margarete Keiser mit ihrem ehrenamtlichen Wirken mehr als gerecht. Wie ein roter Faden ziehe sich das vorrangig soziale Engagement durch ihr Leben. Es seien die Menschen, die Margarete Keiser wichtig sind und ebenso die Frage: „Was kann ich für die Menschen tun?“
Vielseitig engagiert
Sie sei jedoch nicht nur engagiert gewesen in der Arbeitswelt als Betriebsrätin und Betriebsratsvorsitzende zusätzlich zu ihren beruflichen Aufgaben als ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht und am Landesarbeitsgericht, so Jürgen Benk. Sie habe auch in der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD als Vorsitzende und Gründerin des ersten Behindertenbeirates der Wedemark eine wichtige Schlüsselfunktion gehabt. In der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen im Kirchenvorstand, im Besucherdienst der Kirche, dem Diakonie-Essen, bei der Tafel in Elze und nicht zuletzt im Hospizdienst, sei Margarete Keiser nicht wegzudenken. Was Margarete Keiser auszeichne, sei ihr langjähriges, breitgefächertes Engagement für ihre Mitmenschen – immer wieder gestützt durch die Zustimmung der Menschen, für die sie eintrete, denn in vielen Fällen setze das ehrenamtliche Wirken auch Wahlen in den verschiedensten Bereichen voraus. Immer wieder höre er: „Ja, wir vertrauen Margarete Keiser, sie setzt sich für uns ein, sie streitet für uns und sie ist immer für uns da. Immer? Ja, immer!“, so Benk vor der aufmerksamen Zuhörerschaft am Freitag im Regionssaal.
„Sie sieht die Not“
Auch er frage sich, woher sie die Kraft nehme und sei zu dem Schluss gekommen, dass sie ihre Kraft aus der Liebe zu den Menschen schöpfe, die Rat, Hilfe und Unterstützung benötigten. „Die Menschen kommen nicht zu ihr und bitten. Margarete Keiser sieht die Not und die Notwendigkeit zu helfen und zu unterstützen. Es sei für sie einfach selbstverständlich. Sie sei da – bis heute. Unermüdlich in ihrem Engagement für die Menschen um sie herum“, schloss Jürgen Benk. Superintendent Holger Grünjes und Ute Rodehorst vom Ambulanten Hospizdienst konnten sich diesen warmen Worten nur noch anschließen.
Margarete Keiser bedankte sich tief bewegt für die „lieben und res-pektvollen Worte“. Sie habe bewusst nur Menschen eingeladen, die ihr am Herzen lägen, denn es seien die Begegnungen mit Menschen, die ihr Leben lebenswert gemacht und ihr Leben im Ehrenamt geprägt hätten, schon in der Jugendarbeit, später bei der Gewerkschaft, im Betriebsrat, im Orts- und Gemeinderat, im Kirchenvorstand, bei Diakonie und Hospizdienst. Gerade die Begleitung in der Hospizarbeit stelle sie vor neue Herausfordeurngen und sie erfahre viel Vertrauen und Liebe, was sie immer wieder als beglückend empfinde.