SPD-Ortsverein Wedemark gibt Anregung

Gut gelaunt im MOORiZ: Karsten Molesch (von links), Rebecca Schamber, Referentin Corinna Hölzel und Jochen Pardey. Foto: B. Stache

Pestizidexpertin Corinna Hölzel vom B.U.N.D. aus Berlin referiert im MOORiZ

Resse (st). Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Wedemark sprach Corinna Hölzel am Montagabend im Moorinformationszentrum (MOORiZ) in Resse über die Themen „Netzwerk glyphosatfreie Gemeinden“ und „Insektenfreundliche Kommune“. Die Hobbyimkerin Hölzel gehört zum Team Stoffe und Technologien beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit Sitz in Berlin und leitet den Bereich Pestizidfreie Kommunen und Bienen. Rebecca Schamber begrüßte die Referentin im Namen des SPD-Ortsvereins. Die Informationsveranstaltung im MOORiZ sei der Auftakt für weitere Diskussionen zu den beiden Umweltthemen. „Wir können uns gut vorstellen, einen Auftrag an die SPD-Fraktion zu geben, einen entsprechenden Antrag im Rat einzubringen“, machte Rebecca Schamber mit Hinweis auf eine mögliche Beteiligung der Gemeinde Wedemark am Netzwerk glyphosatfreie Gemeinden deutlich. Mittlerweile seien 460 Kommunen in Deutschland ganz oder teilweise pestizidfrei, erklärte die BUND-Referentin. In ihrem Vortrag erläuterte sie zunächst die Rolle der Kommunen unter dem Aspekt Stadtentwicklung und nannte die Herausforderungen durch Klimawandel, Bevölkerungszuzug sowie Erhalt des Stadtgrüns. Corinna Hölzel sprach über Rückzugsräume für bedrohte Insektenarten und die Verantwortung einer Kommune für ihre Bürger in Sachen Gesundheit, Bildung und Erholung. Es gebe auch eine Vorbildfunktion der Gemeinde für die Bevölkerung: setzt eine Kommune großflächig Pestizide auf ihren Grünflächen ein, so sei es den Bürgern nur schwer zu vermitteln, beispielsweise auf Glyphosat im eigenen Garten zu verzichten. „Glyphosat vernichtet Nahrung und Lebensraum für Insekten“ und stelle eine Gesundheitsgefahr für Anwender, Anwohner und Verbraucher dar, hieß es im Vortrag. Diskussionen in der Öffentlichkeit, in Orts- und Gemeinderäten, trügen dazu bei, den Kreis glyphosatfreier Gemeinden zu vergrößern. Die BUND-Referentin nannte Beispiele für Flächenpflege ohne Pestizide – durch alternative Bepflanzung, aber auch mechanische oder thermische Methoden zur Beseitigung unerwünschter Pflanzen. Corinna Hölzel sprach auch über zu breit angelegte Wege, deren oft unbenutzte Ränder für den Naturschutz – und damit auch für Insekten – zurückgewonnen werden könnten. Die Gesellschaft müsse das Engagement derjenigen Landwirte honorieren, die ökologische Betriebsführung ohne Pestizide betreiben und für das Tierwohl stehen, erklärte die Referentin. Das Ausweisen von Gewässerrandstreifen (mindestens zehn Meter), die Renaturierung von Fließgewässern und Auen, das Erhöhen des Totholzanteils in kommunalen Wäldern sowie das Umstellen auf insektenfreundliches Licht, unter anderem bei der Straßenbeleuchtung, waren weitere Themen. An der nachfolgenden Diskussion beteiligten sich die zirka 20 Gäste mit teils kontroversen Beiträgen.