Speed Dating mit Bürgermeisterkandidaten

Die Bürgermeisterkandidaten Dirk Hallmann (CDU) (v. l.) und Helge Zychlinski (SPD) begrüßen sich per Handschlag. Die Jugendparlamentarier Carolin Berndt, Mareile Schmieta, Celine Brieger, Eira Tempelmeier, Sebastian Sacht und Till Holland freuen sich, dass es mit dem Speed Dating geklappt hat. Foto: A. Wiese

Jugendparlament gibt wahlberechtigten Schülern die Chance, sich zu informieren

Wedemark (awi). Eine Bürgermeis-terwahl ist eine Kommunalwahl und daher sind Wedemärker ab 16 Jahren bei der Bürgermeisterwahl am 9. Februar wahlberechtigt. „Wir wollten, dass unsere Mitschüler ihr Kreuz ganz bewusst setzen können und die Gelegenheit haben, die beiden Bürgermeisterkandidaten persönlich kennenzulernen und ihnen Fragen zu stellen“, erklärten Mareile Schmieta und Celine Brieger vom Jugendparlament. Das Gremium hatte für Montagvormittag, den ers-ten Schultag nach den Weihnachtsferien, ein sogenanntes Speed Dating im Schulzentrum organisiert: Jeweils zehn Minuten stellten sich die Kandidaten jeweils einzeln den Schülern im Forum und im Großgruppenraum vor, weitere zehn Minuten konnten die Schüler beziehungsweise die Jugendparlamentarierer Fragen stellen. Dann hieß es Raumwechsel für die Kandidaten und das Gleiche von vorn.
Eingeladen waren die Jahrgänge ab Klasse zehn der weiterführenden Schulen. Weil das Gymnasium nach Aussage der Jugendparlamentarier nicht alle Klassen beziehungsweise Kurse für die Veranstaltung freistellte und die Realschüler nicht zum verabredeten Termin erschienen, wurde kurzfristig der neunte Jahrgang der IGS Wedemark auch zugelassen. „Einige von euch sind ja auch schon 16 und dürfen wählen“, so die Vorsitzende des Jugendparlaments, Eira Tempelmeier bei der Begrüßung.
So unterschiedlich die Kandidaten und ihre Vita, so unterschiedlich fiel auch ihre Vorstellung aus. Dirk Hallmann ist 54 Jahre alt, Vater zweier erwachsener Kinder und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Hannover. Im falle seiner Wahl ist der Umzug in die Wedemark beschlossene Sache. Helge Zychlinski ist 20 Jahre jünger und lebt mit Frau und dreijähriger Tochter in Elze. Während Hallmann beim Abriss seiner Biografie vor den Schülern den Schwerpunkt auf seinen beruflichen Werdegang legt – seit 38 Jahren nach dem Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege im Polizeidienst im Rang eines Ersten Polizeihauptkommissars, seit 27 Jahren mit Führungsaufgaben betraut, Personalratsvorsitzender der PI Hannover-Land, drei Jahre Leiter des Polizeikommissariats Mellendorf, Dezernent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Hannover, Referent im Innenministerum, Dezernatsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und seit Februar 2013 Leiter Einsatz- und Streifendienst im Polizeikommissariat Südstadt Hannover, hat er kommunalpolitisch keine Stationen aufzuzählen. Zwar ist er seit 2006 CDU-Mitglied und ehrenamtlich breit engagiert, saß jedoch bisher in keinem gewählten politischen Gremium.
Gegenkandidat Helge Zychlins-ki von der SPD zieht seine Vorstellung genau anders herum auf, erzählt den Schülern ausführlich von seinem umfangreichen kommunalpolitischen Wirken seit seinem Eintritt als 15-Jähriger in die SPD in Orts- und Gemeinderat. Dass er sich für die Kommunalpolitik entschieden habe, liege mit am Gymnasium Mellendorf: „Ich war dort Schülersprecher und hab mir die Zähne ausgebissen, dass es da mal zu Sanierungen kommt. Doch ich bin gegen Wände gelaufen, habe lediglich eine Bereisung der Schulen erreicht.“ Das habe sich auch 2001 nicht geändert, als er im Rat auf den harten Oppositionsbänken gesessen habe: „Ich bin immer wieder aufgelaufen.“ Dass die Schüler heute im neuen modernen Schulzentrum unterrichtet würde, verdankten sie der Wahl von Bürgermeister Tjark Bartels 2006, seit der die SPD zusammen mit den Grünen die Mehrheit im Rat habe. „Wir muss-ten liefern und wir tun was für die Bildung“, so Zychlinski beim Speed Dating am Montag.
Bürgermeister, so erzählte Dirk Hallmann, seinen jugendlichen Zuhörern, sei kein Lehrberuf: „Das Leben ist der Lehrmeister. Lebenserfahrung bildet wichtige Eckpfeiler für dieses Amt.“ Er habe seine zwei Kinder ins Studium geleitet, soziale Kompetenz bewiesen, besitze nachweislich Führungseigenschaft und stehe für Verlässlichkeit, Offenheit und Transparenz, so Hallmann über sich selbst und er meint: „Ich glaube, dass Menschen einen Bürgermeister mögen müssen.“ Er sei im Nebenamt Hundertschaftsführer und sozial engagiert langjährig als Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft und als Vorsitzender des Sozialfonds der Polizei, der sich um traumatisierte Polizisten kümmere. Die Nachfrage eines Schülers, wie er denn bei soviel Einsatz für die Polizei auch noch Bürgermeister sein wolle, beantwortete Hallmann jedoch klipp und klar: „Wenn ich am 9. Februar zum Bürgermeister der Gemeinde Wedemark gewählt werden sollte, hänge ich meinen Polizeiberuf an den Nagel und bin mit hundert Prozent und vollem Einsatz Bürgermeister!“ Helge Zychlinski zählte auf, was die SPD bereits alles für die Wedemark getan habe, insbesonder die Ausstattung der Schulen deutlich verbessert und Geld in die Hand genommen, um Kindergarten- und Krippenplätze zu schaffen „Wir haben die Zahl der Krippenplätze mit unserer Ratsmehrheit von 30 auf 184 erhöht und bieten jedem Kind einen Platz, und zwar nicht nur einenHalbtagsplatz, wie es das Gesetz vorsieht“, betonte Zychlinski. Er habe vor, das Erreichte zu erhalten, insbesondere auch die baulichen Werte, und die Strukturen beispielsweise der Schullandschaft so anzupassen, „dass wir zukunftsfähig sind“. Als Bürgermeister werde er diesen Prozess moderativ begleiten und ersteinmal mit Haupt- und Realschule sprechen, um anschließend Entscheidungen zu treffen, führte Zychlinski vor den interessiert lauschenden Schülern aus. CDU-Kandidat Hallmann sprach sich für eine vielfältige Schullandschaft in der Wedemark aus, bei der „keiner hinten runterfällt“. Das gelte auch für zwei gymnasiale Oberstufen nebeneinander, reagierte er auf die Frage eines Gymnasiasten, der sich Sorgen macht, ob die Schülerzahlen in der Wedemark langfristig zwei Oberstufen in IGS und Gymnasium hergeben. „Den Wedemärker Schülern geht es gut“, stellte Hallmann fest. Sie lebten in einer ländlichen Struktur, in der die Anbindung mit den Ruftaxis allerdings noch verbesserungsfähig sei. Doch gebe es hier „vernünftige Wohngebäude sowie ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot. „Hier ist schon eine ganze Menge getan worden“, gestand Hallmann offen ein. Er wolle auch gar nicht um jeden Preis etwas ändern, sondern einfach bei der Gestaltung mitwirken und Verantwortung tragen, insbesondere für eine dringend notwendige Haushaltskonsolidierung. Es sei investiert worden in den letzten Jahre, das sei auch notwendig gewesen, aber jetzt müssten die Finanzen im Blick behalten und Schulden abgebaut werden, das sei man den nachfolgeden Generationen schuldig.
„Die angebliche Überschuldung der Wedemark ist ein Märchen“, sagte SPD-Kandidat Helge Zych-
linski: „Wir haben zwar über 40 Millionen Euro Schulden, aber auch ein Vielfaches an Werten.“ Für 2014 liege ein ausgeglichener Haushaltsplanentwurf vor, in 2013 habe man sogar 1,3 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet. „Das Unterlassen von Investitionen führt dazu, dass sie einem doppelt auf die Füße fallen“, so Zychlinski. Er wolle die Einnahmenseite der Wedemark stärken und dafür werben, das viele jüngere Familien in die Wedemark zögen. Das sei auch das richtige Mittel, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Übereinstimmend berichteten beide Kandidaten, dass sie sich für mehr Gewerbeansiedlungen in Autobahnnähe stark machen wollten und hier die entscheidende Stellschraube für höhere Einnahmen für die Gemeinde sähen. Schließlich rief Zychlinski die Schüler noch massiv dazu auf, auf jeden Fall ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen: „Nichtwähler sind faule Menschen. Am liebsten ist es mir natürlich, Sie wählen mich. Aber wählen Sie lieber meinen Mitbewerber als dass sie gar nicht hingehen.“