Sportring sucht neuen Vorstand

Verabschieden sich vom Sportring und haben noch einen Funken Hoffnung, dass sich am nächsten Donnerstag doch Nachfolger finden: Der kommisarrische Vorsitzende Wilfried Busche (links) und der zweite stellvertretende Vorsitzende Winfried Leibner. Foto: A. Wiese

Letzte Chance – dann droht die Auflösung

Wedemark (awi). Der Sportring Wedemark lädt die Delegierten seiner 40 Mitgliedsvereine am nächsten Donnerstag, 26. März, um 19.30 Uhr zur Mitgliederversammlung ins Gasthaus Bludau ein. Gesucht wird ein neuer Vorstand. Für eine Jahreshauptversammlung ist das kein ungewöhnlicher Tagesordnungspunkt. Doch dahinter steckt mehr. Findet sich nämlich am nächsten Donnerstag kein neuer Vorstand, steht der Sportring Wedemark im 40. Jahr seines Bestehens vor der Auflösung. Tatsache ist, dass keines der amtierenden Vorstandsmitglieder wieder zur Verfügung steht. Einen Vorsitzenden gibt es schon seit März letzten Jahres nicht mehr. Damals stellte sich der amtierende Vorsitzende Joachim Brandt nicht zur Wiederwahl, weil sich keine Kandidaten für die vakanten Vorstandsposten fanden. Seitdem führt der erste stellvertretende Vorsitzende Wilfried Busche den Sportring kommissarisch. Er stellt sich jedoch ebensowenig erneut zur Verfügung wie der zweite stellvertretende Vorsitzende Winfried Leibner, Kassenwart Udo Bitterkleit und Schriftführerin Petra Busche. Zumindest diese Posten müssten aber neu besetzt werden, wenn es den Sportring Wedemark weiter geben wird. „Auf Veranstaltungswart und Pressewart könnte zunächst verzichtet werden", meint Busche, der zusammen mit Leibner noch einmal bei einem Pressetermin eindringlich an die Vereine appellierte, ihre Vertreter zur Delegiertenversammlung am nächsten Donnerstag zu entsenden.
Im Oktober hatte Busche bei der letzten Mitgliederversamnmlung, bei der nur 14 der 40 Vereine vertreten gewesen waren, die Frage „Quo vadis, Sportring?" beziehungsweise „Brauchen die Vereine eigentlich den Sportring?" gestellt und die aus seiner Sicht sehr deutliche Antwort bekommen, dass die Vereine den Sportring nicht benötigen, um ihre Anliegen bei der Gemeinde Wedemark vorzubringen und durchzusetzen. Der Sportring werde weder von einzelnen Vereinen als Mittler eingeschaltet noch sei er zunächst von Seiten der Gemeinde oder der betroffenen Vereine an der Diskussion über die Zukunft der Mehrzweckhalle beteiligt worden. Erst im zweiten Step habe es ein Gespräch zwischen Sportringvorsitzendem und Bürgermeister gegeben, aber auch diese Thematik liege schon wieder auf Eis. "Und auch, als es jetzt darum ging, dass Flüchtlinge in der Scherenbosteler Turnhalle untergebracht werden und die SSG Scherenbostel die Halle bis auf Weiteres nicht nutzen kann und Ersatzzeiten in anderen Hallen sucht, ist niemand der Beteiligten auf die Idee gekommen, sich mal an den Sportring zu wenden", monierte Wilfried Busche. Sein Fazit lautet daher: „Wir werden ganz offensichtlich nicht gebraucht. Und weder ich noch meine Vorstandskollegen möchten auf die Sportlerehrung reduziert werden." Diese Veranstaltung, in den letzten Jahren unter Joachim Brandt zu einem Riesenevent avanciert, hatte Busche im Oktober für dieses Jahr von Seiten des Sportrings abgesagt, nachdem die Vereine signalisiert hatten, dass sie den Sportring ganz offensichtlich für verzichtbar halten. Busches Hoffnung, die Gemeinde werde einspringen, zumal die Sponsoren bereits eingeworben waren, erfüllte sich nicht und jetzt liegt die Sportlerehrung zurzeit auf Eis. Bange ist Busche auch um die Sportförderrichtlinien, die bei der Gemeinde zur Überarbeitung anstehen, und den Sportentwicklungsplan, wenn es keinen Sportring mehr geben sollte. Die Umfrage bei den Vereinen sei lange abgeschlossen, die Präsentation eines Ergebnisses stehe jedoch aus. „Eine solche Situation wie heute hat es 1978 nur drei Jahre nach der Gründung des Sportrings schon einmal gegeben", berichtet Wilfried Busche aus seinen Archivrecherchen. Damals fand sich dann spontan doch ein neuer Vorstand und der Sportring „blieb am Leben". Kurz skizziert Busche den Ablauf, sollte dies am nächsten Donnerstag nicht so sein. Rechtsanwalt Christian Goergens aus Hannover, Fachanwalt für Vereinsrecht, wird am Donnerstag auf Einladung von Busche an der Versammlung teilnehmen und die Mitglieder informieren, wie im Falle einer Auflösung zu verfahren ist. Um am Donnerstag den direkten Auflösungsbeschluss fassen zu können, müssten 30 der 40 Vereine vertreten sein. Ist das nicht der Fall, würde Goergens zwei Liquidatoren einsetzen, der mit einigen Wochen Abstand zu einer erneuten Versammlung einlädt. Sind auch hier nicht die erforderlichen Dreiviertel der Mitgliedsvereine anwesend, können die Anwesenden die Auflösung beschließen. Das Vermögen des Sportrings fällt laut Satzung bei Auflösung an die Gemeinde Wedemark zur zweckgebundenen Verwendung. „Es liegt in den Händen der Vereine, ob es weitergeht", so der eindringliche Appell von Busche, der es sehr bedauerlich findet, dass auch von der Gemeinde Wedemark kein Signal gekommen sei. „Hier kann ich nichts mehr bewegen, stehe vor verschlossenen Türen", so Busches Fazit, auf der seine klare Aussage gründet: „Es wäre toll, wenn sich noch jemand findet, der den Sportring weiterführen möchte, aber ich stehe nicht mehr zur Verfügung, auch nicht in zweiter Reihe."