Sprinti muss telefonisch buchbar sein

Karen Drews und Irmtraud Bernstorf vom Seniorenbeirat machen sich für eine telefonische Buchbarkeit des Sprinti stark. Foto: A. Wiese

Seniorenbeirat kritisiert „App-Only“-System und will Schulungen anbieten

Wedemark (awi). „Einfach App runterladen und losfahren“ – „von wegen“ sagen die Vorsitzende des Seniorenbeirates in der Wedemark, Irmtraud Bernstorf, und Seniorenbeirats-Geschäftsführerin Karen Drews. So einfach, wie sich die Verantwortlichen bei der Region und dem GVH das mit dem Sprinti, der seit 1. Juni in der Wedemark unterwegs und buchbar ist, vorstellen, sei das nicht. Insbesondere nicht für Senioren.
53 Prozent der Menschen über 65 Jahre nutzen kein internetfähiges Handy und sogar 74 Prozent der über 75-Jährigen nicht, bemüht Karen Drews die Statistik und betont: „Wenn wir diese Aussagen auf die Wedemark beziehen, wo etwa 8.000 Menschen 60 plus leben, dann ist davon auszugehen, dass etwa 4.000 Menschen das Sprinti-Angebot nicht nutzen können.“ Dazu kämen diejenigen, die zwar ein internetfähiges Handy hätten, aber nicht wüssten, wie sie eine App herunterladen und selbst, wenn sie dies geschafft hätten, bedienen sollten. „Wir werden uns bemühen, kurzfristig Schulungen für Smartphonenutzer der Altersgruppe 60 plus anzubieten, aber uns ist dennoch sehr wichtig, dass Senioren dieses flexible Angebot auch telefonisch buchen können“, betont Seniorenbeiratssprecherin Irmtraud Bernstorf. In den Flyern ist jedenfalls keine Telefonnumer dafür angegeben, aber eine Berliner Festnetznummer für Rückfragen. Dort hat Karen Drews ihre Kritik angebracht. In Ausnahmefällen könne man den Sprinti auch über diese Telefonnummer bestellen, komme dann aber nicht in den Genuss der Servicevorzüge, hieß es. Drews und Bernstorf sind überzeugt: „Telefonische Buchungsmöglichkeiten dürfen nicht die Ausnahme sein, sonst sind viele Senioren außen vor, zumal ja reguläre Linien zugusten des Sprinti bereits eingestellt worden sind. „Wir als Seniorenbeirat freuten uns von Anfang an über dieses Angebot, das die Flexibilität des ÖPNV in unserem ländlichen Bereich auf alle Fälle deutlich verbessern wird, doch die Ankündigung, dass das Angebot einfach zu nutzen und nur eine App herunterzuladen sei, habe sie nachdenklich gemacht und die Nachforschungen auf der „Sprinti“-Homepage hätte die Skepsis verstärkt, so Bernstorf und Drews. Zumal für eine gültige Fahrkarte, wenn man nicht sowieso im Besitz einer solchen ist, eine zweite App, nämlich die des GVH aktiviert werden muss. Der Seniorenbeirat will sich jetzt dafür einsetzen, dass auch für Nicht-Smartphone-Nutzer Lösungen angeboten werden. Bernstorf und Drews haben die Region angeschrieben und sich mit dem Computerexperten des Seniorenbeirats kurzgeschlossen, um möglichst bald Schulungen anbieten zu können.