Studentinnen aus der Wedemark protestieren

Insa Stroot (von links), Marco Kurz, Carolin Beulshausen, Paula Nötzel und Inga Beulshausen bei ihrer Plakataktion an der L 190. Foto: Privat

Mit Plakatengegen Zustände in Flüchtlingslagern

Mellendorf. Wer am Montag morgens auf dem Weg zur Arbeit die L190 fahren musste, konnte am Ortsausgang Mellendorf in Richtung Scherenbostel mehrere junge Leute mit Plakaten an der Straße stehen sehen. Nur 1000 kcal für ein Kind pro Tag in griechischen Flüchtlingslagern – das wurde mit den Plakaten angeprangert.
Hierbei handelte es sich um den Auftakt einer von Studentinnen ins Leben gerufenen Aktion, mit der auf die Lebensbedingungen von geflüchteten Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern aufmerksam gemacht werden soll. Die Zustände dort seien menschenunwürdig und mit den Grundwerten der EU unvereinbar, so Paula Nötzel, eine der InitiatorInnen. Auf den griechischen Inseln halten sich aktuell an die 40.000 Menschen unter prekären Bedingungen auf. Allein im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos leben zurzeit circa 19.000 Geflüchtete. Ursprünglich ausgelegt war das Lager hingegen nur für 3.000 Menschen. Dies führt dazu, dass für 1.300 Personen nur ein Wasserhahn zur Verfügung steht, davon 19 Stunden am Tag nur mit kaltem Wasser. Ähnliche Bedingungen finden sich auch bezüglich der Duschsituation: Auf 242 Menschen kommt eine Dusche. Auch die medizinische Versorgung in den Lagern ist unzureichend. Ärzte ohne Grenzen rief daher den psychologischen Notstand aus. Auslöser dafür war unter anderem, dass pro 1.000 Menschen nur ein Psychologe zur Verfügung steht, obwohl sich circa 25 Prozent der Kinder selbst verletzen oder über Suizid nachdenken. Auch unter normalen Umständen seien diese Zustände untragbar. Was jedoch passiert, wenn es dort zu einem Corona – Ausbruch kommt, mag man sich kaum vorstellen, äußerte sich Inga Beulshausen. Die allgemein geltenden Schutz – und Hygienemaßnahmen sind in den Lagern schlicht nicht umsetzbar.
Diese Zustände sind jedoch nicht alternativlos. Solange gemeinsames europäisches Handeln allerdings nicht in Sicht ist, muss die Aufnahmebereitschaft einzelner Länder, Städte und Kommunen wahrgenommen werden. Allein in Deutschland haben sich bereits mehr als 150 Städte und Kommunen, die über genügend Aufnahmekapazitäten verfügen, bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen. Diese warten bisher jedoch noch darauf, dass Möglichkeiten geschaffen werden, ihre Aufnahmebereitschaft umzusetzen. Die InitiatorInnen wollen daher auf die Möglichkeit eines eigenen Landesaufnahmeprogramms gem. § 23 I AufenthG aufmerksam machen. Sie fordern die Schaffung eines solchen Programms vom Land Niedersachsen, wie es bereits zuvor die Länder Berlin und Thüringen beschlossen haben. Um diese Forderung zu unterstützen, besteht für BürgerInnen zum Beispiel die Möglichkeit, eine E-Mail an ihre jeweiligen Landtagsabgeordneten zu schreiben. Insa Stroot macht dabei auf die Website „leavenoonebehind2020.org“ aufmerksam, auf der u.a. eine Petition und eine beispielhafte E-Mail zu finden sind. „Wir hoffen, dass aufgrund des immer größer werdenden öffentlichen Drucks, nun endlich auch auf landespolitischer Ebene gehandelt und so dazu beigetragen wird, die in den Lagern herrschenden menschenrechtswidrigen Zustände zu beenden.“ sagt Carolin Beulshausen. Um weitergehend auf die menschenrechtliche Problematik von Geflüchteten aufmerksam zu machen, kündigen die InitiatorInnen zeitnah weitere Aktionen an.