Supermärkte merken Angst vor Corona

Im famila-Markt in Mellendorf ist Mitarbeiter Mika Gribisch gerade dabei, die leeren Nudelregale wieder aufzufüllen. Nachschub zu besorgen ist für famila laut Aussage des Marktleiters noch kein Problem. Foto: J. Luxat

Hamsterkäufe: Wedemärker decken sich mit Grundnahrungsmitteln ein

Wedemark (awi). Die Angst vor dem Corona-Virus geht auch in der Wedemark um. Nicht nur, dass Veranstaltungen wie die fischertechnik-IdeA, die Hobbykreisausstellung oder ein Schüleraustausch abgesagt werden. Die Wedemärker haben ganz offensichtlich auch Befürchtungen, im Falle einer Ansteckung in der eigenen Familie oder im Verwandten- und Bekanntenkreis unter Quarantäne gestellt werden zu können: Die Supermärkte merken dies ganz deutlich an den Hamsterkäufen. Neben Grundnahrungsmitteln besonders nachgefragt war Toilettenpapier.
„Bereits am Montag war in unseren Edeka-Märkten in Elze, Wennebostel und Burgwedel das Toilettenpapier aller Marken komplett ausverkauft“, berichtet Inhaber Uwe-Karsten Lüders. Inzwischen seien die Regale natürlich wieder aufgefüllt, aber bei einigen Artikeln seien Engpässe spürbar. Von einem Run auf Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel berichten unisono auch famila-Marktleiter Jens Luxat und die stellvertretende Marktleiterin des REWE-Marktes Familie Silberzahn, Gabriele Gelhaar sowie Torsten Pagel vom Frischmarkt in Resse. Hier sei der Ansturm am letzten Wochenende und Anfang der Woche besonders stark gewesen, so Pagel. Mittlerweile seien nach einer größeren Lieferung am Mittwoch die Regale mit Mehl, Nudeln und Reis sowie Konserven wieder aufgefüllt. Auch Toilettenpapier habe er nachbekommen, doch da sei ein Engpass bei den Lieferungen spürbar. Pagel führt den Run gerade auf Toilettenpapier auf einen Fernsehbericht zurück, in dem geraten worden sei, sich unter anderem mit diesem Artikel einzudecken. Im famila-Markt in Mellendorf war die Nachfrage nach Brotbackmischungen auffällig. „Das ist ein Artikel, der sonst fast gar nicht geht. Jetzt waren unsere Regale leer“, erzählt Marktleiter Jens Luxat. Auch er verzeichnete außerdem eine starke Nachfrage nach Mehl, Zucker undNudeln, Dosensuppen und Fertiggerichten. Da aber bei der Entwicklung in Deutschland damit zu rechnen gewesen sei, habe er diese Waren schon letzte Woche palettenweise im Zentrallager bestellt und sei gut vorbereitet gewesen, so Luxat. Da die Lagerkapazitäten bei famila begrenzt seien, habe er rechtzeitig einen Container geordert. Auffällig sei auch der stark gestiegene Umsatz der Waren der regionalen Anbieter wie beispielsweise bei Dosenwurst und Fertiggerichten der Fleischerei Grimsehl. Er habe sofort nachbestellt und die noch verfügbaren Waren in Bäckerkisten von Grimsehl bekommen. Fleischermeister Lars Grimsehl bestätigte die Nachfrage nicht nur aus den belieferten Supermärkten, sondern auch bei ihm in Brelingen, wo der Laden allerdings gerade umgebaut wird. Er habe aufgrund der Nachfrage die Produktion hochgefahren. Normalerweise sei gerade eine ruhige Zeit, aber aufgrund der aktuellen Entwicklung würden Dosensuppen und Fertiggerichte jetzt wie zu Zeiten der Hochkonjunktur produziert, um den Bedarf zu decken, so Grimsehl. „Das geht bei uns nicht so einfach“, so Fleischermeister Carsten Dettmers aus Elze: „Wir können nur das verarbeiten, was wir Montag geschlachtet haben, da wir nicht zukaufen. Wir können erst bei der nächsten Schlachtung auf die gestiegene Nachfrage in unserem Laden und auf den Märkten reagieren und mehr produzieren.“
Uwe-Karsten Lüders kann sich nicht erinnern, so eine Situation in den letzten Jahren schon einmal erlebt zu haben: „Höchstens als der Atomunfall in Tschernobyl Anfang der 80er Jahre war“, überlegt Lüders. Seine Mitarbeiter füllen die Lücken in den Regalen mit Nährmitteln wie Nudeln, Reis und Mehl aber auch beim Mineralwasser schnell wieder auf, allerdings sind bei der EDEKA, die deutschlandweit überall die gleiche Situation hat, die Logistikabteilungen am Anschlag, um alles auszuliefern, was nachbestellt wird.Neben Toilettenpapier waren in den Lüders-Märkten auch Taschentücher stark nachgefragt, außerdem natürlich Suppen und Konserven sowie Knäckebrot. Eine Kundin habe in vier Kisten 96 Packungen Knäckebrot gekauft, berichtet der Seniorchef der EDEKA-Märkte in Elze und Wenenbostel. Er schätzt, dass bei diesen Produkten in den letzten Tagen der Umsatz des Vorjahreszeittraums um 60 bis70 Prizent übertroffen wurde. Aber auch Hygieneartikel wie Duschbad, Shampoo und Zahnpasta sowie Reinigungsmittel zur Desinfektion, Babynahrung und Tierfutter würden mehr als sonst gekauft. Trotzdem seien die EDEKA-Märkte nach wie vor gut sortiert, beruhigt Lüders seine Kunden: „Wir kriegen dreimal in der Woche Ware nach. Nur bei ganz wenigen Artikeln wird es kurzfristig zu wirklichen Engpässen kommen.“ Er und die anderen Marktleiter haben das veränderte Kaufverhalten ihrer Kunden übrigens nicht nur bei älteren Menschen, sondern quer durch die Generationen beobachtet. „Ich habe sogar das Gefühl, dass die Älteren die Situation noch ein bisschen gelassener hinnehmen als die Jungen“, meint Lüders nachdenklich.
Die stellvertretende Marktleiterin des REWE-Markts Familie Silberzahn am Burgweg, Gabriele Gelhaar, verzeichnet wie ihre Kollegen einen stark gestiegenen Absatz an Milch,Mehl, Nudeln, Zucker, Backmischungen und Nudelsaucen. Kurfristig seien auch im REWE-Markt Regale tatsächlich leer gewesen, insbesondere bei den Brotbackmischungen. Und auch hier war wie in den anderen Märkten der Run auf Toilettenpapier besonders groß. Noch sei auch kein Ende dieses Einkaufsverhaltens zu erkennen, so Gelhaar im Gespräch mit dem ECHO: „Wir haben gestern Ware bekommen und schon wieder ist alles leer und wir müssen nachordern und nachpacken.“
Torsten Pagel in Resse hat hingegen den Eindruck, dass es ruhiger werde. Hier habe er das deutlich veränderte Einkaufsverhalten seiner Kunden vor allem am letzten Wochenende und Anfang der Woche registriert. Inzwischen habe er sich darauf eingestellt und sorge auch schnell für Nachschub in den Regalen, die nur vereinzelt Lücken aufwiesen.