Tennet-Variante macht Wedemark mobil

Landrat Tjark Bartels steht am Freitag in Resse am Rednerpult. Foto: M. Kolf

Am Freitag Informationsveranstaltung zur Suedlink-Alternative 091 in Resse

Resse (awi). Der Verein Bürger für Resse lädt am Freitag, 5. Dezember, um 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung zum Variantenentwurf der Tennet-Netzagentur in die Schulsporthalle in Resse, Altes Dorf 1, ein. Unter den Rednern zu diesem Variantenentwurf, der die Wedemark diagonal durchschneiden würde, ist neben dem Ersten Regionsrat Dr. Axel Priebs von der Region Hannover und Bürger-
meister Helge Zychlinski auch Tjark Bartels. Der frühere Wedemärker Bürgermeister ist als Landrat von Hameln-Pyrmont Sprecher verschiedener Landkreise und der Region Hannover gegenüber Tennet und der Bundesnetzagentur.
Bereits vor wenigen Wochen gab Bürgermeister Zychlinski in der Presse seine Bestürzung über die nach seiner Meinung mangelhaften und zu kurzfristigen Information über die nun vorliegenden Auswertungen der möglichen Trassenverläufe im Bereich nördlich und westlich von Hannover zum Ausdruck. Insbesondere der von Tennet ins Internet eingestellte Entwurf des im Verfahren vorgesehenen Antrags wich mit seinen Varianten und deren Bewertungen deutlich von den bis dahin bekannt gewordenen Trassenverläufen im Bereich der Wedemark ab. War der bisher bekannte Informationsstand der Gemeinde Wedemark, die Bevorzugung der Trassenvariante TKS_092, die östlich der Autobahn A 7 verlief und somit das Gemeindegebiet kaum tangierte, durchschneidet die nun in dem § 6-Antrag aufgenommene Trassenvariante ALT_91 die gesamte Wedemark fast diagonal von Nordosten nach Südwesten.
Dabei überquert sie nicht nur den Brelinger Berg fast mittig, sie passiert danach nach Südwesten verlaufend, die Straße zwischen Brelingen und Negenborn, um danach weiter das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Große Heide“ in Richtung Resse zu durchqueren. Nach dem Durchkreuzen des wertvollen Holzbestands der Staatsforst „Hartbruch“ nördlich von Resse, trifft sie dann auf den Ort Resse und überquert nach derzeitiger Planung die nach Wiechendorf führende Straße „In den Hägewiesen“ zwischen dem Ort Resse und der östlich gelegenen Siedlung „Lönswinkel“.
Die geplante Trasse verläuft nach Überqueren der Straße nach Wiechendorf (In den Hägewiesen) zwischen dem Naturschutzgebiet (NSG) Bissendorfer Moor und der Ortsbebauung von Resse weiter Richtung Süden in den Kananoher Staatsforst, um dann in Höhe der „Auter“ die Engelbosteler Straße in Richtung Westen zu queren und sich auf dem Gebiet der Gemarkungen Heitlingen und Osterwald weiter in Richtung Süden zu begeben, wo sie danach die Gemarkungen der Stadt Seelze und darüber hinaus in Richtung Wennigsen/Barsinghausen den Beobachtungsraum verlässt. Der „SuedLink“ verbindet als oberirdische Gleichstrom-Hochspannungstrasse den nördlich bei Hamburg gelegenen Anschlussknoten Wilster mit dem südlich im Bereich Grafenrheinfeld (Bayern) liegenden Anschlussknoten. Sie soll den im Norden durch Windkraftanlagen erzeugten Naturstrom in die südlichen Teile Deutschlands transportieren, um den dort durch die Abschaltung der Atomkraftwerke benötigten Strom bereitzustellen. „Die Idee, überschüssigen Strom dahin zu transportieren wo er benötigt wird, ist für jedermann einsichtig und ist als solches nicht zu kritisieren. Insofern geht es auch bei der Beurteilung der möglichen Varianten der Trassenführung auf dem Weg dorthin, nicht darum die Trassenführungen abzulehnen, sondern darum, dass, wie im Gesetz vorgeschrieben, alle möglichen Varianten mit den gleichen Parametern transparent und nachvollziehbar bewertet werden“, so der Verein Bürger für Resse in seiner Pressemitteilung zur Informationsveranstaltung. An dieser Bewertungsweise sollten auch keine grundsätzlichen Zweifel bestehen. Sie könnten nur mit Prüfverfahren durch neutrale fachlich gleichwertige Fachleute geprüft und beurteilt werden. Diese Prüfung könne innerhalb der vorgesehenen Zeitabläufe jedoch nicht seriös durchgeführt werden. Bereits im Februar 2015 soll, nach Informationen aus der Region Hannover, der Antrag nach § 6 NABEG von Tennet an die Bundesnetz-agentur gestellt werden“, so der Verein. Zwar berufe sich Tennet, wie Teilnehmer aus kürzlich in der Stadt Garbsen abgehaltenen Bürgerversammlung berichten, darauf, dass das Prüf- und Genehmigungsverfahren erst mit Annahme des Antrags nach § 6 NABECK an die Bundesnetzagentur beginnt und verfahrenswirksame Einsprüche dann an die Bundesnetzagentur zu stellen seien. Das Problem sei jedoch, wie der für die Region Hannover tätige Rechtsanwalt de Witt aus Berlin anlässlich einer in der Region abgehaltenen Informationsveranstaltung für Bürgerinitiativen ausführte, dass die Bundesnetzagentur sich innerhalb einer kurzen Frist von möglichen vier bis sechs Wochen nur für kurze Anhörungen der Betroffenen entscheidet.
Von der Bundesnetzagentur angehört würden auch nur die sogenannten Träger öffentlicher Belange (TÖB) und nicht die Bürger oder Bürgerinitiativen. So könne es leicht sein, das jemand, der sich nicht bis zur Abgabe des § 6 NABEG-Antrags an die Bundesnetz-agentur mit seinen Bedenken einbringt, nicht mehr gehört wird. Deshalb lautete die Empfehlung von Rechtsanwalt de Witt an die Bürgerinitiativen, sofort auf allen bekannten Wegen ihre Bedenken an Tennet vorzubringen, bevor (voraussichtlich im Februar 2015) Tennet den Antrag nach § 6 NABEG bei der Bundesnetzagentur einreicht.
Die Bürger, die sich von den geplanten Trassenvorschlägen der Tennet Netzagentur betroffen fühlen, sollten daher ihre Bedenken schnellstmöglich vortragen. Die Region Hannover, so Prof. Axel Priebs auf der Informationsveranstaltung letzte Woche, habe ein Fachbüro mit der Prüfung der von Tennet vorgeschlagenen Varianten beauftragt um eigene Anregungen und Bedenken, fachlich fundiert, vor Abgabe des § 6-Antrags geltend zu machen. Allein darauf können sich die Bürger jedoch nicht verlassen.
Bürger für Resse plant nach der Informationsveranstaltung am Freitag weitere Informationsveranstaltungen im Mooriz, um interessierten Bürgern bei der Stellung von Anträgen behilflich zu sein. Termine werden über die Presse und auf der Homepage des BfR bekannt gegeben.