Thema Organspende stößt auf Interesse

Karin Ernst (v.li.) bedankt sich unter großem Beifall der Zuhörer bei Dr. Matthias Berndt, PD Dr. Cornelia Blume, Dr. Friedrich Ley und Claudia Marhenke-Maybaum für ihre Teilnahme an der Vortragsrunde zum Thema Organspende. Foto: B. Stache

Vortragsabend am Michaelistag in der Bissendorfer Kirchengemeinde gut besucht

Bissendorf (st). Gut besucht war die Vortragsveranstaltung im Gemeindehaus der St. Michaelis-Kirchengemeinde Bissendorf. Über 40 Zuhörer konnte die Kirchenvorstandsvorsitzende Karin Ernst Mittwochabend zur Diskussionsrunde am Michaelistag begrüßen: „Seit 2004 veranstalten wir an diesem Namenstag unserer Gemeinde eine Vortragsveranstaltung mit gesellschaftlich relevanten Themen. Heute Abend wollen wir uns mit der Thematik Organspende befassen.“
Die engagierte Vorsitzende hatte hierzu drei äußerst qualifizierte Vortragende sowie den Bissendorfer Allgemeinmediziner Dr. Matthias Berndt als Moderator eingeladen. In ihrem Vortrag zum Thema Transplantation spannte Dr. Cornelia Blume, die derzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Bereich Zuordnung der Organe zu Empfängern tätig ist, einen Bogen von ersten Beintransplantationen in Syrien (300 n.Chr.), über die erste Transplantation einer Niere im Jahr 1954, bis in die heutige Zeit, in der „eine Nierentransplantation gängige Praxis ist“. Die Ärztin erklärte, dass heute Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse, Niere und Leber transplantiert werden. Dr. Blume brachte die schwierige Situation der großen Zahl an Menschen, die auf ein lebenswichtiges neues Organ warten, und der verfügbaren Organspenden mit einem Slogan auf den Punkt: „Ohne Organspende keine Transplantation“. Die Medizinerin der MHH räumte mit dem Vorurteil auf, dass bei einem Unfall dem Besitzer eines Organspendeausweises nicht mehr geholfen werde. Mit sehr einfühlsamen Worten brachte Dr. Blume den Zuhörern den Ablauf einer Organspende näher, äußerte sich auch zum Thema Hirntoddiagnostik, und trug zum aktuellen Stand der im Deutschen Bundestag diskutierten Änderungen des Transplantationsgesetzes vor. Fragen der Zuhörer zur Widerspruchs- und erweiterten Zustimmungsregelung sowie einer Altersbegrenzung bei Organspendern zeigten das große Interesse an diesem Vortrag. Ihre eigenen Erfahrungen als Empfängerin von fremden Organen trug anschließend Claudia Marhenke-Maybaum aus Bremerhaven vor. Aufgrund einer genetischen Erkrankung musste bei der früheren Studienrätin im Jahr 1995 zunächst eine Leber transplantiert werden. „Von meinem Bruder habe ich dann 2010 eine Niere erhalten“, erklärte Marhenke-Maybaum.
In sehr persönlichen, emotional berührenden Worten schilderte sie ihre Organspende-Erfahrungen, zu denen auch die gefühlsbetonten Gespräche mit ihrer damals noch kleinen Tochter Lena gehörten: „Mir hat sehr geholfen, dass ich die neuen Organe immer gleich als meine eigenen angesehen habe.“
Die Bremerhavenerin verglich ihren Körper mit einem Haus, das im Alter auch die ein oder andere Renovierung erfahre. „So hoffe ich, dass ich ein altes Haus werde“, schloss die lebensbejahende Frau. Als dritter Redner befasste sich Pastor Dr. Friedrich Ley, derzeit im Annastift Hannover tätig, mit dem Thema Transplantation aus ethischer, theologischer Sicht. Der Seelsorger schilderte zunächst seinen beruflichen Weg, der ihn über Selbsthilfegruppen, Transplantations-Operationsteams, bis hin zu Intensivstationen in Krankenhäusern führte. Dr. Ley sprach über die Ängste von Organspendern und Empfängern: beispielsweise über den Nieren-Lebendspender, der sich fragt, ob das verbleibende Organ in seinem Körper noch lange gesund erhalten bleibt? Oder die quälenden Fragen desjenigen, der eine Spende verweigert und sich später Vorwürfe macht, einem anderen Menschen nicht geholfen zu haben. Moderator Dr. Matthias Berndt sorgte zum Vortragsende mit seinem Bild vom „Organspendewetter“ und dem Wunsch eines Organempfängers nach dem Tod eines möglichst jungen Menschen als Organspender für eine heftige Diskussion. Die MHH Ärztin PD Dr. Cornelia Blume wandte sich entschieden gegen solche Formulierungen: „Dies ist eine Diskussion, die in eine ganz falsche Richtung geht. Transplantationspatienten und deren Angehörige bewegen ganz andere Themen und Sorgen.“ In seiner Zusammenfassung zeigte der Moderator noch einmal auf, wie viele Aspekte das Thema Organspende beinhalte. Der Abend im Bissendorfer Gemeindehaus hat dies mit seinen ernsthaften Vorträgen und Diskussionen überaus deutlich gemacht.