Thema Sterbehilfe interessiert

Gemeindepastor Joachim Schnell (von links) bedankt sich bei den Podiumsteilnehmern Ute Rodehorst, Edzard Schröter, Caren Marks und Andreas Vietgen mit einem Blumenstrauß. Foto: B. Stache
 
Edzard Schröter (von links), Caren Marks, Joachim Schnell, Ute Rodehorst und Andreas Vietgen während der Podiumsdiskussion in der Elzer Kirche zum Thema Sterbehilfe. Foto: B. Stache

70 Zuhörer kommen zur Podiumsdiskussion in die Elzer Kirche

Elze (st). „Wenn das Leben unerträglich erscheint – Möglichkeiten und Grenzen am Lebensende“ lautete das Thema der Podiumsdiskussion, zu der am Mittwochabend die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen eingeladen hatte. Gemeindepastor Joachim Schnell, der den Abend als Moderator leitete, stellte den 70 Zuhörern zunächst die Teilnehmer auf dem Podium vor: die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks, MdB, Ute Rodehorst, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Burgwedel-Isernhagen-Wedemark, Dr. med. Edzard Schröter vom Zentrum für Schmerzmedizin Hannover sowie Andreas Vietgen, katholischer Krankenhausseelsorger an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Mit den Worten „Wie gestalte ich, wie gestalten Menschen ihr Lebensende“, leitete Pastor Schnell das vielschichtige Thema ein. Die Podiumsteilnehmer gaben Antworten auf drei vorgegebene Fragen: „Wie oft ist an Sie persönlich eine Anfrage von Schwerstkranken gestellt worden, ob sie ihnen helfen können zu sterben? Wie hat sich die Bitte, der Wunsch dieses Menschen durch das Gespräch mit Ihnen verändert? Wo wünschten Sie sich klarere gesetzliche Regelungen?“ Ute Rodehorst, seit sechs Jahren im Hospizdienst tätig, hat bereits Erfahrungen mit Menschen, die um Sterbehilfe baten. „Das ist ein Hilfeschrei. Man muss den Menschen in dieser Situation sehr ernst nehmen, auf ihn eingehen und fragen, wie es dazu kommt“, erklärte sie. Gründe seien oft starke Schmerzen oder die Angst vor langem Leiden, führte die Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes weiter aus. Krankenhausseelsorger Vietgen arbeitet seit 17 Jahren an der MHH. In dieser Zeit sei er von zwei Patienten in dieser Frage angesprochen worden. „Ich bin kein Arzt. Von daher wird das auch kein Patient von mir erwarten. Wenn ein Patient eine solche Frage an mich richtet, dann geht es ihm eher darum, dass er jemanden zur Hilfe und Unterstützung in einer konkreten Situation braucht“, erklärte er. Caren Marks beschrieb die derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen. Hierzu hatte Pastor Schnell ein Informationsblatt mit entsprechenden Angaben verteilt. Demnach ist die aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten. Dabei handelt es sich um die gezielte Herbeiführung des Todes durch Handeln auf Grund eines tatsächlichen oder mutmaßlichen Wunsches einer Person. Im europäischen Ausland ist die aktive Sterbehilfe unterschiedlich geregelt. „Während einer Fortbildung für die Hospizarbeit habe ich einen Film über ein deutsches Ehepaar gesehen, das in die Schweiz gefahren ist, um dort mithilfe einer deutschen Ärztin freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Das hat mich so zerrissen, dass ich die heutige Veranstaltung zum Thema Sterbehilfe angeregt habe“, erklärte Margarete Keiser, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Hospizdienstes. „Ich bedanke mich bei Pastor Schnell und der Kirchengemeinde, dass sie diese Podiumsdiskussion in der Elzer Kirche möglich gemacht haben.“ Die indirekte aktive Sterbehilfe wird in Deutschland praktiziert. Es ist die in Kauf genommene Beschleunigung des Todeseintritts als Nebenwirkung einer Medikamentengabe, zum Beispiel einer gezielten Schmerzbekämpfung. Dies erfolgt beispielsweise in Krankenhäusern unter anderem mit Morphin im Endstadium der Krebserkrankungen. „Die indirekte aktive Sterbehilfe ist derzeit straffrei in Deutschland“, so der Mediziner Schröter. Er wünschte sich eine klare Regelung hierzu in der Berufsordnung für die Ärzte. Derzeit wird die Empfehlung der Bundesärztekammer von den jeweiligen Landesärztekammern unterschiedlich ausgelegt. Die passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt. Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Beatmen oder künstliche Ernährung unterlassen oder beendet. Auch eine Sterbebegleitung in Form von Beistand, Seelsorge und schmerzstillender Palliativmedizin gilt als passive Sterbehilfe. Thematisiert wurde am Abend neben der Frage „Sterbehilfe für Menschen mit Demenz?“ auch die Patientenverfügung. Caren Marks regte an, beim Verfassen das Gespräch mit einem Arzt zu suchen sowie das familiäre Umfeld mit einzubinden. Auf die Frage von Pastor Schnell, ob der Glaube beim Sterben hilft, antwortete Seelsorger Vietgen: „Ich kann nicht pauschal sagen, Christen sterben leichter. Das Sterben ist eine ganz individuelle Situation, die nicht vorhersehbar ist.“ Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass der Hospizdienst sowie die Palliativmedizin in Deutschland weiter auszubauen sind. Dies könne dazu beitragen, den Menschen die Ängste vor dem Lebensabend zu nehmen.